Montecuccoli: Forderungen der Papierindustrie sind verantwortungslos und ignorieren die Realität des Klimawandels

Sep 12, 2019 | Allgemein

Wer Ökostrom abdreht, dreht Atomstrom auf!

Die heute von der Papierindustrie vorgestellten Argumente gegen Biomasse-Anlagen sind verantwortungslos gegenüber der Bevölkerung und kurzsichtig. Der Plan der Papierindustrie zwingt den Österreichern Atomstromimporte auf.

„Ja, Biomasse-Anlagen bedürfen nach wie vor einer Förderung über vertraglich geregelte Einspeisetarife. Daraus sind aber auch herausragende, zukunftsfitte und vor allem voll funktionsfähige Anlagen entstanden, die nachhaltigen Strom aus grünen Quellen für Österreich liefern und gleichzeitig Arbeitsplätze und Wertschöpfung am Land sichern. Ganz zu schweigen von der vollkommen intransparenten Finanzierungs- und Kostensituation im Bereich von fossilem und Atom-Strom als Vergleich. Die Erhaltung der Biomasse-Anlagen ist ein ganz wesentlicher Schritt zur Erreichung der Klima- und Energieziele, doch diese Chance wird immer wieder aus parteitaktischen Gründen oder nun aus kurzfristigen Interessen von der Papierindustrie boykottiert. Statt Biomasse-Kraftwerke schlecht zu reden, muss doch das eigentliche Ziel sein, bestehende Technologien weiterzuentwickeln und grüne, nachhaltige Energiequellen zu fördern“, so DI Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich.

Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Gefahr

„Das Schlechtreden und Ablehnen von Holzkraftwerken mit haarsträubenden Argumenten ist gleichzeitig ein Nein zu Strom und Wärme aus erneuerbarer Energie und bringt Wertschöpfung sowie rund 6.400 Arbeitsplätze im ländlichen Raum in Gefahr. Mit diesem verantwortungslosen Auftreten gegen grüne Energiequellen ist die Papierindustrie leider auf einem völlig falschen Weg“, so Montecuccoli weiter.

Werden Biomassekraftwerke und das Ökostromgesetz weiterhin von der Papierindustrie und der Politik torpediert, ist die logische Folgerung, dass Strom aus fossilen Energiequellen produziert werden und/oder Atomenergie importiert werden muss: Wer Ökostrom abdreht, dreht Atomstrom auf! Gleichzeitig verliert Österreich seine Glaubwürdigkeit im Kampf gegen den Klimawandel, eine der größten Herausforderungen für die Entwicklung unserer Gesellschaft. Heute noch auf Kohle, Öl oder Gas zu setzen, ist ein gefährlicher Weg in die Sackgasse.

Während die internationalen Papierkonzerne das Ökostromsystem in Österreich torpedieren und funktionsfähige Ökostromanlagen in Österreich abstellen wollen, bereitet gleichzeitig im Hintergrund die Atomlobby in unseren Nachbarländern die Wiederbelebung, den Weiterbetrieb und den Ausbau uralter Hochrisiko-Reaktoren vor. Jüngste Medienberichte zeigen, dass marode Atomkraftwerke in unseren Nachbarländern mit massiven öffentlichen Subventionen wieder aktiviert werden sollen bzw. ihr Betrieb verlängert wird.

Biomasse ist ausreichend nachhaltig vorhanden

Die mühsam aufgebaute Holzversorgungslogistik ist gefährdet und bringt negative Auswirkungen auf den Wald, auf die Wertschöpfungskette und auf den ländlichen Raum mit sich. Der Klimawandel und seine Folgen haben in heimischen Wäldern eine enorme Menge an Schadholz verursacht. Waldeigentümer sind in vielen Regionen damit beschäftigt, große Mengen an Schadholz aufzuarbeiten und auf den Markt zu bringen. Ökostromanlagen stellen hier eine unverzichtbare Verwertungsschiene für niederwertige Holzsortimente und Schadholz dar.

Die Versorgung der österreichischen Papierindustrie mit dem heimischen Rohstoff Holz wurde in den letzten Jahren sogar gesteigert. Von 5,6 Millionen Festmeter 2015 auf 6,2 Millionen Festmeter im Jahr 2018.

„Es ist nicht nur sinnvoll und logisch, aus Schadholz – das in ausreichendem Maße vorhanden ist – Bioenergie zu produzieren, sondern in Zeiten des Klimawandels oberstes Gebot. Das Holz ist vorhanden, die Kraftwerke sind vorhanden und es muss kein Atomstrom zugekauft werden. Klimaverträgliche Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Biomasse wäre zudem der erste und dringend notwendige Schritt in Richtung einer nachhaltigen Bioökonomie“, macht Montecuccoli auf die Bedeutung der Situation aufmerksam.

 

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