Reisecker: Dürre und Borkenkäfer bedrohen Wald – Aufforstungen gefährdet

Linz, 29. Oktober 2018 (aiz.info). – Das Frühjahr und der Sommer brachten heuer einiges an Herausforderungen für die oberösterreichischen Waldbesitzer. Hitze und Dürre führten vor allem in den Trockengebieten des Mühlviertels und im Zentralraum zu massivem Borkenkäferbefall bei Fichten und dem Vertrocknen von frisch ausgepflanzten Forstkulturen. “Insbesondere Aufforstungen auf großen, sonnenexponierten Kahlflächen, welche durch vorjährigen Borkenkäferbefall entstanden sind, haben unter der Trockenheit gelitten. Die Schäden reichen vom Absterben einzelner Bäume bis hin zum Ausfall der gesamten Kultur”, berichtete heute Franz Reisecker, Präsident der Landwirtschaftskammer (LK) Oberösterreich. Vorsichtige Schätzungen gehen von mehr als 1 Mio. Festmeter (fm) Borkenkäferschadholz aus. Das entspricht rund der Hälfte der Nadelholzernte eines durchschnittlichen Jahres und stellt eine deutliche Steigerung gegenüber dem Jahr 2017 dar.

Sägewerke sind bestens versorgt

“Bereits im April und Mai fielen die ersten größeren, durch Borkenkäfer verursachten Schadholzmengen an, obwohl zu diesem Zeitpunkt das Holz aus den regulären Winterschlägerungen noch nicht vermarktet war. Die Sägewerke waren und sind somit bestens versorgt. Die Geschwindigkeit, mit der die Waldbesitzer das Borkenkäfer-Kalamitätsholz aufarbeiteten, war weit höher als die Aufnahmemöglichkeiten der Sägeindustrie. An der Waldstraße bereitgestelltes Holz konnte nicht abgefahren werden und verlor neben den Qualitätseinbußen durch den Borkenkäfer zusätzlich durch Befall mit dem Bläuepilz an Wert”, informierte Reisecker.

Schaden für Waldbesitzer enorm

Die hohen Rundholzlager der Sägewerke, kombiniert mit dem angefallenen Schadholz, haben im Sommer zu deutlichen Preisreduktionen für Nadelsägerundholz geführt. Für Käferholz werden aktuell nur mehr zwischen 45 und 55 Euro/fm, für frisches Holz rund 78 bis 82 Euro/fm bezahlt, während die Erntekosten bis zu 30 Euro/fm betragen. “Das bedeutet im Vergleich zum Beginn des heurigen Jahres einen Rückgang des Preisniveaus beim gesunden Frischholz um durchschnittlich 10 Euro/fm. Der Schaden für die oberösterreichischen Waldbesitzer geht somit in die Millionen”, so Reisecker.

Alternativen zur Fichte gesucht

Modelle zum Klimawandel in Oberösterreich besagen, dass es vor allem zu einer Reduktion der Sommerniederschläge kommen wird. In den tiefer gelegenen Waldgebieten wird die flachwurzelnde Fichte wegen Wassermangels deutlich an Verbreitung verlieren. Experten gehen davon aus, dass diese Baumart unter 600 Metern Seehöhe bald nicht mehr bestandsbildend vorkommen wird. In Österreich befinden sich rund 15% des Fichtenvorkommens unter 600 Meter. Daher gibt es laut Erhebungen von Forstexperten rund 110 Mio. fm an Fichtenholzvorrat, die dem Klimawandel zum Opfer fallen werden. Beschleunigt wird der Rückgang dadurch, dass die unter der Rinde von Fichten fressenden Borkenkäfer umso besser gedeihen, je wärmer es ist. Bei den Waldbesitzern findet aufgrund des Anbaurisikos der Fichte bereits seit den letzten zwei Jahrzehnten ein Umdenken statt – weg von standortwidrigen Fichtenreinbeständen und hin zu mehr Vielfalt. Dabei bedienen sie sich jener Baumarten, welche für das künftige Klima des Standorts möglichst gut geeignet sind. Das sind insbesondere Eiche, Lärche, Tanne und Douglasie.

Jagdliche Situation in den Schadgebieten

“Die neu entstandene Freiflächensituation ist eine harte Aufgabe für die Jägerschaft. Unser Anliegen ist es, dass die Jäger vor allem in den Wiederbewaldungsgebieten mit den Grundeigentümern und dem Jagdausschuss die jagdliche Vorgehensweise detailliert besprechen. Die Abschussplanverordnung besagt, dass der Wald die Möglichkeit haben soll, ohne Flächenschutz auskommen zu können. Die Wiederaufforstung mit dem Zaun ist eine waldbauliche Krücke und sollte der Vergangenheit angehören. Zudem führt diese zu höherem Verbiss auf nicht gezäunten Flächen”, führte Reisecker aus.

