Welche Kosten fallen für die Pflege an?

Artikel aus Ausgabe 2/2022

Waldpflegemaßnahmen sind waldbaulich und auch betriebswirtschaftlich die wichtigsten Maßnahmen für die zukünftige Entwicklung der Waldbestände. Welche Maßnahmen bei der Waldpflege waldbaulich und betriebswirtschaftlich Erfolg versprechen und mit welchen Kosten Sie rechnen müssen, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Mehr finden zu …

Ausgabe: 2/2022
Thema: Wald & Wirtschaft
Bundesland: Österreich
Autor:in: DI Harald Hebenstreit

Bevor Waldpflegemaßnahmen durchgeführt werden können, muss die Fläche mit einem auf die Pflege- und Durchforstungsmaßnahmen abgestimmten Wegenetz zugänglich gemacht werden. Gerade im harvester- und traktortauglichen Gelände ist dieser erste Schritt gleichzeitig eine Grundvoraussetzung bevor mit Pflegemaßnahmen begonnen wird. Dieses Netz an Pflege- bzw. Rückegassen wird als Feinerschließung bezeichnet und gliedert die Bestandesfläche in für die Bewirtschaftung sinnvolle Einheiten.

Bei Aufforstungen kann diese Gliederung direkt im Zuge der Wiederbewaldung angelegt werden. Der Gassenabstand richtet sich nach den für die Pflege- und Durchforstung eingesetzten Maschinen. Grundsätzlich sollten Rückewege in Falllinie angelegt werden um Querfahrten bei der Ernte zu vermeiden. Erfolgen zukünftige Durchforstungseingriffe mit Harvester, sollte der Gassenabstand in etwa 20 Meter betragen (doppelte Kranreichweite). Erfolgt die Ernte mit Traktorrückung kann der Abstand auch 30 Meter betragen da der Zuzug mit Seilwinde erfolgt. Diese Überlegungen sind wichtig, da durch ein richtig angelegtes Feinerschließungsnetz ein flächiges Befahren der bestockten Fläche vermieden wird. Es sollte ausschließlich das Rückewegenetz befahren werden. Somit vermeidet man unnötige Bodenverwundung, Bodenverdichtung und Schäden an Wurzeln und Stämmen des verbleibenden Bestandes. Erst nach der Anlage der Feinerschließung sind Pflegemaßnahmen sinnvoll, da erst jetzt eine Auswahl von Pflegezellen bzw. eine Auswahl von zukünftigen Wertträgern möglich ist. 

Ein durchdachtes Erschließungskonzept ermöglicht eine effiziente Waldpflege und mindert den notwendigen Zeit- und Arbeitsaufwand bei Durchforstungseingriffen. Daher ist die Feinerschließung ein wesentliches Kriterium um die Kosten der Waldbewirtschaftung zu senken. Im Folgenden sollen allgemeine Rahmenwerte und Kennzahlen für den geschätzten Arbeitsaufwand der einzelnen Pflegemaßnahmen dargestellt werden. Folglich kann man hiervon auf die Kosten rückschließen.

Bäume benötigen Platz um sich zu entwickeln. Bei den Pflegemaßnahmen wird den Bäumen gezielt der notwendige Raum gegeben, den sie für Kronen- und Wurzelentwicklung benötigen. Versäumnisse in diesen Bestandsphasen sind schwer bis gar nicht nachzuholen. Folgende Maßnahmen sind in Abhängigkeit der Baumartenzusammensetzung und des Entwicklungsstadiums des betrachteten Bestandes zu setzen:
• Ausgrasen, Entfernung der Begleitvegetation
• Schutz vor Wild
• Stammzahlreduktion – Mischungsregulierung
• Dickungs- und Stangenholzpflege

Je nach verwendetem Arbeitsmitteleinsatz können den betrachteten Pflegemaßnahmen entsprechende notwendige Arbeitszeiten zugeordnet werden. Die verwendeten Kennzahlen stammen aus dem vom Österreichischen Agrarverlag herausgegebenen Forstjahrbuch 2022. Zusammengestellt von Dr. Wolfgang Jirikowski (BFW, Traunkirchen), aktualisiert durch Nemestothy und Hader.

Diese Arbeitszeitangaben stellen Durchschnittswerte dar und können hinsichtlich der betrieblich vorliegenden Verhältnisse natürlich stark abweichen. Daher geben diese Kennwerte keine präzisen Antworten. Dennoch sind diese Richtwerte gute Hilfsmittel um eine grobe Kostenabschätzung für die Waldpflege vorzunehmen.
Die angeführten Arbeitsstunden wurden mit einem Stundensatz von 28 € hinterlegt. In diesem Stundensatz sind der Stundenlohn eines Forstfacharbeiters laut Mantelvertrag inklusive der Dienstgeberabgabe, die SV-Beiträge, die Kosten für die Schutzausrüstung mit einkalkuliert. Auch dieser hinterlegte Stundensatz kann natürlich nur als grober Richtsatz angesehen werden.

