Generell kann überhaupt kein Termin als der Günstigste bezeichnet werden, weil dies von vielen Faktoren abhängig ist. Die Höhenlage, die Exposition, die Bodenverhältnisse und die Wasserversorgung des Standortes bestimmen den richtigen Zeitpunkt. Auf sandigen Böden ist eine regenreiche Phase optimal, auf sehr feuchten Standorten ist eine trockene Periode vorher günstiger. In den Hochlagen kann schon im August gesetzt werden, in den Tieflagen erst im Oktober.
Setzzeitpunkt
Der Setzzeitpunkt sollte auf die Wurzelaktivität abgestimmt werden. Das Wachstum der Wurzel verläuft diametral zum Wachstum des Sprosses. Der Spross beginnt mit dem Wachstum im Mai und beendet sein Wachstum je nach Baumart im August/September. Die Wurzel hingegen zeigt zwei Wachstumshöhepunkte im April/Mai und im August/September. Die Wurzel wächst eigentlich auch im Winter, wenn es nicht zu kalt ist. Ab ca. sieben Grad Bodentemperatur wächst die Wurzel.
Wenn nun zeitig im Frühjahr gesetzt wird, kommt die Wurzel in einen meist noch kalten Boden. Auf den „Kopf“ der Pflanze scheint aber möglicherweise schon die Sonne, das heißt die Pflanze muss verdunsten und benötigt Wasser, die Wurzel muss aber erst den Bodenkontakt herstellen. Das kann zu Problemen in der Wasserversorgung führen. Der Vorteil einer Herbstpflanzung ist, dass die Pflanze Zeit hat zum Einwurzeln und im Frühjahr ohne den berühmten Verpflanzungsschock austreiben und wachsen kann. Dieser Verpflanzungsschock ist bei Frühjahrspflanzung eine Schutzmaßnahme für die Pflanze, indem sie später austreibt und die Energie in die Wurzel verlagert um Feinwurzeln zu bilden. Dies kann durchaus einen halben Jahreszuwachs bedeuten, der sich negativ durch längere Konkurrenz zu den Beikräutern und -gräsern bemerkbar macht. Durch Herbstpflanzung können daher kostenintensive Kulturpflegearbeiten reduziert werden.
Bei der Herbstpflanzung sind jedoch einige Dinge zu beachten, vor allem um welche Baumarten es sich handelt. Fichte, Kiefer und Tanne sollten im September gepflanzt werden, weil diese schon im August mit dem Wachstum abschließen. Laubholz, Lärche und Douglasie sollten erst viel später ab Mitte Oktober gepflanzt werden, bei Laubholz erst nach der Blattverfärbung. Wenn die Blätter verfärben, werden viele Nährstoffe aus den Blättern resorbiert und in die Wurzel verlagert bevor die Blätter abgeworfen werden. Diese Nährstoffe sind auch für das Wurzelwachstum wichtig, daher darf nicht zu früh gepflanzt werden. Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium werden zu einem hohen Prozentsatz rückverlagert, Schwermetalle wie Zink und Mangan, aber auch Kalzium bleiben zum Großteil im Blatt (Nadel). Sehr oft sind die Pflanzensortimente ohnehin nicht verfügbar, weil die Baumschulen die Pflanzen nicht früher ausnehmen und in das Winterquartier geben können. Ein zu frühes Entnehmen kann bei Transport und Manipulation zu Schäden an den Knospen führen, wenn diese zu wenig ausgereift sind.
Für Topfpflanzen gilt im Prinzip ähnliches, außer dass hier eine etwas höhere Flexibilität vorhanden ist. Bei Trockenheit wird jedoch immer wieder beobachtet, dass die Wurzeln nicht aus dem Container rauswachsen und die Pflanzen ebenfalls vertrocknen. Der Grund ist das Substrat im Container, welches noch rascher austrocknet als gewachsener Boden.
