Schneedruckschäden im OÖ Forst: Land hilft betroffenen Waldbauern

Jan 21, 2019 | Allgemein

Mittel aus dem Katastrophenfonds und Zehn-Punkte-Maßnahmenkatalog

Linz, 18. Jänner 2019 (aiz.info). – Die außergewöhnlichen Schneefälle der letzten Tage haben in vielen höher gelegenen Bereichen Oberösterreichs erhebliche Schäden durch Schneebruch/-druck verursacht. „Nach dem extrem schwierigen Jahr 2018 in der Forstwirtschaft kommen die jetzigen Schäden natürlich zur Unzeit. Zu den bereits 1 Mio. Festmeter (fm) an Borkenkäferholz und den Sturmschäden im Ausmaß von 250.000 fm kommen nun weitere 200.000 fm durch die Schneelast hinzu. Das Land Oberösterreich wird mit den Mitteln des Katastrophenfonds, aber auch mit den anderen Fördermaßnahmen im Forst sein Möglichstes tun, um die Waldbewirtschafter weiter in ihrer wichtigen Arbeit zu unterstützen“, gab Agrarlandesrat Max Hiegelsberger heute bekannt.

Aufarbeiten ist aufgrund der Borkenkäfersituation von großer Bedeutung

Aufgrund der Schneesituation ist die notwendige Aufarbeitung der geschädigten Bestände aktuell nicht möglich. Sobald es die Witterung erlaubt, sollte aber die Arbeit zügig aufgenommen werden, zumal die Gefahr für einen Borkenkäferbefall gerade nach der Massenvermehrung im Vorjahr äußerst dramatisch ist. Das gebrochene Material bietet diesem Schädling ein ideales Bruthabitat. „Die Waldbewirtschafter werden daher nach dem Schnee stark gefordert sein, die geschädigten Bestände wieder auf Vordermann zu bringen. Klar ist aber, dass dies eine fordernde und sehr gefährliche Arbeit ist“, mahnt Hiegelsberger alle Waldbewirtschafter, „hier auch besonders auf ihre persönliche Sicherheit zu achten“.

Mittel aus dem Katastrophenfonds stehen bereit

Anspruchsberechtigt für Hilfen aus dem Katastrophenfonds sind Antragsteller/-innen mit einer Schadensfläche von zumindest 0,5 ha. Dieses Schadensausmaß kann auf bis zu fünf Einzelflächen verteilt aufgetreten sein. Auf diesen Flächen muss zumindest die Hälfte der Bäume gebrochen oder geworfen worden sein. Ausbezahlt wird seit dem 1. Jänner 2017 eine erhöhte Beihilfe von 1.500 Euro/ha bei erschwerten Bringungsverhältnissen und 2.000 Euro bei besonders erschwerter Bringung. Pro Betrieb werden maximal 20.000 Euro ausbezahlt. „Durch die Art der Antragstellung kann auch im Fall von kleinflächigen Schäden geholfen werden, wie wir sie bei diesem Schneedruck-Ereignis vermehrt erwarten“, erläutert der Landesrat. Die Anträge sind innerhalb von 120 Tagen nach Kenntnis des Schadens bei Gemeinden und Magistraten einzureichen. Bearbeitet werden sie von der Abteilung Land- und Forstwirtschaft des Landes. Alle aktuellen Richtlinien und Anträge sowie Formblätter sind unter www.land-oberoesterreich.gv.at zu finden.

Weitere Fördermaßnahmen zur Unterstützung der Waldbauern

Derzeit stehen im gesamten Forstprogramm im Rahmen der Ländlichen Entwicklung (LE) rund 15 Mio. Euro zur Verfügung. Seit 2016 wurden bei insgesamt 1.650 Anträgen Förderungen von 4,78 Mio. Euro für Maßnahmen zum Waldschutz (0,24 Mio. Euro) und Waldbau (4,54 Mio. Euro) genehmigt. Mit einem Zehn-Punkte-Maßnahmenkatalog hofft Hiegelsberger, „heuer noch zielgerichteter gegen die größte Bedrohung, den Borkenkäfer, vorgehen zu können und den notwendigen Waldumbau und die Aufforstung gut voranzubringen“. Im Katalog findet sich unter anderem eine Förderung für das Verhacken des Restholzes im Ausmaß von 80% der Standardkosten und 1.040 Euro Unterstützung pro ha beim Einsatz von Mulchgeräten gegen die Borkenkäfermassenvermehrung. Übernommen werden auch 80% der Kosten für das maschinelle Entrinden des Schadholzes im Wald oder  auf Zwischenlagern, derselbe Prozentsatz gilt beim Entrinden in schwer bringbaren Lagen bei Standardkosten von 31,50 Euro/Baum. Für die Errichtung von Zwischen- und Nasslagern liegt der Fördersatz (LE-Mittel) bei 35%. 80% der anrechenbaren Kosten werden ferner für Mehrkosten für LKW beim Verbringen des Schadholzes aus dem Wald zu Zwischenlagern übernommen, wobei jene Arten bevorzugt werden, für die besondere Gefahr für Borkenkäferbefall besteht.

Verlagerung der Niederschläge schädigt heimische Wälder doppelt

„Im langjährigen Schnitt sind die Monate Juni und Juli mit jeweils 100 mm am niederschlagsreichsten. 2018 wurden diese Werte nicht einmal annähernd erreicht. Vor allem Fichten in den unteren Lagen trockneten aus und konnten sich nicht mehr mit einem entsprechenden Harzfluss gegen die Borkenkäfer wehren. Regen gab es erst im Spätherbst und seit dem Jahreswechsel anhaltend starken Schneefall, der massiv auf die Baumkronen drückt. Ich hoffe, dass dies ein Ausnahmejahr bleibt, aber die Prognosen der Klimaforschung sagen langfristig eine zunehmende Verlagerung der Niederschläge in den Winter und damit außerhalb der Wachstums- sowie Vegetationsphase voraus. Darauf muss sich die österreichische Land- und Forstwirtschaft einstellen“, mahnt Hiegelsberger. Aufgrund der besonderen Witterung hängt in den höheren Lagen noch eine sehr hohe Schneelast auf den Bäumen, sodass weitere Brüche nicht auszuschließen sind. Die Bevölkerung wird daher dringend aufgefordert, in den höheren Lagen keine Waldflächen zu betreten. Auch die Waldrandzonen und generell hängende oder gebogene Bäume sind zu meiden.

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