Seit 1628 werden in den alten Gemäuern direkt am Ufer des Flusses Ybbs im Zentrum von Waidhofen/Ybbs Holzfässer hergestellt, seit 1880 von der Familie Schneckenleitner bereits in der fünften Generation. Der Geschäftsführer Paul Schneckenleitner bezeichnet den Betrieb, den er seit 2013 leitet, als „traditionellen Familienbetrieb“ mit dem „klaren Ziel, Holzfässer in höchster Qualität in Handarbeit zu produzieren“. Das Familienunternehmen beschäftigt rund 20 Mitarbeiter, darunter den Vater und die beiden Brüder von Paul. Auf die fachlich beste Ausbildung der Mitarbeiter wird viel Wert gelegt, werden doch Qualitätsprodukte aus Holz in Handarbeit für die Lagerung von Spitzenweinen gefertigt. In den 70er Jahren kam es infolge der Konkurrenz durch Edelstahl und Kunststoff zu einem Einbruch am Markt und viele Fassbindereien stellten ihre Produktion ein. Nach schwierigen Jahren stieg jedoch die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Holzfässern wieder an. Die Werkstatt im Zentrum von Waidhofen/Ybbs wurde für die Produktion zu klein und so wurde 2002 ein zweiter Standort nur wenige Kilometer entfernt in Betrieb genommen. Derzeit werden jährlich über 1.000 Fässer gefertigt. Aufgrund der weltweit großen Nachfrage beträgt die Lieferzeit für Fässer mit großem Volumen aktuell zwölf Monate.
Rohstoff Holz aus heimischen Wäldern
Um Holzfässer in Spitzenqualität herstellen zu können braucht es Fachwissen, handwerkliches Geschick und den passenden Rohstoff Holz. Dass dieser in der erforderlichen Qualität nicht immer leicht zu bekommen ist, weiß auch Paul Schneckenleitner. Für den Holzeinkauf sind Paul, sein Vater und sein Bruder selbst zuständig. Den überwiegenden Teil des Holzes, jährlich werden ca. 500 Erntefestmeter benötigt, kaufen sie von den Niederösterreichischen Waldbesitzern. 2021 nahmen sie erstmals an der Wertholzversteigerung des NÖ Waldverbandes teil und ersteigerten dort die für sie passenden Qualitäten. In der Fassbinderei Schneckenleitner werden nur Traubeneichen verarbeitet. Dabei spielt, neben den herkömmlichen Qualitätskriterien, wie Jahrringbreite, Astigkeit, Geradschaftigkeit, Durchmesser und Farbe, der Boden, auf dem der Baum über 100 Jahre gewachsen ist, eine bedeutende Rolle. Jeder Boden ist anders und weist eine unterschiedliche Konzentration von Aromen auf. Für verschiedene Weinsorten werden daher Bäume von unterschiedlichen Standorten für die Fassproduktion benötigt. „Qualitätsfässer können wir nur aus bestem Holz erzeugen, und die zeigt sich schon bei der oft zehn Jahre lang gelagerten Schnittware“, so Paul Schneckenleitner. Die Lagerhaltung des Holzes gestaltet sich als äußerst schwierige Aufgabe, da man ja nie weiß, welche Holzmenge man in zehn Jahren für die Fassproduktion benötigt.
Fassherstellung
Je nach Auftrag werden die Fässer in verschiedenen Größen zusammengebaut. So werden 300 Liter Barrique–Fässer genauso produziert wie 5.000 Liter Fässer, deren Fertigungszeitraum drei Wochen dauert. Das größte Fass, das je von der Familie Schneckenleitner zusammengebaut wurde, hatte ein Fassungsvermögen von 28.000 Liter und wurde vom Vater des derzeitigen Betriebsleiters gebaut.
Die Herstellung von Holzfässern ist weitgehend Handarbeit und erfordert daher großes handwerkliches Geschick. Die notwendigen Bretter werden gespalten, zugeschnitten und zu Böden, Deckeln und Dauben gehobelt. Nachdem die Dauben in die richtige Reihenfolge gebracht worden sind, werden sie ohne Klebstoff und Schrauben nur mit dem Eisennring in der richtigen Position gehalten. Die Dauben stehen dabei immer noch wie ein Reifrock auseinander. Nun wird durch Erhitzen über einen Feuerkorb und Feuchthalten mit einer Spritze das Fass in die richtige ovale Form gebogen. Später wird das Innere jedes Fasses ein zweites Mal über dem Feuer erhitzt. Dieses „toasten“ beeinflusst den Geruch und den Geschmack des Weins, der später im Fass reift, genauso wie beim Rösten von Kaffee. Die Kunst besteht darin, einem Fass genau die Röstung zu geben, die zur Rebsorte und zur Philosophie des Winzers passt. Für das Feuer zum „toasten“ werden nur Holzstücke des Holzes verwendet, aus dem das Fass hergestellt wurde. Damit wird ein Einbringen von zusätzlichen Aromen verhindert.
Die Fassbinderei Schneckenleitner GmbH stellt in der fünften Generation aus dem heimischen Rohstoff Holz Fässer her, die Aufgrund ihrer Qualität weltweit gefragt sind. Bestellungen aus Frankreich, Kalifornien, Südamerika oder Israel können dies bestätigen.
Um den Wünschen renommierter Winzer nach Holzfässern in Top-Qualität auch weiterhin entsprechen zu können, ist der Mostviertler Traditionsbetrieb auf der Suche nach handwerklich geschickten Personen, Lehrlinge ebenso wie ausgebildeten Tischlern, Zimmermännern (m/w) oder Quereinsteigern mit Interesse am Werkstoff Massivholz. Fassbinder – Ein Beruf mit Zukunft!
Die Schnittware wird bis zu zehn Jahre unter freiem Himmel gelagert, bevor sie zu hochwertigen Eichenfässern verarbeitet wird. Dabei spielt die Holzqualität eine wichtige Rolle.
Handwerkliches Geschick und viel Erfahrung zeichnen einen guten Fassbinder aus.
Jede „Fassdaube“ wird einzeln bearbeitet und zu einem „Reifrock“ zusammengebaut.
Fässer mit bis zu 5.000 Liter Fassungsvermögen werden von den Fassbindern in Handarbeit hergestellt.
Dauer und Hitze des „Toastens“ haben entscheidende Auswirkung auf die Entfaltung der Aromen des Fasses.







