Aufforstungskonzepte für Großkahlflächen

Artikel aus Ausgabe 1/2019

Großkahlflächen entstehen dann, wenn Schadereignisse auf große Reinbestände treffen. Die Borkenkäferkalamität in Niederösterreich zeigt sehr deutlich, Mischbestände sind weniger betroffen als Reinbestände. Aus diesem Grund sollten künftige Konzepte Richtung Mischwald gehen.

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Ausgabe: 1/2019
Thema: Aufforstung, Waldbau
Bundesland: Österreich
Autor:in: DI Karl Schuster

Es ist aber festzuhalten, dass die Mischbaumarten zum wirtschaftlichen Erfolg beitragen müssen. Die Bedingungen auf großen Kahlflächen sind in der Regel eine große Herausforderung, daher einige Bemerkungen dazu.

Wann sprechen wir von einer Großkahlfläche?

In Anlehnung an das FG1975 §82 kann eine Großkahlfläche definiert werden, wenn sie bei einer Breite bis 50 Meter über eine Länge von 600 Meter hinausgeht oder bei einer Breite über 50 Meter ein Ausmaß von zwei Hektar überschreitet.

Welche Bedingungen herrschen auf Großkahlflächen?

Auf derart großen Freiflächen herrschen je nach Exposition extreme klimatische Bedingungen im Sommer und im Winter. Manche Forstpflanzen sind an diese Extreme nicht angepasst, da sie sich in der Regel im Schatten verjüngen, wie z.B. die Tanne und die Buche.

Verbessernde Maßnahmen

Um diese klimatischen Bedingungen zu verbessern, ist beispielsweise ein Vorwald von Vorteil. Dies kann entweder auf natürliche Weise durch Anflug von Birke, Pappel und Weide oder durch aktive Pflanzung von Pappeln erfolgen. Wenn in Abständen von rund 20 Meter eine Reihe Pappeln (Verband 2 x 2 Meter) gesetzt werden, dann bringt dies einerseits schon nach wenigen Jahren Vorteile für das Bestandesklima (Windbremse, Schattenwurf), andererseits kann nach 10 bis 15 Jahren durch Biomassenutzung der Pappeln automatisch eine vier Meter breite Rückegasse entstehen.

Rückegassen von Anfang an berücksichtigen

Wenn Rückegassen bereits bei der Pflanzung angelegt werden, können bei Abständen von circa vier Meter zu starke Äste entstehen. Deshalb macht es Sinn, eine billige Baumart als Vornutzung in der künftigen Gasse zu setzen.

Mulchen – maschinelle Pflege

Wird die Fläche gemulcht, ist zu überlegen, ob tatsächlich alles gemulcht wird oder nur die Reihen, wo aufgeforstet wird. Dies erleichtert dann auch eine mögliche maschinelle Pflege, die für große Flächen zumindest auf Teilflächen anzudenken ist. Natürlich nur dort, wo das Gelände dies entsprechend ermöglicht.

Standortsbeurteilung notwendig

Auf sehr großen Freiflächen sollte unbedingt der Standort genauer betrachtet werden. Dazu geht man z.B. mit einem Bodenbohrer in Abständen von 50 Meter die Fläche ab und beurteilt den Bodentyp und die Bodenart. Daraus lässt sich eine einfache Standortskarte als Basis für die Baumartenwahl erstellen. Vor allem die Bestimmung der Bodenart (Sand-Schluff-Ton) ist entscheidend. Auch bei wenig Bodenkenntnissen lässt sich dies leicht feststellen. Durch die Fingerprobe kann man die Böden in sandige und tonigere Böden gut unterscheiden. Hohe Sandanteile machen den Boden unformbar bzw. ergeben ein knirschendes Geräusch beim Zerreiben dicht am Ohr. Je höher der Tonanteil desto eher neigt der Boden zur Bildung von stauenden Schichten und zur Bildung von Pseudogleyböden. Bei diesen Böden sind höhere Anteile an Tanne und/oder Eiche notwendig, da nur eine starke Pfahlwurzel den Boden durchwachsen und die Stauschicht durchbrechen kann.

Günstig wäre auch bei ähnlichen Bodenverhältnissen eine Mischprobe für eine chemische Analyse des Bodens, zumindest pH-Wert und KAK (Kationenaustauschkapazität) sollten untersucht werden. In Gebieten, wo mit freiem Kalk zu rechnen ist, sollte zumindest ein Test mit verdünnter Salzsäure gemacht werden, um z.B. Ausschlussgründe für Douglasienaufforstungen zu bekommen.

