Klimafitter Wald – über Generationen gesichert

Artikel aus Ausgabe 3/2020

Eine Bewirtschaftung in Zeiten des Klimawandels kann nur mit Verstand, Gefühl und viel Interesse gemeistert werden. Trotz der mittlerweile erhältlichen „klimageeigneteren Baumarten“ aus südlicheren Ländern, setzt die Familie Stieninger ganz instinktiv auf heimische Hölzer um dem Klimawandel zu trotzen.

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Ausgabe: 3/2020
Thema: Reportage
Bundesland: Steiermark
Autor:in: Anna Fuchsbichler

Der rund 90 ha große Land- und Forstwirtschaftliche Betrieb der Familie Stieninger, vulgo Sonnleitner, liegt in der idyllischen und waldreichen Gegend des wunderschönen Mürztales. Im Jahr 2002 übernahm Sohn Thomas den elterlichen Betrieb. Da schon immer ein großes Interesse für den Betrieb und für die Jagd vorhanden war, stand schon in jungen Jahren fest, dass eine Ausbildung an der Land- und Forstwirtschaftlichen Fachschule Grabnerhof genau das richtige ist.
Gemeinsam mit seiner Frau Doris, dem Sohn Jakob und der Mutter Elisabeth führt er den Bio-Betrieb im Vollerwerb mit großer Leidenschaft und viel Engagement. Neben den Arbeiten zuhause ist der Betriebsführer in den Sommermonaten beim Ballenpressen und in den Wintermonaten beim Schneeschieben unterwegs. Im Jahr 2016 wurde eine 30 Hektar große, zum Betrieb angrenzende Fläche, aufgeteilt auf 10 ha Wald, 10 ha Grünland und 10 ha Hutweide zugekauft.

Als zweites Standbein fungiert die Landwirtschaft mit durchschnittlich 13 Mutterkühen plus Zuchtstier und Nachzucht. Mit Fleckvieh und Limousin wird nicht nur gezüchtet, sondern auch direktvermarktet. Die Rinder werden bei einem naheliegenden Schlachter geschlachtet, aufgearbeitet und anschließend sowohl an private Abnehmer als auch an Gasthäusern in der Umgebung als Styria Beef (Fleisch aus artgerechter Haltung und biologischer Fütterung) weiterverkauft.

Lebensräume schaffen

Ein großes Anliegen der Familie ist es, natürliche Lebensräume zu erhalten beziehungsweise neue zu schaffen. Durch die Förderung natürlicher Habitate und Biotope gibt es im Wald der Familie eine hohe Artenvielfalt: Besonders das Auerwild, sowie Haselhühner und Spechte fühlen sich in den Waldungen sichtlich wohl.
Außerdem, so der Besitzer, ist es notwendig dem Wild Abwechslung und Ablenkung zu bieten, nur so und selbstverständlich mit Wildstandsreduzierung ist es möglich, ein harmonisches Zusammenleben erzielen zu können.

Nutzung und Jahreseinschlag

Jedes Jahr werden in der Saftruhe in den Monaten November bis April Durchforstungen und Läuterungen auf zwei bis drei Hektar der mittlerweile 60 Hektar großen Waldfläche durchgeführt. Mit schwachen aber regelmäßigen Eingriffen kommt der Jahreseinschlag auf ungefähr 250 Efm. Die Arbeiten werden ausschließlich vom Betriebsführer selbst mit einem 140 PS Allradtraktor, einer 8 Tonnen Seilwinde und einem Krananhänger aus der Holzgrabengemeinschaft ausgeführt.
Die Organisation der Abfuhr und Vermarktung des Blochholzes an Mayr-Melnhof und des Schleifholzes an die PHA Bruck (Papierholz Austria) übernimmt der Waldverband Mürztal, Faserholz wird bei der Familie ausschließlich zum Eigenverbrauch als Brennholz verwertet. Eine regionale Vermarktung spielt auch für die Sonnleitners eine große Rolle.

Naturverjüngung bevorzugt

Der derzeitige Baumartenanteil am Betrieb beläuft sich auf 85 % Fichte, 10 % Lärche, 2 % Tanne und die restlichen 3 % teilen sich hauptsächlich auf Eberesche, Ahorn, Kiefer und sonstige Laubhölzer auf. Wie in jeder Familie haben auch die Stieningers einen ganz klaren Zukunftsgedanken. Der heimische Weißtannenanteil sollte erhöht werden und in weiterer Folge die allgemeine Umwandlung zu einem Mischbestand. Das so ein Waldumbau nicht von heute auf morgen zu erledigen ist, ist klar. Um die Tannen gezielt einzubringen hat sich die Familie etwas Spezielles überlegt: einzelne Individuen, bevorzugt Topfpflanzen, werden in den bereits bestehenden Fichtenbestand eingepflanzt, da Schläge prinzipiell vermieden werden. Mit dem vermehrten und gezielten Einbringen von Weißtannen erhoffen sich die Stieningers in naher Zukunft einen stabileren und widerstandsfähigeren Bestand durch die tiefwurzelnde Baumart zu schaffen. Durch das gegebene Licht- Schattenverhältnis am Bestandesboden zeigen sich schon sichtbare Erfolge in der Entwicklung.

