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Waldpflege als „Jungbrunnen“

Artikel aus Ausgabe 4/2020

Altbäuerinnen und Altbauern leisten im Verborgenen oft wichtige und wertvolle Arbeit bei der Waldpflege und legen damit den Grundstein für vitale, stabile und ertragreiche Waldbestände in der Zukunft!

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Ausgabe: 4/2020
Thema: Waldpflege
Bundesland: Österreich
Autor:in: Mag. Roland Hinterberger

Das Betätigungsfeld reicht von der Aufforstung samt Kulturpflege über die Stammzahlreduktion und Läuterung bis hin zur Dickungspflege und Erstdurchforstung. Auch Formschnitt und Wertastung gehören zu diesen Waldpflegemaßnahmen.

Die genannten Pflegemaßnahmen haben einige Gemeinsamkeiten. Sie sind aus waldbaulicher Sicht sehr sinnvoll und wichtig, obwohl zumeist kein sofortiger finanzieller Ertrag erwirtschaftet wird. Derartige Maßnahmen sind somit Investitionen in die Zukunft und beeinflussen die Ertragslage der künftigen Waldbestände maßgeblich. Weiters wirken sich diese Maßnahmen auf die Stabilität und Vitalität der Wälder, gerade auch im Hinblick auf zukünftige Schadereignisse sehr positiv aus. Darüber hinaus sind die genannten Maßnahmen mit erheblichem Zeitaufwand verbunden. Speziell bei der jüngeren Generation der Waldbesitzer ist diese zeitliche Komponente ein großes Problem und daher bleiben notwendige Pflegemaßnahmen teilweise aus bzw. können diese nicht im wünschenswerten Ausmaß durchgeführt werden. Derartige Pflegeversäumnisse „rächen“ sich oft erst Jahre später und können auch nicht mehr zur Gänze aufgeholt bzw. ausgeglichen werden.

Zeitaufwand & Arbeitssicherheit

DI Andreas Teufer (Geschäftsführer Bäuerliche Forstpflanzenzüchter OÖ) erläutert, dass alleine bei der Pflege von Aufforstungsflächen im Durchschnitt 20 bis 25 Arbeitsstunden (für einmaliges Ausmähen) pro Hektar aufgewendet werden müssen. Dies kann je nach Vegetation und Geländebeschaffenheit entsprechend variieren. In den von den Kalamitäten der vergangenen Jahre gebeutelten heimischen Wäldern ist in den nächsten Jahren jedenfalls mit erhöhten Waldpflegeaufwänden zu rechnen.
Besonderes Augenmerk ist auch auf die Aspekte der Arbeitssicherheit zu legen. Es zeigt sich, dass viele Forstunfälle der Altersgruppe „60 plus“ zuzuordnen sind. „Schwere Arbeiten“ im Sinne von motormanueller Schlägerung aber auch im Bereich der Holzrückung sind im Alter nicht mehr empfehlenswert. Weiters sollen diese Arbeiten aus Sicherheitsgründen auch nicht alleine durchgeführt werden. Bei genauer Betrachtung der Forstunfallstatistiken ergibt sich, dass das Risiko, insbesondere von schweren Forstunfällen in der Altersgruppe „60 plus“, erheblich ansteigt. Zwei von drei Forstunfällen mit tödlichem Ausgang passieren Menschen, die älter als 60 Jahre sind.

Zu Besuch bei Karl Sieghartsleitner

Ing. Karl Sieghartsleitner wurde im Ruhestand wieder Kleinwaldbesitzer. Er hat vor acht Jahren einen kleinen Wald erworben. Mit seinen 78 Jahren kümmert er sich mit großem Engagement und mit viel Freude auch um die Pflege des 2,5 Hektar großen Waldes am Anwesen seines Sohnes, das er 1984 übergeben hat. Bereits in seiner aktiven Zeit als Bürgermeister von Steinbach an der Steyr war ihm das Thema Nachhaltigkeit ein großes Anliegen. Der weithin bekannte „Steinbacher Weg“ war auf nachhaltige Entwicklung angelegt. Bei zahlreichen auch internationalen Vorträgen wurde seinen Ausführungen zu diesem Thema aufmerksam zugehört. Nun gilt sein Engagement der nachhaltigen Pflege des Waldes.

„Nach Beendigung meiner aktiven Berufslaufbahn habe ich mich irgendwie leer gefühlt. Die Waldarbeit gibt mir viel Kraft und Freude und zusätzlich kann ich etwas Bleibendes für die künftigen Generationen bewirken, denn als älterer Mensch möchte man etwas hinterlassen.“

Wald & Wild

Auch Verbiss- und Fegeschutz ist Karl Sieghartsleitner ein wichtiges Anliegen. Aus „alten“ Wildschutzzäunen fertigt er eigens von ihm entwickelte, höhenverstellbare Schutzkörbe. „Für mich ist das Anfertigen der Schutzkörbe auch eine Art der Demenzprävention, es fördert die Auge-Hirn-Hand-Koordination“, erläutert Sieghartsleitner schmunzelnd.

Sieghartsleitner berichtet, dass er vor fünf Jahren beim Fällen eines Baumes einen Forstunfall erlitten hat, bei welchem er sich einen Beinbruch zuzog. Seit diesem Zeitpunkt gibt er die „heiklen“ Arbeiten wie auch die Rückung mit dem Traktor aus Sicherheitsgründen in jüngere Hände und widmet sich seither mit voller Kraft der Waldpflege. „Früher, als ich noch im Berufsleben stand, war die Waldarbeit bzw. die Waldpflege für mich eher lästig und es fehlte mir auch die entsprechende Zeit. Heute ist die Tätigkeit im Wald für mich sehr heilsam! Ich fühle neuen Schwung, die Arbeit in der Natur ist gesund und bereitet mir viel Freude“, erzählt uns Karl Sieghartsleitner.
An dieser Stelle bedankt sich der Waldverband OÖ bei Karl Sieghartsleitner für das Interview und für die spannenden Einblicke in die Bewirtschaftung des Familienwaldes.
Am Beispiel von Karl Sieghartsleitner wird deutlich, dass man auch im Alter noch sinnvolle und vor allem auch wertvolle Arbeit im Bereich der Waldpflege verrichten kann. Auch bei den Pflegemaßnahmen ist jedoch die eigene Sicherheit das oberste Gebot. Es sollten nur Arbeiten verrichtet werden, welche dem persönlichen Gesundheitszustand entsprechen und welche man sich auch guten Gewissens zutraut.

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Fachgespräch vor Ort mit dem Waldhelfer Anton Frantal und Karl Sieghartsleitner.

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Der „Lieblingsplatz“ von Karl Sieghartsleitner. „In den Pausen kann man hier die Natur bestaunen“.

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Die Topfpflanzen aus Naturverjüngung für künftige Aufforstungen und Nachbesserungen stammen aus eigener Produktion.

“Für mich ist das Anfertigen der Schutzkörbe auch eine Art der Demenzprävention!”

Ing. Karl Sieghatsleitner

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