Das größte Problem bei einer Herbstaufforstung ist die Herstellung eines ausreichenden Bodenschlusses. Vor allem bei Lochpflanzung muss sorgfältig rückverfestigt werden, damit die Wurzel mit dem Boden in Kontakt kommt. Es dürfen keine Hohlräume entstehen, da sonst die Wurzel vertrocknen würde. Durch das Auftreten von Barfrösten kann die Wurzel gelockert und ausgehebelt werden. Rechtzeitig im Frühjahr sollten die Kulturen noch einmal kontrolliert und nachgetreten werden.
Bei Herbstpflanzungen sollte im darauffolgenden Frühjahr nicht vergessen werden, dass bei Nadelholz der Große Braune Rüsselkäfer (Hylobius abietis) lauert, daher im Frühjahr rechtzeitig kontrollieren und wenn nötig bekämpfen.
Aus Gründen der Arbeitserleichterung kann die Aufforstung auch in Herbst- und Frühjahrsaufforstung geteilt werden, dann ist es ratsam Laubhölzer und Lärche im Herbst und Nadelholz im Frühjahr zu pflanzen. Douglasie soll möglichst spät gesetzt werden, wenn die Knospen bereits schwellen, damit es keine Frostschäden, vor allem aber keine Frosttrocknis, gibt. Frosttrocknis entsteht, wenn die Böden noch einmal gefrieren und die Wurzel kein Wasser nachschaffen kann, während bei Sonnenschein die Pflanzen schon Wasser verdunsten.
Wurzelgerechte Pflanzung
Egal ob Herbst- oder Frühjahrspflanzung, von größter Bedeutung ist die wurzelgerechte Pflanzung. Die Spaltpflanzung mit der Winkelhaue sollte eigentlich der Vergangenheit angehören, weil die Blattlänge bei der Wiedehopfhaue für große Wurzeln zu kurz ist. Wenn schon Spaltpflanzung dann wenigstens mit der Hartmannhaue oder einem ähnlichen Werkzeug. Nur damit gelangt die lange Eichenwurzel senkrecht in den Boden, mit der Winkelhaue würden Wurzeldeformationen die Regel sein.
Es sollte selbstverständlich sein, dass gepflanzt wird, wenn eine regnerische Zeit darauf folgt. Um den Pflanzen den optimalen Bodenkontakt zu geben, ist ein Einschlämmen durch ausreichend Wasser am Besten. Auf kleinen Flächen kann dies mit einer einmaligen Bewässerung mit z.B. einem Güllefass passieren, bei Großflächen sind die Wassermengen aber zu enorm. Eine gewisse Verschiebung der Aufforstung zu einem vorhergesagten Niederschlagsereignis macht durchaus Sinn. Wasserlanzen, die das Wasser in den Wurzelraum direkt bringen, haben bei hoher Sonneneinstrahlung ihre Berechtigung. Bei wurzelnackten Pflanzen ist auch ein Verdunstungsschutz anzuraten (z.B. Dunstol, Agro-Plant oder Alginure). Jede Methode, die ein Austrocknen der empfindlichen Wurzeln verhindert, sollte angewendet werden.
Hydrogel
In den letzten Jahren kommen auch vermehrt Hydrogele auf den Markt, die im Boden die Wasserspeicherkapazität erhöhen. Ein Beispiel dafür ist Polyter GR. Dieses Hydrogel besteht aus pflanzlicher Zellulose und wird in Form eines Granulates ausgebracht. Es enthält auch geringe Mengen an Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium. Bei Wasserkontakt kann es das 300-fache des Eigengewichtes an Wasser speichern und nach und nach an die Wurzel abgeben. Das Granulat muss am besten bei der Pflanzung ins Pflanzloch gegeben werden. Die Wurzel verwächst sich dann mit dem Granulat und wird zu einer Einheit. Untersuchungen an der Universität für Bodenkultur zeigen gute Erfolge mit diesem Bodenhilfsstoff. Andere ähnliche Mittel heißen Agrisan oder Stockosorb.
Egal wann aufgeforstet wird, alles steht und fällt mit dem Niederschlag und der lässt uns in manchen Regionen Österreichs in den letzten Jahren immer mehr im Stich.