Wenn nicht durch einen Windwurf, wie jener im Jahr 2014, 1.000 Efm auf einmal anfallen, wird die Schlagbewirtschaftung und einhergehende Aufforstung gänzlich gemieden, da die Dornen bei etwas zu viel Licht sofort Überhand nehmen. Wenn gepflanzt werden muss, dann hauptsächlich Tannen und Lärchen – Laubhölzer wie Eberesche, Ahorn und Pappeln kommen durch die umliegenden Samenbäume von alleine relativ gut auf. Fichten werden überhaupt keine mehr gesetzt, da sich diese sowieso mit reichlich Selbstanflug vermehren. Ganz weg denken kann man sich die Hauptbaumart Österreichs nicht – auf einer gewissen Höhe hat sie sehr wohl ihre Berechtigung, so Stieninger.

Aufgrund dessen muss nach einer Kalamität noch im selben Jahr aufgeforstet und jahrelang Kulturpflegearbeiten betrieben werden, da die Verjüngung sonst überhaupt keine Chance hat aufzukommen. Außerdem ist der Wald, der sich auf einer Seehöhe zwischen 900 und 1.300 Metern befindet extrem empfindlich, was zu starke Eingriffe bei den Durchforstungen betrifft. Wird bei einem Eingriff zu viel auf einmal entnommen sind nicht nur die Dornen ein Problem, sondern auch Rindenbrand durch die südexponierte Lage und durch die Gefährdung von Windwurf und Schneebruch. Diese Wälder erfüllen keineswegs nur noch eine wirtschaftliche, sondern vielmehr eine Schutzfunktion.

Gezielter Abschuss

Ohne die Bejagung und ohne Wildstandsregulierung von Reh- und Rotwild wäre ein Aufbringen der Verjüngung undenkbar, so der Betriebsführer, der selbst Jäger und bei der Gemeindejagd Kapellen an der Mürz Pächter ist. Da schon damals sein Vater das Privileg hatte, den Wald eigens und mit voller Energie zu bejagen kann mit Stolz gesagt werden, dass seit mehr als 25 Jahren kein Wildproblem mehr am Betrieb besteht.

Stieninger empfindet es deshalb für äußerst wichtig, dass jeder Waldbesitzer selbst die Jagdausbildung haben sollte, um ein Verständnis und die notwendige Akzeptanz der Jagd zu erlangen. Ob die Jagd dann selbst ausgeführt wird ist eine andere Geschichte. Nur Bejagung alleine ist aber auch nicht alles, dem Wild soll möglichst viel Ablenkung geboten werden: mit Wildäsungsflächen und Mischbaumarten wie der Eberesche wird für das Wild reichlich Abwechslung erzielt. Trotz all dem kommt man nicht daran vorbei, die Bäumchen mit Einzelschutz vor Verbiss- und Fegeschäden zu schützen, wie zum Beispiel mit TRICO, Absperrbändern (ein Versuch der Familie) oder Stachelbäumen.

Fakten & Details

Familie
Stieninger, vulgo Sonnleitner
Betriebsführer Thomas ist Absolvent der Fachschule Grabnerhof
Ehefrau: Doris
Sohn: Jakob 10 Jahre, gewann bereits zweimal die Vierschanzentournee im Schispringen der Kinder
Mutter: Elisabeth
Adresse: Sonnleitnerweg 5, 8691 Neuberg

Betrieb
60 ha Wald und 30 ha landwirtschaftliche Nutzfläche
Seehöhe von 900 bis 1.300 Meter
BIO Betrieb im Vollerwerb – Mutterkuhhaltung mit durchschnittlich 13 Kühen + Stier und Nachzucht
Direktvermarktung Styria Beef an private Abnehmer und Gasthäuser

Landwirtschaft
Allradtraktor 140 PS + 8 to Seilwinde
Krananhänger aus einer Gemeinschaft

Steilhangbewirtschaftung in südexponierter Lage.

Eine stolze Bauernfamilie mit starken Wurzeln, viel Persönlichkeit und klaren Zielen.

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