ERNEUERBARE: BIOMASSE AUS LAND- UND FORSTWIRTSCHAFT GLEICHBERECHTIGT BERÜCKSICHTIGEN

Feb 1, 2022 | Allgemein

Gastbeitrag an COPA-COGECA streicht Verbesserungsbedarf hervor

Brüssel, 1. Februar 2022 (aiz.info). – „Das Ziel der EU-Kommission, den Anteil erneuerbarer Energien von aktuell 32 auf 40% bis 2030 zu erhöhen, ist eine bedeutende Herausforderung, die jedoch nicht unerreichbar ist. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen alle Technologien mobilisiert und gleichberechtigt diskutiert werden, unter gleichzeitiger Beachtung des Grundsatzes der technologischen Neutralität“, schreibt Alexander Bachler, Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Bioenergie“ von COPA-COGECA und Experte für Energie in der Landwirtschaftskammer (LK) Österreich, in einem Gastbeitrag an COPA-COGECA, dem Dachverband der EU-Landwirte und -Genossenschaften.

Nicht nachvollziehbar ist für Bachler, dass der Kommissionsvorschlag der Elektrizität aus nicht ständig verfügbaren erneuerbaren Energiequellen einen klaren Vorzug gibt. „Damit missachtet der Vorschlag weitgehend die führende Rolle, die europäischer nachhaltiger Biomasse aus Land- und Forstwirtschaft zukommen kann.“ Viele in Brüssel teilen diese Bedenken. Pina Picierno, die Berichterstatterin des Landwirtschaftsausschusses für den Kommisionsvorschlag, sagte kürzlich: „Es geht nicht nur um Elektrizität, sondern auch um Biogas und Biokraftstoffe“.

„Da die Medien oft Windkraft und Solarenergie ins Rampenlicht rücken, sind sich nur wenige folgender grundlegender Tatsache bewusst: Biomasse ist gegenwärtig die Hauptquelle erneuerbarer Energien in der EU. Biomasse in ihren unterschiedlichen Formen – als Biokraftstoffe für den Straßenverkehr, Biogas zum Heizen oder zur Stromerzeugung, Energie aus Holz durch Pellets oder Holzschnitzel – macht rund 60% des Verbrauchs an erneuerbarer Energie in der EU aus. Die Erzeugung elektrischer Energie in der EU hingegen erfolgt aktuell nur zu zirka 35% aus erneuerbaren Energiequellen. Nachhaltige Biokraftstoffe aus Ackerkulturen haben in den vergangenen 20 Jahren wirksam zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen im Straßenverkehr beigetragen. Brennstoffe aus Biomasse versorgen gegenwärtig viele Sektoren, die nur schwer zu elektrifizieren wären. Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Elektrische Traktoren sind noch lange keine Realität in der Landwirtschaft“, führt Bachler in dem Gastbeitrag an.

Übermäßige Nachhaltigkeitsbestimmungen wären in vielerlei Hinsicht problematisch

Die Rolle von europäischer nachhaltiger Biomasse mit übermäßigen Nachhaltigkeitsbestimmungen auszubremsen, wäre in vielerlei Hinsicht problematisch. „Wir wissen, dass die Mehrheit der Pkw und Straßenfahrzeuge in den nächsten 15 Jahren nach wie vor durch Verbrennungsmotoren angetrieben werden, nachhaltige Biokraftstoffe aus Ackerkulturen werden folglich eine unmittelbar verfügbare und höchsteffiziente Alternative zu fossilen Brennstoffen bleiben, insbesondere für die Verwendung in der bestehenden Fahrzeugflotte. Was Biogas anbelangt, so kann seine Kompatibilität mit bestehenden Gasheizkesseln den Übergang hin zu Wärme aus erneuerbaren Quellen deutlich erleichtern, ohne dass größere Störungen oder Infrastrukturentwicklungen erfolgen müssten“, erklärt Bachler.

In Bezug auf den Wärme- und Kältesektor sei die von der Kommission anvisierte Elektrifizierung des Wärmesektors für einige Mitgliedstaaten unmöglich durchführbar, während die europäische Land- und Forstwirtschaft das Potenzial habe, für diesen Zweck geeignete zusätzliche Mengen an zertifizierter und nachhaltiger Biomasse zu produzieren. „Die europäische Landwirtschaft verschreibt sich der Nachhaltigkeit und der fortwährenden Verbesserung ihrer Treibhausgasemissionsbilanz. Wir müssen auch auf erneuerbare Energiequellen und alternative Brennstoffe zurückgreifen. Die Verwendung europäischer Biokraftstoffe aus Ackerkulturen ist vereinbar mit den Zielen der gesicherten Versorgung mit Nahrungs- und Futtermitteln, des Umweltschutzes, der Bekämpfung der negativen Auswirkungen des Klimawandels, der Energiesicherheit sowie des Wachstums und der Beschäftigung in ländlichen Gebieten. In dieser Hinsicht sind die Sektoren Raps/Sonnenblumen-Biodiesel-Schrot für Futtermittelzwecke und Zuckerrüben/Getreide-Ethanol-Futtermittel exemplarisch“, schreibt der Experte.

In den kommenden Tagen stehen Debatten zu dem Thema im Europäischen Parlament, im Umweltausschuss und im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie sowie in den Arbeitsgruppen des Rates an. „Wir hoffen, dass die Gesetzgeber die zentrale Rolle, die europäische zertifizierte nachhaltige Biomasse aus Land- und Forstwirtschaft für alle Sektoren spielt, berücksichtigen werden. Rund zehn Mitgliedstaaten haben sich kürzlich in einem Schreiben an das EU-Parlament und den Rat gewandt. Auch die slowenische Ratspräsidentschaft hat Offenheit hinsichtlich flexibler Mechanismen zur Erreichung des Reduktionszieles bei den Treibhausgasen im Verkehrssektor signalisiert. Vor diesem Hintergrund fordern wir eine stabile, langfristige Politik, um aktuelle und zukünftige Investitionen in den Bioenergiesektor sicherzustellen“, zeigt Bachler auf.

„Vergessen wir nicht, dass die Überarbeitung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie nur wenige Wochen nach der effektiven Umsetzung der Bestimmungen in nationales Recht erfolgt. Bioenergie ist eine dezentralisierte, ländliche und nachhaltige Energiequelle, dank welcher wir unsere Energieversorgung diversifizieren und den Land- und Forstwirten Wirtschaftsmöglichkeiten bieten können; sorgen wir dafür, sie zu bewahren“, schreibt Bachler in eindringlicher Weise.

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