Lieber Matthias, was verbindet dich persönlich mit dem Wald? Welche Werte und Haltungen verkörperst du in deiner neuen Rolle?
Granitzer Meine Familie bewirtschaftet einen bergbäuerlichen Betrieb mit etwa 100 Hektar Wald in durchwegs herausfordernder Lage. Seit meiner Kindheit symbolisiert unser Wald für mich generationenübergreifendes Denken und Handeln, was auch meinem Grundverständnis der forstlichen Nachhaltigkeit entspricht. Derzeit bin ich für unseren Betrieb und für die Gestaltung seiner Zukunftsfähigkeit verantwortlich. Persönliche Werte, wie Ehrlichkeit und Selbstbestimmung sowie eine sachliche, unpolitische und lösungsorientierte Herangehensweise an Herausforderungen sind mir auch in der Rolle als Obmann des Waldverbandes Österreich wichtig. Eine ausreichende Wertschöpfung aus der aktiven und nachhaltigen Bewirtschaftung unserer Waldflächen durch deren Eigentümer ist für mich eine Voraussetzung für die langfristige Erhaltung und Stärkung des ländlichen Siedlungsraumes, insbesondere in den Bergregionen. Sie ist auch unverzichtbar zur Sicherung aller von unserer Gesellschaft geforderten Leistungen des Waldes.
Du begleitest die Entwicklungen im Waldverband und in den WWGs seit mehr als zwei Jahrzehnten. Welche Schwerpunkte wirst du als Bundesobmann setzen?
Granitzer Sich ändernde demographische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen betreffen alle Landesverbände gleichermaßen und stellen sie vor ähnliche Herausforderungen. Dabei ist es wichtig, den ursprünglichen Gedanken des gemeinschaftlichen Handelns stets im Auge zu behalten. Durch eine Bündelung des bereits vorhandenen Know-hows und durch gemeinsame Projekte mit vermehrt landesübergreifenden Kooperationen sehe ich großes Potenzial für eine zukunftsfähige Weiterentwicklung. Auch ein einheitliches Erscheinungsbild der einzelnen (Landes-)Waldverbände erachte ich mittelfristig als unverzichtbar für die professionelle Wahrnehmung unserer Organisationen. Unsere regionalen Strukturen spielen dabei eine entscheidende Rolle und symbolisieren das „Wurzelsystem“ und die Standfestigkeit des Waldverbandes.
Gegenüber den politischen Entscheidungsträgern ist es mir wichtig, eine deutliche Position zu beziehen und die Anliegen unserer Mitglieder klar und verständlich zu kommunizieren. Ständige Themen sind in diesem Zusammenhang u.a. die Sicherung der Eigentumsrechte und das Bemühen um eine Entbürokratisierung in der Land- und Forstwirtschaft.
Mit der Umsetzung eines bereits vom Bundesvorstand beschlossenen Strategiekonzeptes werden wir diese Themen gezielt in Angriff nehmen.
Die Wälder und Waldbewirtschafter stehen vor großen Herausforderungen. Wo siehst du die größten Aufgaben für den Waldverband?
Granitzer Für unsere Mitglieder ist es entscheidend, dass wir uns laufend um die Mitgestaltung von praxisorientierten Rahmenbedingungen für die Holzvermarktung kümmern. Unsere Landesorganisationen arbeiten in diesem Zusammenhang an der weiteren Professionalisierung ihrer Serviceangebote.
Gegenüber der Allgemeinheit und den „waldnahen Interessensgruppen“ hat die konsequente Bewusstseinsbildung für die Unverzichtbarkeit einer aktiven Waldbewirtschaftung weiterhin einen sehr hohen Stellenwert. Auch der Einsatz für die verstärkte Holzverwendung in allen Lebensbereichen, insbesondere aber im Holzbau, zählt zu unseren Kernaufgaben.
Welche Chancen siehst du in den Bereichen Holzmarkt, Biodiversität und erneuerbare Energien? Welche Rolle soll der Waldverband Österreich bei den Stakeholdern spielen?
Granitzer Für Kleinwaldbesitzer ist die Marktkenntnis und der Marktzugang nicht mehr selbstverständlich. Der Waldverband ist eine „Serviceorganisation von Waldbesitzern für Waldbesitzer“, die ihren Mitgliedern diese Schlüsselkompetenzen sichert. Durch unsere professionellen Strukturen sind wir auch im unternehmerischen Umfeld am Puls der Zeit. Sowohl Mitglieder als auch Geschäftspartner können davon profitieren.
Die Biodiversität in unseren bewirtschafteten Wäldern ist höher als viele glauben. Wenn wir als Waldbesitzer die Vielfalt in unseren Waldbeständen erkennen, fördern und kommunizieren, tragen wir nicht nur zur Waldgesundheit bei. Wir stärken damit auch unsere Position gegenüber Bewirtschaftungsgegnern.
Im Bereich der erneuerbaren Energien spielt bei uns die Verwendung von heimischem Holz traditionell eine wesentliche Rolle. Chancen sehe ich vor allem im Bereich der Bioökonomie, deren Möglichkeiten vielfach erst am Anfang stehen. Das von den Waldverbänden mitunterstützte Forschungslabor für die Erzeugung von Holzdiesel wird uns zeigen, ob und wie zeitnahe wir mit praxistauglichen Ergebnissen rechnen dürfen.
Gegenüber den Interessensgruppen sollte der Waldverband stets als professioneller und verlässlicher Partner in Erscheinung treten und offen für zukunftsorientierte Kooperationen sein.
Was motiviert dich persönlich, diese Aufgabe zu übernehmen und was möchtest du den Mitgliedern zum Beginn deiner Obmannschaft mit auf den Weg geben?
Granitzer Die strukturellen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte erfordern eine Anpassung von Kooperationsmodellen. Das gilt ebenso für den Waldverband. Bestimmten Herausforderungen können wir nur durch eine Konzentration von Ressourcen und durch eine gemeinsame, bundesweite Kommunikation begegnen. Hier sehe ich großes Potenzial für uns als Waldverband. Die positive Grundstimmung im Bundesvorstand und die gemeinsame Ausrichtung der Bemühungen auf die Bedürfnisse unserer Mitglieder bestärken mich, Verantwortung zu übernehmen und als Obmann unser „Team-Österreich“ anzuführen.
Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle meinem Vorgänger Rudolf Rosenstatter, der mit viel Leidenschaft und Engagement maßgeblich dazu beigetragen hat, den Waldverband als anerkannte forstliche Institution in Österreich zu etablieren. Allen unseren Mitgliedern danke ich für ihr Bekenntnis zum Waldverband und ihren Anteil zur Stärkung unserer großen Gemeinschaft. Nutzen Sie bitte unsere Serviceleistungen, speziell im Bereich der Holzvermarktung, denn damit tragen Sie persönlich zur Sicherung unserer Position am Holzmarkt und zur Festigung unseres Stellenwertes in der heimischen Forstbranche bei.
Unsere Gemeinschaft ist unsere Stärke.
Mag. Matthias Granitzer (46) ist neuer Obmann des Waldverbandes Österreich.
Der bergbäuerliche Betrieb von Familie Granitzer in Stockenboi / Oberkärnten.
Mitten im Wald ist Matthias Granitzer ganz in seinem Element.
Naturidyll: Der Weissensee in Oberkärnten ist zu zwei Drittel unverbaut und naturbelassen.






