Wälder spielen eine wichtige Rolle im Klimaschutz, weil sie durch ihr Wachstum CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen und Kohlenstoff in Holz und Böden speichern. Die forstlichen Forschungsanstalten betonen jedoch, dass diese Senkenfunktion nicht unbegrenzt ist. Wie viel Kohlenstoff ein Wald aufnehmen kann, hängt stark von Standort, Bestandesalter, Struktur und Vitalität ab. Besonders junge und mittelalte Wälder haben hohe Zuwachsraten und können entsprechend viel CO2 binden.
Mit fortschreitendem Klimawandel steigt gleichzeitig das Risiko, dass große Kohlenstoffmengen plötzlich wieder freigesetzt werden. Hitze, Trockenheit, Borkenkäfer und Stürme führen dazu, dass Wälder als CO2-Senke zunehmend volatil werden. Die jährliche Speicherleistung kann stark schwanken und im Extremfall sogar ins Negative kippen. Entscheidend ist daher, dass Wälder gesund, stabil und an die veränderten Umweltbedingungen angepasst bleiben.
Auch die Neubegründung von Wald – etwa durch Erstaufforstung – kann zusätzliche Kohlenstoffspeicher schaffen. Ihr Potenzial ist jedoch begrenzt, da geeignete Flächen in Mitteleuropa knapp sind und verschiedene Nutzungsansprüche bestehen. Zudem entfaltet sich die Klimawirkung neuer Wälder erst mit zunehmender Bestandesentwicklung.
Zudem weisen die Forschungsanstalten darauf hin, dass der Kohlenstoffspeicher der Wälder trotz seiner Bedeutung natürliche Grenzen hat. Durch steigende Temperaturen und abnehmende Wasserverfügbarkeit kann sich die Senkenleistung künftig verringern. Strategien, die allein auf sehr hohe Vorräte setzen, bergen daher Risiken: Vorratsreiche, aber instabile Bestände sind besonders anfällig für Störungen – und damit für plötzliche CO2-Verluste. Klimaschutz im Wald erfordert eine Balance zwischen Vorrat, Stabilität und Risikominimierung.
Aktiv bewirtschaften
Damit Wälder ihre Leistungen dauerhaft erbringen können, braucht es eine aktive, nachhaltige Bewirtschaftung. Sie ermöglicht die Entwicklung klimaresilienter Mischwälder, die gegenüber Witterungsextremen, Schädlingen und Störungen deutlich widerstandsfähiger sind als einseitige Bestände. Vielfältige Strukturen und standortgerechte Baumarten erhöhen die Anpassungsfähigkeit und sichern die kontinuierliche Kohlenstoffbindung.
Ein besonderer Fokus gilt dem Waldboden, der einen großen Teil des im Wald gespeicherten Kohlenstoffs enthält. Eine bodenschonende Bewirtschaftung, schonende Befahrung und der Erhalt des Bodenwasserhaushalts tragen dazu bei, diesen Speicher langfristig zu schützen und weiter auszubauen.
Gleichzeitig betonen die Forschungsanstalten, dass Wälder weit mehr bieten als nur Kohlenstoffspeicherung. Sie erbringen Ökosystemdienstleistungen, die für Gesellschaft und Umwelt unverzichtbar sind: Schutz vor Naturgefahren, Wasserfilterung, Biodiversität, Lebensräume, Erholung und die nachhaltige Bereitstellung des Rohstoffs Holz. Ein zu starker Fokus auf die CO2-Speicherung kann diese Leistungen beeinträchtigen und durch extrem hohe Vorräte sogar die Gefahr schwerer Schäden erhöhen. Entscheidend ist daher ein ganzheitlicher Blick auf den Wald.
Auch das Management von Störungsrisiken ist zentral. In instabilen oder standortfremden Wäldern steigt die Wahrscheinlichkeit großflächiger Schäden erheblich. Mischungsaufbau, strukturelle Vielfalt, stabilitätsfördernde Pflege und ein angepasster Wildbestand mindern diese Risiken deutlich. Ziel ist ein Wald, der Störungen nicht nur standhält, sondern sich nach diesen rasch regenerieren kann.
Grundlage aller Maßnahmen bleibt jedoch die deutliche Reduktion der Treib-hausgasemissionen in allen Wirtschaftssektoren. Sie ist der wichtigste Klimaschutz für den Wald. Wälder können dazu beitragen, überhöhte Emissionen zu kompensieren – ersetzen können sie diese aber nicht.
Holz und Klimaschutz
Neben der Kohlenstoffbindung im Wald spielt auch die Holzverwendung eine entscheidende Rolle. Wird Holz in langlebigen Produkten eingesetzt, etwa im Bauwesen, bleibt der darin gebundene Kohlenstoff über viele Jahre oder Jahrzehnte gespeichert. Dieser sogenannte Holzproduktespeicher ergänzt den Waldspeicher und verlängert dessen Klimawirkung. In Nutzungskaskaden kann Holz dabei mehrfach stofflich eingesetzt werden, bevor es am Ende seines Lebenswegs energetisch verwertet wird.
Hinzu kommt der Substitutionseffekt: Holz kann CO2-intensive Materialien wie Beton oder Stahl ersetzen. Dadurch werden Emissionen vermieden, die sonst in anderen Sektoren entstehen würden. Wissenschaftlich ist dieser Effekt gut belegt – formal wird er im LULUCF-Sektor jedoch nicht angerechnet. Die durch Holzverwendung eingesparten Emissionen erscheinen in anderen Quellgruppen und tragen dort zur Zielerreichung bei, während sie in der LULUCF-
Bilanz des Waldes nicht berücksichtigt werden. Das führt häufig zu politischen Missverständnissen über den tatsächlichen Beitrag der Forstwirtschaft zum Klimaschutz.
Vor diesem Hintergrund empfehlen die Forschungsanstalten, die Klimaziele im LULUCF-Sektor kritisch zu überprüfen. Viele der aktuellen Vorgaben sind angesichts zunehmender Störungen und begrenzter Senkenkapazitäten nur eingeschränkt erreichbar. LULUCF („Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft“) beschreibt dabei, wie viel CO2 durch Wälder, Böden und andere Flächen aufgenommen oder freigesetzt wird – gewissermaßen den CO₂-Saldo der Landschaft.
Differenziert betrachten muss man auch CO2-Zertifikate. Zertifikate sind dann sinnvoll, wenn sie tatsächlich zusätzliche Kohlenstoffbindung ermöglichen – etwa durch Aufforstungen oder klimaresilienten Waldumbau. Modelle, die ausschließlich auf Nutzungsverzicht beruhen, gelten hingegen als riskant: In instabilen Beständen kann ein einziges Schadereignis den vermeintlichen Klimanutzen zunichtemachen, während gleichzeitig der Aufbau von Holzproduktespeichern entfällt.
Das Gesamtbild ist eindeutig: Wälder und Holzprodukte leisten wertvolle, aber begrenzte Beiträge zum Klimaschutz. Ihre Wirkung entfaltet sich dort am stärksten, wo aktive Bewirtschaftung, vielfältige Bestände, starke Böden, nachhaltige Holznutzung und realistische politische Rahmenbedingungen zusammenwirken.