Für Arbeiten mit der Motorsäge und Freischneider erfolgte ein Zuschlag für die Maschinenstunden von 7 €. Kosten für Pflanzenschutzmittel (Herbizid und Verbiss- und Fegeschutzmittel), Ausbringungsgeräte sowie Handwerkzeuge (Sichel, Astschere, …) blieben unberücksichtigt. Pflegemaßnahmen sind eine Investition in die Zukunft und rechnen sich Jahre und Jahrzehnte später über höhere Holzerlöse, geringere Holzerntekosten und durch eine höhere Bestandesstabilität. Bei Stammzahlreduktionen ist ein frühes Eingreifen ratsam, da mit zunehmender Bestandeshöhe der Arbeitsaufwand und die damit verbundenen Kosten deutlich zunehmen.

Pflegearbeit & Kosten

Ausgrasen, Entfernung der Begleitvegetation
• ganzflächig mit Sichel oder Sense 40 Stunden je Hektar / 1.120 €
• ganzflächig mit Motorsense 20 bis 30 Stunden je Hektar / 700 € bis 1.050 €
• Pflanzen freistellen (Austrichtern) 15 Stunden je Hektar / 525 €
• chemisch, ganzflächig mit Rückenspritze 20 bis 30 Stunden je Hektar / 560 € bis 840 €
• chemisch, reihenweise mit Rückenspritze zwölf Stunden je Hektar / 336 €
 
Schutz vor Wild
• Verbiss-/Fegeschutz spritzen zehn Stunden je Hektar / 280 €
• Verbiss-/Fegeschutz streichen 15 Stunden je Hektar / 420 €
• Verbiss-/Fegeschutz mechanisch mit Schafwolle oder Schutzkappe 15 Stunden je Hektar / 420 €
• Scherenzaun 1,5 m hoch vier bis zwölf Stunden je 100 Laufmeter (2 Personen), 112 € bis 840 €
• Zaun hochwildsicher zwölf bis 20 Stunden je 100 Laufmeter (3 Personen), 336 € bis 1.680 €
 
Stammzahlreduktion – Mischungsregulierung
• Pflege von stammzahlreichen Nadelholznaturverjüngungen (< 2 m) 40 bis 60 Stunden / 1.400 € bis 2.100 €
• Pflege von Laubholznaturverjüngungen 60 bis 80 Stunden / 2.100 € bis 2.800 €
 
Dickungs- und Stangenholzpflege
• Anlage von Pflegegassen mit Motorsäge/Freischneider (< 2 m Bestandeshöhe) 4 Stunden / 140 €
• Stammzahlreduktion von Nadelholz mit Motorsäge
    – Bestandeshöhe 2-5 m 20 bis 30 Stunden / 700 € bis 1.050 €
    – Bestandeshöhe 5-8 m 30 bis 60 Stunden / 1.050 € bis 2.100 €
• Stammzahlreduktion von Laubholz mit Motorsäge
    – Bestandeshöhe 2-5 m 25 bis 30 Stunden / 875 € bis 1.050 €
    – Bestandeshöhe 5-8 m 30 bis 40 Stunden / 1.050 € bis 1.400 €
• Pflege von Laubholz (Formschnitt von Z-Stämmen und Behandlung von Bedrängern)
    – 14-20 Stunden je 100 Stück / 392 € bis 560 €
 
Wertastung
• erste Etappe bis 2,5 Meter zehn Stunden je 100 Stämme mit Handsäge / 280 €
• zweite Etappe 2,5 Meter bis fünf Meter zwölf Stunden je 100 Stämme mit Gestängesäge / 336 €

Der Einsatz moderner Technik wie z. B. dem „Spacer“ vermindert die Bückearbeit bei den Pflegemaßnahmen.

Eine gute Feinerschließung ist Voraussetzung für alle waldbaulichen Maßnahmen.

  • Wald & Gesellschaft
  • Wald & Wirtschaft
Das Gold aus den Lärchen
Im Gurk- und Metnitztal wird noch heute eine uralte, österreichweit einzigartige Tradition praktiziert – das Lärchen...
  • Borkenkäfer
  • Wald & Wirtschaft
Haben Sie Käferprobleme?
Werden Sie Teil eines aktuellen Forschungsprojektes zur Früherkennung der Schwärmzeiten des Buchdruckers im Frühjahr ...