Das Eigentumsparadoxon

Artikel aus Ausgabe 1/2024

Wurden schon Müllsäcke gekauft? Stehen Mobilklos im Wald bereit für sanfte Sportler, die zum Langlaufen, Schneeschuhwandern oder Tourengehen zu ihnen kommen?

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Ausgabe: 1/2024
Thema: Holzklopfer
Bundesland: Österreich
Autor:in: Der Holzklopfer, Mag. Roland Hinterberger

Liebe Waldeigentümer,

wurden schon Müllsäcke gekauft? Stehen Mobilklos im Wald bereit für sanfte Sportler, die zum Langlaufen, Schneeschuhwandern oder Tourengehen zu ihnen kommen? Die Corona-Maßnahmen trieben die Menschen wegen geschlossener Skigebiete in die immer geöffneten Wälder. Den Forstleuten hinterließ man Müll und Exkremente mit schönen Grüßen. Der neue Winterzirkus blieb, weil er nichts kostet und angeblich naturnah ist. Der Ansturm selbstverliebter Sanftsportler kommt zur Unzeit: die Vegetation schläft, der Winter zwingt Tiere zur Ruhe, die Waldarbeit erfolgt vorsichtig. Die flächendeckende Spaßzone im Wald schadet vermutlich mehr als Skigebiete.

Die grenzenlose Benützung der Wälder scheint selbstverständlich. Das Gefühl, Gast in einem Betrieb zu sein, fehlt, obwohl über 90 % der Österreicher positiv zum Eigentum stehen. Laut Wohnbaustudie 23 wollen 64 % in Eigentum leben. „Schauplatz Gericht“ im ORF zeigt unerbittliche Besitzverteidiger. Bei so viel Liebe zum Eigentum sollte doch Respekt vor dem Besitz anderer selbstverständlich sein? Die Benützung des Waldes lässt Rücksicht oft vermissen. Warum? Die Zahlenfalle: 100 m2 Wohnung, 800 m2 Garten, das kann sich jeder vorstellen und für urbane Menschen ist das schon Luxus. 100.000 m2 Wald halten Viele für unermesslichen Reichtum, fast unanständig. Dass man von 10 ha Kleinwald nicht leben kann, trifft auf Erstaunen.

Die Wissensfalle: Die Besitzerverhältnisse im Wald kennt keiner, genauso wenig die ökosystemaren Auswirkungen des sanften Tourismus. Falsche PR: Erinnern sie sich an die Verbotstafeln „Es ist auch „Dein“ Wald“ bei Skiliften? Oder den Slogan „unser Wald schützt“? Urbanisierung: In Wien machen 78 % Mieter die Mehrheit, Erholungsraum ist knapp, Holz kommt vom Baumarkt, Kühe sind lila und Ferkel können „ja natürlich“ sprechen. Lifestyleerror: Per Tesla zur Skitour mit veganer Jause rettet den Planeten, da hat man Rechte! Und überhaupt: die freie Natur gehört allen! Oder etwa nicht?

Fragt
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