Baumartenwahl

Aufbauend auf die Standortskartierung können die passenden Baumarten für die Fläche ausgewählt werden. Gerade in der durch den Borkenkäfer stark betroffenen submontanen Höhestufe gibt es eine große Anzahl an wirtschaftlich interessanten Baumarten. Es sollten keine allzu großen Reinbestände begründet werden. Je mehr Baumarten, desto geringer das Risiko. Ein Reinbestand beginnt ab einer Fläche von circa 3.000 m2. Verschiedene Baumarten können in Reinbestandzellen von ungefähr dieser Größe blockartig gemischt werden.

Eine weitere Möglichkeit ist die Mischung in Kleingruppen (Zellen- oder Nestaufforstung) im Abstand vom künftigen Endbestand. Diese Abstände betragen bei Laubholz circa 10 (Edellaubholz) bis 13 Meter (Eiche, Rotbuche). Bei Edellaubholz (Bergahorn, Kirsche, Nussarten) genügen fünf Stück, bei Eiche und Rotbuche sind mindestens 20 Stück nötig, um einen Z-Baumkanditaten zu bekommen. Schnittmaßnahmen (Zwiesel und Starkäste) sollten aber regelmäßig durchgeführt werden. Als Grundbestand oder Füllholz kann dann z.B. Fichte als Zeitmischung verwendet werden, die laufend bei der Durchforstung entnommen wird oder eine andere dienende Art wie Hainbuche oder Linde als Energieholz.

Um der künftigen Klimaänderung Rechnung zu tragen, sollten bei allen Aufforstungen die Baumarten der natürlichen potenziellen Waldgesellschaft einbezogen werden. Sie sollten zumindest so berücksichtigt werden, dass aufgrund der Verteilung auf der Fläche eine nächste Generation an Bäumen durch Naturverjüngung entstehen kann. Man kann davon ausgehen, dass die Baumarten der natürlichen potenziellen Waldgesellschaft am ehesten in der Lage sind, eine Temperaturerhöhung im Ausmaß von bis zu zwei Grad zu ertragen. Die Baumart Fichte, die in den Tieflagen jetzt schon am Rande ihres Verbreitungsgebietes ist, wird dies wohl kaum unbeschadet überstehen.

Zeitpunkt der Aufforstung

Eine der wichtigsten Fragen wird in Zukunft die nach dem Aufforstungszeitpunkt sein. 2018 sind in Niederösterreich nach der Aufforstung im Frühjahr hohe Ausfälle durch Trockenheit entstanden. Die Empfehlung geht immer mehr zur Herbstaufforstung, weil hier der Zeitrahmen größer ist und die Pflanzen von September bis November gesetzt werden können. Bei zu trockenem Wetter im Herbst können die Pflanzen auch bis zum nächsten Frühjahr eingeschlagen werden. Topfpflanzen bieten hier auch eine gewisse Flexibilität bezüglich des Setzzeitpunktes.

Schutz der Fläche (Zaun-Einzelschutz)

Große Flächen über einen Hektar kann man mit einem Zaun kaum wildfrei halten. Günstiger ist eine Kombination von Kleinzäunen, Einzelschutz und chemischem Verbissschutz neben einer Abschusserhöhung, Schwerpunktbejagung und Abschussvorverlegung.

Wildäsungsflächen – Schussschneisen

Als Grundbesitzer hat man auch gegenüber dem Wild eine gewisse Verantwortung, daher ist die Anlage von Wildäsungsflächen wichtig, am besten in Absprache mit der Jägerschaft. Das Auspflanzen von Prossholz (z.B. Weidenarten) und fruchttragenden Baumarten bzw. Sträuchern sollte bei großen Aufforstungen nicht fehlen. Bei starker Naturverjüngung oder bei großflächigen Aufforstungen muss auch die Anlage von Schussschneisen eingeplant werden, damit die Jäger auch den Abschuss erfüllen können.

Je dünner der Boden zwischen den Fingern ausrollbar ist, desto mehr Tonanteil ist im Boden.

Eichennest nach der Begründung mit Fichtennebenbestand.

Eichennest nach 20 Jahren, Z-Baumkandidat ist schon erkennbar.

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