Populationszyklus des Schädlings ist kaum untersucht

Wissenschafter der Universität Würzburg sehen erheblichen Forschungsbedarf hinsichtlich der explosiven Zunahme der Borkenkäfer-Populationen in Mitteleuropa sowie in Nordamerika. Allein in Mitteleuropa verursachte der Borkenkäfer im Jahr 2018 gut 40 Mio. m3 Schadholz. Die Forschungsaktivitäten rund um den Lebenszyklus der bedrohlichen Käfer müssten deshalb intensiviert werden, betont das Wissenschaftsteam rund um den österreichischen Biologen Peter Biedermann von der Universität Würzburg in der aktuellen Ausgabe von “Trends in Ecology and Evolution”. Weshalb Massenausbrüche von Borkenkäfern zumeist nur einige Monate bis Jahre andauern und anschließend die Populationen plötzlich wieder deutlich zurückgehen, sei bislang kaum untersucht worden. “Wir versuchen mit vielen aufwändigen Maßnahmen, unsere Wälder vor Borkenkäfern zu schützen. Doch was die starken Populationsschwankungen bei den Borkenkäfern eigentlich auslöst, darüber wissen wir sehr wenig”, sagt Biedermann.

Die wichtigste zu klärende Frage sei dabei, ob es ein praxistauglicher Ansatz im Management von Natur- oder sogar Wirtschaftswäldern sein kann, bei Massenvermehrungen von Insekten einfach gar nicht einzugreifen, so Biedermann. Im Nationalpark Bayerischer Wald hätten die Wissenschafter beobachtet, dass Borkenkäferpopulationen auch ohne Bekämpfung nach einigen Jahren zusammengebrochen sind. Es sei aber dringend notwendig, dass dazu eine wissenschaftliche Basis geschaffen werde, damit Forstwirtschaft und Politik künftig effizienter auf Ausbrüche von Borkenkäfern reagieren können. Die Ergebnisse aus diesen Untersuchungen könnten auch als Blaupause für die Bekämpfung anderer schädlicher Waldinsekten dienen, so der Experte.

Faktoren, welche die Populationsgröße von Insekten wie dem Borkenkäfer beeinflussen, sind etwa: natürliche Feinde, Krankheitserreger, die Konkurrenz innerhalb der eigenen Art sowie mit anderen Arten, Landschaftsstrukturen, der Baumbestand, die Widerstandsfähigkeit der bevorzugten Wirtsbäume, Temperatur, und Niederschlag. Welche Rolle diese im Einzelnen für die Populationsdynamik von Waldinsekten spielen, sei weitgehend unbekannt, sagen die Wissenschafter.

Als Reaktion auf diesen Mangel an Wissen schlagen die Autoren vor, die weltweit vorhandenen Daten zu bündeln, Wissenslücken zur Populationsdynamik des Fichtenborkenkäfers und anderer Waldinsekten zu identifizieren und auf dieser Grundlage Antworten durch neue Datenerhebungen darauf zu finden. Die Zusammenhänge, die sich aus den Ergebnissen ableiten lassen, sollen in einem zweiten Schritt mit experimentellen Feldstudien getestet werden, um daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten, so die Forscher.

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