Wenn wir über Wald sprechen, meinen wir selten dasselbe. Für die einen ist er Lebensraum, für andere Erholungsraum, Arbeitsplatz oder Rohstoffquelle. Gleichzeitig soll er Kohlenstoff speichern, Wasser schützen, vor Naturgefahren bewahren, Biodiversität fördern und Holz liefern. Kaum ein anderer Lebensraum erfüllt so viele Funktionen und vereint so viele Erwartungen auf derselben Fläche. Umso wichtiger ist es, diese Zusammenhänge verständlich zu machen.
Vielfalt entsteht nicht von selbst
Die Informationskampagne Vielfalt braucht Bewirtschaftung macht diese Zusammenhänge sichtbar. Sie versteht Vielfalt nicht nur als Artenvielfalt, sondern ebenso als Vielfalt an Leistungen, Produkten, Berufen, Innovationen und Menschen entlang der gesamten waldbasierten Wertschöpfungskette.
Die zahlreichen Gespräche mit Wissenschafter:innen und Praktiker:innen im Rahmen der Kampagne machen eines deutlich: Zukunftsfähige Wälder entstehen nicht durch Stillstand, sondern durch Wissen, Pflege und vorausschauendes Handeln. Klimafitte Wälder beginnen mit standortgerechten Baumarten und geeigneten Herkünften. Gleichzeitig gewinnen Pflege, Durchmischung und aktive Bestandesentwicklung weiter an Bedeutung.
Silvio Schüler (Bundesforschungszentrum für Wald) bringt es auf den Punkt: Der Wald, den wir heute kennen, wird das Klima von morgen nicht ohne Anpassungen bewältigen können. Entscheidend ist daher nicht nur die Baumartenwahl, sondern die gesamte Art der Bewirtschaftung. Auch Christoph Hartleitner von LIECO betont die Bedeutung einer vielfältigen Baumartenwahl, regelmäßiger Pflege und generationenübergreifender Entscheidungen. Zukunft entsteht dort, wo heute Verantwortung übernommen wird – oft weit über die eigene Generation hinaus.
Der Wald endet nicht am Waldrand
Wer an Wald denkt, denkt häufig zuerst an Bäume. Dort jedoch beginnt eine der bedeutendsten Wertschöpfungsketten in Österreich. Aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz entstehen Baustoffe, Möbel, Papier, Zellstoff, Energie und eine Vielzahl biobasierter Produkte, die fossile Rohstoffe zunehmend ersetzen. Holz findet sich heute in Gebäuden, Textilien, Verpackungen und innovativen Werkstoffen.
Die Bedeutung dieser Wertschöpfungskette reicht weit über den Forst hinaus. Laut BMLUK erwirtschaftet die waldbasierte Wertschöpfungskette jährlich rund 43,1 Milliarden Euro Wertschöpfung, sichert rund 444.000 Arbeitsplätze und trägt 10,15 Prozent zur österreichischen Wirtschaftsleistung bei. Gerade im ländlichen Raum zählt die Branche zu den wichtigsten Arbeitgebern und Innovationstreibern. Jeder nachhaltig bewirtschaftete Wald ist damit nicht nur Lebens-, sondern auch Zukunftsraum.
Die Reportagen der Kampagne zeigen diese Wertschöpfung dort, wo sie entsteht. Moderne Forsttechnik bildet – wie Karl Stampfer (Institut für Forsttechnik, BOKU) betont – das Bindeglied zwischen Wald und Holzindustrie. Digitalisierung, Laserscanning und innovative Seiltechnik verbessern nicht nur Effizienz, sondern erhöhen Arbeitssicherheit, schonen Böden und ermöglichen eine hochwertigere Holznutzung. Gleichzeitig entstehen in Sägewerken, Holzbaubetrieben und Zellstoffwerken aus einem regionalen Rohstoff hochwertige Produkte, wobei nahezu jeder Teil des Stammes genutzt wird. Was nicht stofflich verwendet werden kann, wird im Sinne der Kaskadennutzung energetisch verwertet.
Gute Kommunikation braucht gute Grundlagen
Gerade weil der Wald heute häufig emotional diskutiert wird, braucht Kommunikation belastbare Fakten. Wissenschaftliche Erkenntnisse helfen, komplexe Zusammenhänge verständlich einzuordnen und vereinfachte Gegensätze zu überwinden. Eine wichtige Grundlage dafür bildet unter anderem die waldökologische Basisinventarisierung an der FAST Pichl. Sie zeigt eindrucksvoll, dass nachhaltige Waldbewirtschaftung und Biodiversität gemeinsam gedacht werden können und liefert eine fachliche Basis für den gesellschaftlichen Dialog.
Wissenschaft und Praxis gemeinsam erzählen
Auf dieser Grundlage verbindet die Kampagne wissenschaftliche Einordnung mit praktischen Beispielen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Während der erste Kampagnenteil die vielfältigen Leistungen nachhaltig bewirtschafteter Wälder sichtbar machte, führt der zweite Teil den Blick konsequent weiter – von der Waldbewirtschaftung über Forsttechnik, Holzbau und Zellstoffproduktion bis hin zu Biomasse und Bioökonomie.
Ergänzt werden die Reportagen durch Podcastgespräche mit führenden Wissenschafter:innen. Martin Greimel (Zentrum für Bioökonomie, BOKU) zeigt auf, wie die forstbasierte Bioökonomie fossile Rohstoffe durch nachwachsende Alternativen ersetzt. Gerhard Grüll (Holzforschung Austria) macht deutlich, welche Möglichkeiten moderner Holzbau heute eröffnet. Lorenz Strimitzer (Energieagentur Österreich) ordnet Biomasse als Teil intelligenter Stoff- und Energiekreisläufe ein, während Karl Stampfer und Silvio Schüler die zentrale Rolle moderner Forsttechnik und die Gestaltung der Wälder der Zukunft hervorheben. Gemeinsam zeichnen sie ein Bild einer Branche, die Innovation, Nachhaltigkeit und regionale Wertschöpfung verbindet.
Gemeinsam Zukunft gestalten
Ein Gedanke vereint alle Beteiligten: Die Zukunft des Waldes entscheidet sich nicht allein im Wald und die Herausforderungen der Zukunft lassen sich nicht mehr aus einer einzelnen Perspektive beantworten. Zukunft entsteht überall dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen – in der Bewirtschaftung, der Forschung, der Verarbeitung, der Bildung und im gesellschaftlichen Dialog. Genau deshalb bringt „Vielfalt braucht Bewirtschaftung“ Waldbesitzer:innen, Wissenschaft, Unternehmen, Bildung und Interessenvertretungen zusammen und schafft gemeinsame Botschaften für eine Branche, deren Leistungen oft selbstverständlich erscheinen.
Der Wald kann seine Funktionen nur erfüllen, wenn er aktiv gestaltet wird – und die Wertschöpfungskette ihre Bedeutung nur entfalten, wenn ihre Leistungen sichtbar werden. Genau deshalb braucht Vielfalt Bewirtschaftung.
Weitere Informationen gibt es unter www.vielfaltbrauchtbewirtschaftung.at, YouTube, Spotify und Social Media.
Fachinput und Dialog als zentrale Elemente des Stakeholderdialogs 2025.
Die Kampagnenbilder übersetzen zentrale Botschaften in eine wiedererkennbare Bildsprache und stärken die gemeinsame Linie der Kommunikation.





