Heimische Schüler können mit Begriff „Wald-Biodiversität“ wenig anfangen

Mai 14, 2020 | Allgemein

Studie des Bundesforschungszentrums für Wald veröffentlicht

Wien, 13. Mai 2020 (aiz.info). – Die UN-Dekade der Biodiversität neigt sich ihrem Ende zu. Das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) hat aus diesem Anlass das Institut für Jugendkulturforschung in Wien mit der Durchführung der Online-Studie „Wald und Biodiversität“ beauftragt, an der sich 400 Schülerinnen und Schüler zwischen elf und 17 Jahren aus ganz Österreich beteiligten. Die Studie wurde durch Mittel von Bund, Ländern und der Europäischen Union im Rahmen der LE 14-20 gefördert. Das Ergebnis: Mit dem Begriff Biodiversität können nur wenige Schüler etwas Konkretes anfangen.

Spannungsfeld Natur und Wirtschaft

Laut den Ergebnissen der Befragung wird der Wald vor allem als Naturraum wahrgenommen, wohingegen der Forst als Arbeitsplatz und Wirtschaftszweig nur bedingt in den Köpfen der Jugendlichen verankert ist. „Unser Wald ist multifunktional. Eine nachhaltige Forstbewirtschaftung, was auch die Entnahme von Bäumen einschließt, ist essenziell, um alle Funktionen wie auch Artenvielfalt aufrecht zu halten und unsere Wälder klimafit zu machen. Die gesamte Wertschöpfungskette Forst-Holz-Papier sichert Arbeitsplätze für rund 300.000 Menschen“, betont Bundesministerin Elisabeth Köstinger. „Aus der Studie geht hervor, dass mit dem Begriff Biodiversität nur wenige Schüler etwas anfangen können. Jedoch stimmt eine deutliche Mehrheit der Befragten nach einer Begriffsdefinition zu, dass Biodiversität wichtig und schützenswert ist. Vor allem bei jungen Frauen und Höhergebildeten spielt der Themenkomplex Natur – Umwelt – Klimaschutz eine wichtige Rolle“, sagt Peter Mayer, Leiter des BFW.

Generation „Fridays for Future“ stärkt Trend zum Ad-hoc-Engagement

Was konkrete Handlungsmaßnahmen betreffen, so sind Österreichs Schüler der Meinung, dass sie die Fehler der älteren Generationen beim Naturschutz „ausbaden müssen“. Es sollten sich nach Meinung der Jugendlichen vor allem auch Politik und Wirtschaft stärker um die Themen Natur-, Umwelt- und Klimaschutz kümmern. Auffallend ist der Trend zum Ad-hoc-Engagement der Jugendlichen: Bevorzugt wird ein loses Involvement, das durch geringe Bindung und zeitliche Begrenzungen gekennzeichnet ist. Die Generation „Fridays for Future“ handelt nach eigenen Interessen und Vorlieben. Entgegen den Erwartungen mancher wollen junge Menschen also keine idealistischen Helfer sein, sondern werden durch eine pragmatische Gegenüberstellung von persönlichen Kosten und Nutzen motiviert. Auch hier zeigt sich eine größere Bereitschaft zum Engagement bei jungen Frauen und Schülerinnen aus allgemein- und berufsbildenden höheren Schulen gegenüber ihren Kollegen aus Mittel-, Fach- oder Berufsschulen.

Biodiversität vermitteln

„Die Studienergebnisse weisen einen möglichen Weg, wie es gelingen kann, Jugendliche für das wichtige Thema Wald-Biodiversität zu gewinnen. Es wird aber in Zukunft auch darum gehen, wie den Jugendlichen der Nutzen einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung für die Biodiversität zielgruppengerecht vermittelt werden kann. Wichtig ist es, diese Erkenntnisse auch an Multiplikatoren wie Lehrern und Waldpädagogen weiterzugeben“, ergänzt Mayer. Das BFW plant, Unterrichtsmaterialien sowie Fort- und Weiterbildungen anzubieten, die Interessierten das nötige Handwerkszeug mitgeben, um das Thema Wald und die biologische Vielfalt für Jugendliche erlebbar und attraktiv zu machen. Der Fokus richtet sich dabei auch darauf, dass Biodiversität bereits in kleinem Rahmen beobachtet und gefördert werden kann.

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