Energieholzmarkt droht mangels Ökostromtarifen zu kollabieren

Der österreichische Energieholzmarkt ist zweigeteilt: Während im Süden des Landes gute Vermarktungsmöglichkeiten bestehen, ist im Norden aufgrund des Überangebots infolge von Käferholz der Absatz schwierig. “Die Situation könnte sich bald noch kritischer gestalten, da die Zukunft zahlreicher holzbetriebener Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen ungewiss ist. Die heimischen Holzkraftwerke sind wegen mangelnder gesetzlicher Regelungen mit dem wirtschaftlichen Aus bedroht. Um den steigenden österreichischen Strombedarf zu decken, werden noch immer Kohlestrom und Atomstromimporte benötigt. Durch die Borkenkäferkatastrophe gewinnt dieser Umstand zusätzlich an Brisanz. Ohne die Verwertungsmöglichkeiten des Schadholzes in Holzkraftwerken wird sich die Situation für den heimischen Wald und die davon lebenden Familien noch weiter verschärfen”, warnte der LK-Präsident. Daher wurde im Nationalrat eine vom OÖ Biomasseverband unterstützte Petition eingebracht, welche die rasche Umsetzung einer Übergangsfinanzierung für Holzkraftwerke fordert. Die Petition kann auf der Webseite des Parlaments unterstützt werden. “Wir rufen dazu auf, die Petition zu unterzeichnen, denn sollten die großen Biomassekraftwerke vom Netz gehen, droht der Energieholzmarkt zu kollabieren”, so Reisecker.

Produktion an Abfuhrkapazität anpassen

“Volle Rundholzlager der Sägeindustrie und die weiterhin intensive Schadholzaufarbeitung werden den Holzmarkt noch längere Zeit belasten. In den letzten Monaten wurden mehrere zusätzliche Absatz- und Zwischenlagerkapazitäten geschaffen und auch der Ferntransport mit Waggons wurde verstärkt. In Summe konnte im dritten Quartal 2018 gegenüber dem Vorjahr nochmals um 30% mehr Holz abgesetzt werden. Das frühzeitige Erkennen der Situation durch die Waldhelfer ermöglichte zwar ein rasches Agieren, aber trotz aller Bemühungen der Beteiligten konnte nur ein Teil der lagernden Rundholzmengen zeitnah vermarktet werden. Die Aufarbeitung und Vermarktung des Käferholzes wird bis Ende des Jahres anhalten. Daher sollten alle geplanten Normalnutzungen bis zur Entspannung des Holzmarktes aufgeschoben werden”, betonte Franz Kepplinger, Obmann des OÖ Waldverbandes.

“Durch die heuer meist fertig entwickelte dritte Generation an Borkenkäfern ist über den Winter ein hoher Käferbestand auf den Waldflächen vorhanden. Zur Abschöpfung der erhöhten Käferzahlen bedarf es einer weiteren Aufarbeitung in den Wintermonaten. Für diese Holznutzungen besteht kein kurzfristiger Aufarbeitungsdruck, daher soll die Produktion gut an die Abfuhrkapazitäten angepasst werden. Dadurch können zusätzliche Qualitätsverschlechterungen durch Lagerschäden verhindert werden. Eine genaue Abstimmung mit dem Waldhelfer vor der Nutzung ist notwendig”, sagte Kepplinger.

Lage am Holzmarkt weiterhin angespannt

“Aufgrund der hohen Schadholzmengen bleibt die Absatzsituation für alle Nadelholzsortimente angespannt. Die Preise für Sägerund- und Faserholz wurden für das vierte Quartal großteils unverändert gelassen. Somit liegt das Preisniveau bei Fichte, Qualität BC, 2a, bei rund 80 Euro/fm. Die Abschläge für Käferholz, Braunbloche und CX-Sortimente sind weiterhin sehr hoch. Aufgrund der hohen Lagerbestände der Sägeindustrie ist die Holzzufuhr nur eingeschränkt möglich. Die lagernden Rundholzmengen können voraussichtlich im gesamten vierten Quartal nur sukzessive abgefahren werden. Daher ist es wichtig, geplante Normalnutzungen vorerst zurückzustellen”, appellierte der Obmann an die Waldbesitzer.

Deutlich besser entwickelt sich der Laubholzmarkt. Der Trend zu den dunklen Holzarten und dabei speziell zur Eiche halte weiter an. Bei anderen Baumarten beschränke sich die Nachfrage auf gute Qualitäten. Sägefähiges Laubholz sollte bereits im Herbst produziert werden, denn bis Ende Jänner wäre üblicherweise der beste Zeitraum für die Vermarktung. “Die kommende Wertholz-Submission steht ebenfalls im Zeichen der dunklen Baumarten. Waldbesitzer haben die Möglichkeit, Stämme ab sofort bei ihrem Waldhelfer anzumelden. Die Anlieferung hat bis spätestens 2. Jänner zu erfolgen. Der Aktionstag der Wertholz-Submission, bei dem die wertvollsten Baumstämme prämiert werden, findet am 1. Februar in St. Florian statt”, so der Obmann.

53. Landeswaldbauerntag am 8. November in Leonding

Fachvorträge und spannende Gesprächsrunden werden am 8. November beim 53. Landeswaldbauerntag in der Kürnberghalle in Leonding erwartet. In den Referaten geht es unter anderem um die Weißtanne als Alternative in der Waldwirtschaft und im Holzbau. Anschließend findet eine Gesprächsrunde zum Thema “Herausforderndes Holzjahr 2018” statt. “Gerade in einem sehr schwierigen und arbeitsintensiven Jahr sind die Information und der Dialog zwischen allen Beteiligten sehr wichtig und wir freuen uns auf einen erfolgreichen und hoffentlich wieder gut besuchten 53. Landeswaldbauerntag”, betonte Kepplinger.

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