Verbesserung der Widerstandsfähigkeit des Waldes als zentrales Thema

Feldkirchen, 11. September 2019 (aiz.info). – Mehr als 70 Teilnehmer aus 25 europäischen Staaten trafen sich dieser Tage in Slowenien, um das 30-jährige Jubiläum von Pro Silva zu begehen, einer europäischen Organisation, die naturnahe Waldwirtschaft und kontinuierliche Deckwaldsysteme fördert. Dabei präsentierten internationale Experten im Rahmen einer Konferenz zum Thema “Wälder für die Zukunft – von der Wissenschaft zum Menschen” einen vertieften Einblick in das Verhältnis von Wissenschaft und Praxis, Diskussionsrunden konzentrierten sich auf die drängenden Fragen zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit des Waldes, der aufgrund des Klimawandels seit einigen Jahren mit dramatischen Auswirkungen zu kämpfen hat.

Berichte aus den Mitgliedsländern von Pro Silva zeigen, dass eine Reihe von Dürrejahren mit Jahresniederschlägen von 60% des langjährigen Schnitts gravierende Effekte auf die europäischen Wälder haben. Vor allem im nördlichen Mitteleuropa ist der Borkenkäferbefall in Fichtenwäldern explodiert (z. B. Böhmisch-Mährisches Hochland, Elsass, Deutschland), die Häufigkeit von Waldbränden ist beispiellos. Selbst alte, naturbelassene Buchenwälder sterben, vor allem auf reicheren, feuchten Böden. Auch junge Eichenplantagen können den schnellen Veränderungen der Umweltbedingungen nicht standhalten. Das hat den Zusammenbruch des Holzmarktes zur Folge, selbst Exporte nach China sind nicht mehr profitabel. Die europäischen Mitgliedstaaten wollen mit Waldrettungsprogrammen gegensteuern.

“Assistierte Migration” im Wald

“Was wir brauchen ist ein totaler Paradigmenwechsel. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, die zeigen, dass strukturierte Mischwälder mit dynamischen Prozessen, die auf natürliche Regeneration setzen, zur Stabilisierung des Waldes beitragen, müssen in die Forstpraktiken einfließen”, erklärt Pro Silva-Präsident Eckart Senitza. Gleichzeitig sei es notwendig, offen zu sein für “neue” – nicht heimische – Baumarten und für verschiedene Herkünfte. “Es muss eine ‘assistierte Migration’ im Wald stattfinden”, plädiert Senitza. Mangels Pflanzmaterials und Ressourcen sei auch eine durchgängige Aufforstung aller Kalamitätsflächen unrealistisch. Daher müsse darauf hingearbeitet werden, Mischwälder mit unregelmäßigen Bestandstrukturen und gesundem Boden zu schaffen.

Wildverbiss in den Griff bekommen

Ein weiteres Problem ist laut Pro Silva der europaweit beobachtbare selektive Wildverbiss, der die natürliche Verjüngung verhindert und zum Aussterben wichtiger Baumarten wie Weißtanne und Eiche führt. Hier sei es notwendig, die Jagdrichtlinien zu ändern, die Wildtierpopulationen zu kontrollieren und damit dieses schleichende Waldsterben zu verhindern, wird betont.

Der Forderung von NGOs und Naturschützern, Waldflächen außer Nutzung zu stellen, erteilt die Organisation eine klare Absage: “Unsere Wälder brauchen eine moderne, naturnahe Bewirtschaftung, die den besten Baumarten und Einzelbäumen bei der Entwicklung hilft. Das wichtigste Zukunftsthema wird sein, Bäume für die selektive Ernte zu markieren und die Pflege der jungen Bestände zu unterstützen”, so Pro Silva. Darin wird auch auf die Notwendigkeit eines integrativen Ansatzes der Forstwirtschaft hinsichtlich der immensen Bedeutung der Ökoleistungen des europäischen Waldes in Kombination mit einer nachhaltigen wirtschaftlichen Nutzung von Holz verwiesen.

Pro Silva fordert die europäischen Staaten auf, rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen für die Umsetzung der naturnahen Waldbewirtschaftung in öffentlichen, staatlichen sowie in privaten Wäldern zu schaffen. Umsetzbar seien diese aber nur unter der Voraussetzung, dass Jagdrichtlinien geändert werden, um die Wälder wachsen zu lassen, wird abschließend betont.

www.prosilvaaustria.at

 

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