Genetik – Voraussetzung für eine gute Qualität

Artikel aus Ausgabe 1/2019

Aufforstungen von Waldflächen stellen eine Vielzahl an Herausforderungen und Überlegungen für den Waldbesitzer dar. Um den ökologischen und ökonomischen Erwartungen der einzelnen Forstwirte gerecht zu werden ist für jede Aufforstung das verwendete Pflanzmaterial von wichtiger Bedeutung.

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Ausgabe: 1/2019
Thema: Aufforstung, Waldbau
Bundesland: Salzburg
Autor:in: DI Georg Jäger

Im vergangenen Jahr 2018 blühte der österreichische Wald ganz besonders stark. Auffällig ist hier der kurze Abstand zur letzten Blüte. Im gebirgigen Österreich sind die Mastjahre (Samenjahre) der Fichte in der Regel alle 7 Jahre der Fall. Wenn man im Kalender zurückblättert so fällt auf, dass die letzte Vollmast im Jahre 2015 erst 3 Jahre zurück liegt. Eine mögliche Erklärung für den kurzen Abstand könnte die sogenannte Angstblüte sein, die durch witterungsbedingten Wassermangel ausgelöst wurde.

Saatgut von besonderem Wert

Durch die erneute Vollmast im Jahr 2018 wurden viele Samenbestände beerntet und es konnten die Saatgutreserven wieder aufgefüllt werden. Die Beerntung von gutem Samenmaterial ist durchaus lukrativ, das zeigt sich beim Kilopreis für Zapfen mit Samen. Für gutes Genmaterial aus den heimischen Beständen, kann der Holzwert des beernteten Baumes relativ bald eingeholt werden. Vor allem die Mischbaumarten, wie Lärche und Tanne, welche gerne als Ergänzung zur Fichte gepflanzt werden, müssen dementsprechend nachgezogen werden, um die Nachfrage am Markt bedienen zu können.

Bäume für Hoch- und Tieflagen

Werden Samen geerntet so geschieht dies entweder am stehenden oder am liegenden. Wichtig ist, dass das Samenmaterial aus den verschiedenen Höhenlagen zur Verfügung steht. Bäume aus der Tieflage treiben besonders früh aus und haben insgesamt eine lange Vegetationsphase. Die Bäume aus den gebirgigeren Regionen treiben hingegen nicht beim ersten Frühlingssonnenstrahl aus, sondern „warten“ die oft sehr harten Spätfröste und kalten Frühjahrsnächte ab und sind somit weniger anfällig für abgefrorene Triebe und Frosttrocknis. Darum hätte es auch keinen Sinn, Bäume aus der Ebene ins Gebirge zu pflanzen, da die lange Umtriebszeit frostbedingt zum Problem werden könnte und andersrum die Pflanzen aus dem Gebirge in der Ebene aufgrund der kurzen Wachstumsphase das mögliche Potential nicht ausschöpfen können.

Genetik entscheidend

Nicht nur die Höhenlage ist entscheidend für die Auswahl des Pflanzmaterials sondern auch genetische Merkmale. So weist eine Gebirgslärche eine wesentlich gröbere und steinschlagresistentere Borke auf als Wienerwaldlärchen. Außerdem ist oft die Genetik dafür verantwortlich, ob sich die Lärchen pfeilgerade entwickeln oder sich im Schlangenwuchs gen Himmel strecken. Fichten können in der Astform wesentliche Unterschiede aufweisen. Nicht nur in Grob- bzw. Feinastigkeit, sondern auch in der Art der Astformen. So bieten in Nassschnee gefährdeten Gebieten Kammfichten weniger Angriffsfläche für schweren anhaltenden Schnee als sogenannte Bürstenfichten.

Die Kunst der Samenklengen

Nach der Ernte werden die Samen und Zapfen zu Beginn getrocknet. Wenn sich die Samen aus den offenen Zapfen lösen so werden diese durch ein Sieb vom groben Zapfen getrennt. Ähnlich nur etwas kleiner wie beim bekannten Ahornsamen, sind auch die Nadelholzsamen beflügelt. Dieser Flügel muss noch vom Samen getrennt werden. Das geht je nach Baumart mehr oder weniger leicht da zum Beispiel die Flügel der Lärchensamen mit dem Samen selbst nicht so fest verwachsen sind wie der Samenflügel mit dem Tannensamen. Der gesamte Vorgang geschieht in einer sogenannten Samenklenge. Die Anzahl der verbliebenen Samenklengen in Österreich, lässt sich wohl an einer Hand abzählen.

Vom Samen zum Heister

Nachdem die Samen lagerfähig gemacht wurden, so ist es notwendig diese einmal in den Winterzustand überzuführen und einzufrieren. So wird im Saatbeet ein hoher Keimerfolg erzielt. Nachdem sich die Pflanzen im Saat- bzw. Keimlingsbeet meist zwei Jahre entwickeln konnten, werden sie in die Verschulbeete bzw. Container umgepflanzt. Hier können sie Spross und Wurzel für meist weitere zwei Jahre ausbilden, ehe sie entnommen werden und in Pflanzsäcken, bzw. Containern auf die Aufforstungsfläche gebracht werden.

Qualitätskriterien

Um eine gute Qualität der Pflanzen und der späteren Aufforstung sicherzustellen, sollte gewährleitet sein, dass die jungen Pflanzen beim Setzen verholzte Triebe aufweisen und die Knospen noch nicht ausgetrieben haben. Außerdem zeugen spindelige Pflanzen von zu enger Verschulung im Pflanzgarten und können den Aufforstungserfolg schmälern.

Vor allem bei Lärche ist die Herkunft bzw. die Genetik des Pflanzmaterials ausschlaggebend für die Schaftholzqualität.

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