Sturmschäden und als deren Folge Borkenkäferkalamitäten sind ein von Waldeigentümern gefürchtetes Szenario, das in letzter Zeit in kürzer werdenden Perioden Realität wird. Der vielzitierte „Klimawandel“ lässt grüßen. Die Waldgrenze steigt immer weiter an, in der Tieflage bekommen manche Baumarten zunehmend Probleme mit den höher werdenden Temperaturen und dazu kommen Extremereignisse mit Föhn- oder Gewitterstürmen, die in diesem Ausmaß bisher niemand gekannt hat. Dies geschah auch am 8. Juli 2015 in Villach, als eine Gewitterfront ein Unwetter mit Hagel und Sturmböen brachte, welches in allen Medien große Aufmerksamkeit hervorrief. Schäden in Millionenhöhe an Gebäuden, Autos und Infrastruktur wurden in plakativen Bildern präsentiert. Aber nur wenige Gehminuten nördlich und nordöstlich der Stadt hat sich auch das Landschaftsbild dramatisch verändert. Davon wurde in der Presse nichts erwähnt. Der Sturm hat großteils Fichten- und Kiefernbestände auf einer Fläche von etwa 150 Hektar in unmittelbarem Nahbereich der Stadt gefällt. Insgesamt sind an diesem Tag mehr als 250 Hektar Wald dem Sturm zum Opfer gefallen.
Sekundäre Fichtenwälder
Die meisten geworfenen Waldbestände waren Fichten-Baumhölzer mit beigemischten Kiefern. Der überwiegende Teil der Schadensflächen lag unter 600 Meter Seehöhe im Villacher Becken. Der Zeitpunkt des Ereignisses, mitten im Hauptflug von Buchdrucker und Kupferstecher, erforderte eine rasche Aufarbeitung und Abfuhr der Schadhölzer. Trotz klein- und kleinststrukturierten Besitzungen war die Schadholzaufarbeitung Mitte Oktober abgeschlossen. Zurückgeblieben sind Kahlflächen mit zahlreichen hochragenden Wurzeltellern und offene Böden. Die drohende Verunkrautung und die Gefahr des starken Auftretens von Neophyten machte eine rasche Wiederbewaldung erforderlich. Die gestiegenen Temperaturen und die Prognosen einer weiteren Erwärmung von etwa zwei Grad machten bei derzeit etwas mehr als zehn Grad Jahresmitteltemperatur in Villach ein Umdenken in der Baumartenwahl erforderlich.
Baumartenwahl und Aufforstungskonzepte
Die empfohlenen Konzepte für die Wiederbewaldung zielten auf die Entwicklung von arten- und strukturreichen Mischwäldern ab. Durch die Mischung verschiedener standortstauglicher Baumarten soll das Risiko der Vernichtung ganzer Bestände durch den Totalausfall einer Baumart bei Schadereignissen infolge der Klimaveränderung gestreut und die Nachteile von zumeist standortswidrigen Monokulturen minimiert werden. Den Waldeigentümern wurde ein Konzept vorgeschlagen, das mit möglichst geringem Einsatz finanzieller Mittel und unter Einbeziehung der zu erwartenden Naturverjüngung eine möglichst standortsangepasste Baumartenmischung erreichen lässt. Zudem hat der Waldbesitzer in der späteren Phase der Mischwuchsregulierung bzw. Dickungspflege mehrere Optionen, mit welcher Baumartenzusammensetzung die weitere Bewirtschaftung erfolgen soll.
