Besonders wurzelnackte Forstpflanzen reagieren empfindlich auf Austrocknung. Vor allem die Feinwurzeln müssen vor direkter Sonneneinstrahlung und Wind geschützt werden. Werden Pflanzen ungeschützt transportiert, zwischengelagert oder erst nach längerer Wartezeit gesetzt, ist der Anwuchserfolg bereits vor dem Pflanzen beeinträchtigt.
Forstpflanzen sollten deshalb kühl, schattig und windgeschützt gelagert werden. Die Wurzeln müssen durchgehend feucht bleiben. Bei längerer Zwischenlagerung sind die Pflanzen einzuschlagen. Auf der Fläche sollte nur jene Menge aus dem Pflanzsack genommen werden, die sofort gesetzt wird. Offenliegende Wurzeln können bei Sonne und Wind nach wenigen Minuten Schaden nehmen.
Pflanzzeitpunkt, Pflanztechnik und Standort
Nach schneearmen Wintern oder in niederschlagsarmen Regionen kann die Frühjahrsaufforstung rasch an Grenzen stoßen. Ist der Boden bereits trocken, steigt das Ausfallrisiko deutlich. In solchen Lagen kann die Herbstpflanzung Vorteile bringen, weil die Pflanzen noch vor dem Winter einwurzeln und im Frühjahr ohne starken Verpflanzungsschock starten können.
Ebenso wichtig ist die richtige Pflanztechnik. Nicht die Wurzel wird an das Pflanzloch angepasst, sondern das Pflanzloch an die Wurzel. Umgebogene oder stark gekürzte Wurzeln verschlechtern die Wasserversorgung und können später zu Wurzelfäule oder Stabilitätsproblemen führen. Die Pflanze soll so tief gesetzt werden, wie es auch im Forstgarten der Fall war. Weiters benötigen sie einen guten Bodenschluss zur Nährstoff und Wasserversorgung.
Baumartenwahl und Herkunft entscheiden mit. Standortgerechte Baumarten und passende Herkünfte sind für stabile Kulturen grundlegend. Sie müssen zu Boden, Wasserhaushalt, Höhenlage und Exposition passen. Gerade auf trockenen, flachgründigen oder stark exponierten Flächen zeigt sich rasch, ob die Wahl zum Standort passt. Auch die Pflanzenqualität muss passen.
Begleitwuchs gezielt regulieren
Nach der Pflanzung beginnt die entscheidende Kulturpflege. Gras, Brombeeren und anderer Begleitwuchs entziehen jungen Pflanzen Licht, Wasser und Nährstoffe. Ein gezieltes Ausmähen oder Freistellen rund um die Pflanze ist daher notwendig.
Trotzdem ist ein flächiges Freistellen nicht immer automatisch positiv. Eine mäßige Beschattung durch Begleitvegetation kann den Boden vor direkter Sonne schützen und das Mikroklima verbessern. Problematisch wird es, wenn die Pflanzen überwachsen oder niedergedrückt werden. Besonders wichtig ist sorgfältiges Arbeiten mit der Motorsense. Verletzungen an Stamm oder Wurzelhals können die Wasser- und Nährstoffversorgung beeinträchtigen und das Risiko für Folgeschäden erhöhen.
Bei Nadelholzaufforstungen auf frischen Schlagflächen sollte auch der Große Braune Rüsselkäfer mitbedacht werden. Sein Rindenfraß kann die Wasser- und Nährstoffversorgung der jungen Pflanzen unterbrechen. Die Pflanzen welken und können absterben. Das Schadbild kann dadurch zunächst einem Trockenschaden ähneln. Hinweise auf Rüsselkäferbefall sind vor allem Pockennarbenfraß an der Rinde und Harzaustritt. Vorbeugend kann auf gefährdeten Flächen eine mehrjährige Schlagruhe sinnvoll sein, meist werden dafür drei Jahre empfohlen.
Trockenheit lässt sich nicht verhindern. Pflanzenausfälle lassen sich aber deutlich verringern, wenn Pflanzen fachgerecht behandelt, standortgerecht ausgewählt, sorgfältig gesetzt und in den ersten Jahren gezielt gepflegt werden.



