Hoher Schadholzanfall und steigende Aufforstungskosten belasten Betriebe

Berlin, 5. August 2019 (aiz.info). – “Unser Wald ist in Gefahr. Brände, Stürme, Dürre und Schädlinge haben ihm erheblich zugesetzt. Allein die Waldbrände im vergangenen Jahr haben eine Fläche von mehr als 3.000 Fußballfeldern zerstört. Das Aufkommen an Schadholz lag 2018 in Deutschland bei rund 32 Mio. m3, für dieses Jahr rechnen Experten mit weiteren 35 Mio. m3”, stellt Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner in einem Gastkommentar für die “Welt” fest. “Dort, wo junge Bäume wachsen sollten, stehen vertrocknete Setzlinge. Alte Waldbestände, die kurz vor der Ernte standen und wertvolles Holz liefern sollten, mussten zur Unzeit genutzt werden. Die Stämme liegen nun im Wald und müssen unter ihrem Wert verkauft werden. Über 114.000 ha Forst, also mehr als die Fläche Berlins, sind kahl und müssen aufgeforstet werden. Was wir bei der Waldsanierung heute verpassen, wird uns über Generationen nachhängen, deshalb müssen wir jetzt handeln”, betont die Ministerin und schlägt ein vier Punkte umfassendes Maßnahmenpaket vor.

Die Situation sei deshalb so dramatisch, weil der Wald “unser wichtigster Verbündeter beim Klimaschutz” sei. “Wenn wir Teile unseres Waldes verlieren, dann werden wir diesen Verlust nur schwer mit anderen Klimaschutzmaßnahmen kompensieren können. Was wir bei der Waldsanierung heute verpassen, wird uns über Generationen nachhängen, deshalb müssen wir jetzt handeln”, so Klöckner. Der Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik ihres Ministeriums schätzt den Klimaschutzbeitrag von Wald und Holz auf 127 Mio. t CO2-Äquivalente pro Jahr. Damit können laut dem Beirat rund 14% der gesamten Emissionen des Landes ausgeglichen werden.

Nach den Ergebnissen der Kohlenstoffinventur 2017 hat der Wald in Deutschland zwischen 2012 und 2017 in der ober- und unterirdischen Biomasse der Bäume, im Totholz und im Boden jährlich eine Kohlenstoffmenge gespeichert, die 62 Mio. t CO2-Äquivalenten entspricht. Die gleiche Menge Kohlenstoffdioxid-Emissionen wird durch die energetische und stoffliche Nutzung von Holz vermieden. Würden stattdessen fossile Brennstoffe und nicht erneuerbare Rohstoffe verwendet, wären die Treibhausgasemissionen Deutschlands entsprechend höher.

Vier-Punkte-Programm

Ein vier Punkte umfassendes Maßnahmenprogramm soll laut Klöckner zur Entschärfung der Lage beitragen. Erstens sollen die Aufräumarbeiten im Wald forciert werden. “Im Moment liegt hier so viel Schadholz, dass eine Wiederaufforstung noch gar nicht beginnen kann. Frisch vom Borkenkäfer befallenes Holz muss aus dem Wald, damit sich der Befall nicht weiter ausbreitet. Wir haben im vergangenen Jahr, als sich schon eine außerordentliche Belastung abzeichnete, bereits für fünf Jahre zusätzliche 25 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Im Regierungsentwurf zum Haushalt 2020 ist vorgesehen, die Mittel pro Jahr zu verdoppeln. Dieses Geld soll vor allem für die Räumung der Schadflächen und zur Lagerung von Schadholz genutzt werden, aber auch zur Bekämpfung von Schädlingen, zur Vorbeugung von Waldbränden oder zur Investition in eine Wiederaufforstung”, erläutert die Ressortchefin.

Zweitens soll die Schadholzbeseitigung auch logistisch unterstützt werden, indem ausländische Spediteure für einen befristeten Zeitraum zusätzliche Transportleistungen in Deutschland erbringen dürfen. Zusätzlich soll es steuerliche Erleichterungen für besonders betroffene Forstbetriebe geben.

Drittens soll die Wiederaufforstung auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse erfolgen, um den Wald gezielt an den Klimawandel anpassen zu können. Es soll geprüft werden, welche eingeführten Baumarten ebenfalls gut in das Ökosystem passen und vielleicht sogar besser mit großen Dürren zurechtkommen. “Bund und Länder fördern bereits seit Jahren den Waldumbau hin zu gemischten und klimastabilen Wäldern”, so Klöckner.

Positive Rolle von Wald und Holz stärker betonen

“Um das alles zu leisten, werden wir, viertens,  in den kommenden Jahren mindestens eine halbe Mrd. Euro für die Bewältigung allein der aktuellen Waldschäden benötigen. Zur verstärkten Anpassung der Wälder an den Klimawandel brauchen wir zusätzlich mehr als 1 Mrd. Euro in den nächsten Jahren. Der sogenannte Energie- und Klimafonds ist der richtige Topf dafür. Nur ein an den Klimawandel angepasster Wald kann auch das Klima schützen”, erklärt die Ministerin. Um den Wald zu retten, sei es aber auch notwendig, das Thema Nachhaltigkeit sowie die positive Rolle von Wald und Holz national und international noch ernster zu nehmen und auf die Tagesordnung zu setzen.

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