Teilflächenbepflanzung spart Kosten
Aus diesem Grund wurde eine Teilflächenbepflanzung mit je nach Baumart unterschiedlicher Anzahl von Pflanzen und an die jeweilige Baumart angepassten Pflanzabständen bzw. Gruppengrößen konzipiert. Dieses Konzept wurde auf jede einzelne Fläche übertragen und in der Natur durch Verpflockung mit unterschiedlichen Farben für alle Baumarten festgelegt. So wurde entsprechend der klimatischen Bedingungen, der Boden- und Grundgesteinsarten und der Wasserversorgung die Stieleiche als Hauptbaumart gewählt. Diese wurde in Gruppen von 25 Stück im Abstand von 1 x 1 Meter versetzt. Der Abstand zwischen den einzelnen Gruppen wurden mit 13 Metern so gewählt, dass eine Endbestandseiche diesen Pflanzraum einnehmen kann. Die weitere Pflege kann dann nach dem Q/D-Verfahren erfolgen. Dabei wird in der Jugend durch Dichtstand qualifiziert und später durch Kronenfreistellung das Stärkenwachstum der Zielbäume gefördert, um möglichst starkes Wertholz zu erzeugen. Mittels Formschnitt und Wertastung kann die Stammqualität zusätzlich verbessert werden. Auf den unbepflanzten Flächen blieb Platz für die Naturverjüngung. Auch Zeitmischungen können Erträge bringen und Vorwaldbaumarten dienen als Füllholz und steigern die Stammqualität von Zielbaumarten. Die Festlegung dieser Aufforstungskonzepte erfolgte in Zusammenarbeit mit den Experten des BFW und dem Arbeitskreis Mischwald des Kärntner Landesforstdienstes. Sie wurden den ca. 120 betroffenen Waldbesitzern bei einer gemeinsamen Informationsveranstaltung Anfang Dezember 2015 vorgestellt und mehr als hundert Betroffene setzten im Jahr 2016 ihre individuellen Aufforstungspläne im Rahmen von Förderungsprojekten um. Die Stieleiche mit 56 % und der Bergahorn mit 17 % waren die am häufigsten versetzten Pflanzen. Es wurden aber auch Tanne, Rotbuche, Wildkirsche bis hin zu Speierling und Elsbeere gepflanzt. In Abhängigkeit der standörtlichen Möglichkeiten wurden die Wünsche der Waldeigentümer im Rahmen der Planung berücksichtigt. Auch die Herkunftsfrage der Forstpflanzen wurde bestmöglich gelöst.
Der Wald zeigt, wie es um die Jagd steht
Denkt man an Mischwälder, dann kommt man um das Thema Jagd nicht herum. Auch im Raum Villach sind die Mischbaumarten durch überhöhte Schalenwildstände stark verbissen und kommen ohne Schutzmaßnahmen nicht auf. Vor Beginn der Aufforstungsplanung wurde daher gemeinsam mit den örtlichen Jägern ein Konzept erarbeitet, das Bejagungsmöglichkeiten offen lässt und maschinelle Pflegemaßnahmen ermöglicht. So wurden zuerst Jagdflächen festgelegt und um diese herum die Aufforstung geplant. Ein Mosaik aus kleineren Zaunflächen und Einzelschutz soll dabei für ein unbehelligtes Aufwachsen des gepflanzten Bestandes sorgen, die Naturverjüngung und deren Gedeihen sollte zu einem guten Teil über jagdliche Maßnahmen geregelt werden.
Drei Vegetationsperioden danach
Derzeit sieht es auf den Wiederbewaldungsflächen sehr gut aus. Größere Pflanzenausfälle sind bisher nicht zu beklagen, Naturverjüngung von Nadelhölzern stellt sich wie erwartet ein und auch Pionierbaumarten wachsen vor allem in den Zaunflächen gut auf. Wie es in der kritischen Zeit, etwa fünf Jahre nach den Aufforstungen, aussehen wird, kann man derzeit noch nicht sagen. In den Einzäunungen sollte sich die Stieleiche auch als Naturverjüngung etablieren. Betreut wird das gesamte Projekt seit der Planungsphase von Mitarbeitern der Bezirksforstinspektion Villach und des Kärntner Landesforstdienstes. Die weitere Pflege sollte durch den Kärntner Waldpflegeverein sichergestellt sein, um schlussendlich das Projektziel – die Produktion wertvoller, klimaangepasster Bäume – zu erreichen. Ein zusätzliches Monitoring erfolgt in Form einer Diplomarbeit mit geplanten Folgeerhebungen in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Manfred Lexer (Boku). Die Ergebnisse daraus sollen die weiteren Erkenntnisse und den Erfolg der Wiederbewaldung dokumentieren.
Kahlfläche nach Schadholzaufarbeitung mit ausgepflockten Gruppenzentren.
Buchengruppe hinter Zaun, Lichtbaumarten bringen Beschattung für Qualität.
Stieleichengruppe mit Begleitwuchs hinter Zaun, krautige Schicht hält Feuchtigkeit.





