Unter Waldhygiene werden alle Vorkehrungen verstanden, die zukünftige Schäden am Wald verhindern sollen. Als Synonym dafür wird auch der Begriff „Saubere Waldwirtschaft“ verwendet. Solche vorbeugende Maßnahmen können z. B. Durchforstungen sein, die die Vitalität und Stabilität erhöhen oder das rechtzeitige Aufarbeiten von Wind- und Schneebrüchen. Waldhygiene beginnt aber schon bei der richtigen Baum- und Herkunftswahl und beinhaltet auch den Schutz von Nützlingen (Vögel, Ameisen und Fledermäuse). Was sollte jetzt im Frühjahr für den Waldbesitzer, die Waldbesitzerin wichtig sein?
Rechtzeitige Aufarbeitung und Holzabfuhr
Im Februar dieses Jahres hat es wieder in vielen Teilen Österreichs größere und kleinere Windwürfe gegeben. Die großflächigen Windwürfe werden meist zügig aufgearbeitet, Probleme schaffen sehr oft die kleineren Würfe oder Einzelwürfe, die entweder nicht erkannt oder oft auch vergessen werden. Zusätzlich spielt die ökonomische Komponente eine Rolle, wenn z. B. Gebiete nicht erreichbar sind wegen mangelnder Aufschließung. Können Einzelwürfe nicht aus dem Wald gebracht werden, so sollten sie auf jeden Fall bekämpfungstechnisch behandelt werden (Entrinden, mit Insektizid behandeln), weil sie sonst zu Ausgangspunkten von Borkenkäferentwicklungen werden. Einen guten Überblick bezüglich Einzelwürfe können auch Drohnenaufnahmen liefern, vor allem in Gebieten mit geringerer Aufschließung. Langfristig sollte überlegt werden, ob noch Aufschließungsprojekte für eine rechtzeitige Bringung im Betrieb notwendig sind.
Kontrolle von alten Käfernestern
Zwischen 15. Mai und 15. September sollte im Wald kein fängisches Material liegen bzw. rasch aus dem Wald gebracht werden. Abgewipfelte Bäume und Bäume, die vom Wind angehoben wurden, aber nicht umfielen, sollten genauestens unter die Lupe genommen werden.
Genauer betrachten sollte man auch die Bäume um ehemalige Käfernester, denn dort vermehren sich die Käfer sehr häufig, da sie nicht besonders gerne weit fliegen.
Befallenes Holz erkennt man leicht an feinen, meist braunen Bohrmehlhäufchen auf der Rinde bei liegendem Holz oder es sollte am Stammfuß nach Bohrmehl bei stehendem Holz gesucht werden. Bei befallenem Holz und bei Fangbäumen ist eine Kontrolle der Entwicklung der Brut wichtig. Nach dem vorsichtigem Abheben der Rinde mit einem Messer, erkennt man unter der Rinde Fraßspuren in Form von unregelmäßigen Gängen, die beim Buchdrucker (großer Fichtenborkenkäfer) meist längsförmig in Stammrichtung und beim Kupferstecher (Kleiner Fichtenborkenkäfer) sternförmig sind. Buchdrucker haben bis zu drei, Kupferstecher bis zu sechs Gänge. Von diesen Gängen, wo der Mutterkäfer die Eier abgelegt hat, gehen die Larvengänge weg, die immer breiter werden und an deren Ende eine weiße Larve frisst oder aber ein hellbrauner Käfer sich befindet oder ein Loch nach außen ist; dann ist der Käfer bereits vollentwickelt ausgeflogen.
Verhacken oder als Energieholz
Am Boden liegende Wipfel dürfen nur dann im Bestand verbleiben, wenn sie zumindest mit der Motorsäge entastet und zerkleinert werden. Besser ist das Verhacken von diesem Material entweder in den Bestand hinein, wenn es einen hohen grünen Nadelanteil aufweist, oder auf einen Anhänger zur Energieholzverwendung. Problematisch ist die Entnahme von Grünmaterial in Bezug auf die Nährstoffversorgung des Waldes auf sehr seichtgründigen Böden.
Lagerung von Rundholz im Wald
Lagerung von vor allem Energieholz im Wald oder in Waldnähe kann für die Borkenkäferentwicklung sehr günstig sein. Es sollte ein Abstand von mindestens 500 Meter vorhanden sein oder ein Fallengürtel mit einem Abstand von 15 Meter von Falle zu Falle gemacht werden (mit z. B. Tipifallen oder Sternfallen).
Prügel- oder Tipifallen
Diese Fallen bestehen aus Wipfelstücken von Fichten aus Winternutzungen, die zu einem Zelt (daher Tipi) ähnlichem Gebilde zusammengebunden werden. Das Holz wird mit einem zugelassenen Insektizid begiftet und meist mit einem auf die jeweilige Käferart abgestimmten Lockstoff (Pheromon) bestückt. Die Käfer befallen das Holz und sterben beim Einbohrversuch ab. Der Lockstoff und die Begiftung müssen nach ca. fünf bis sieben Wochen erneuert werden. Es ist auch bei dieser Methode ein Abstand vom Bestand einzuhalten, da sonst mit noch stärkeren Schäden gerechnet werden muss. Diese Methode ist jedoch nur in sehr stark betroffenen Schadensgebieten zu empfehlen.
AUS für Alpha-Cypermethrin
Angelehnt an die Tipifallen wurde das Trinet© entwickelt und auch Storanet© zum Abdecken von Holzgantern. Beide Produkte enthalten den Wirkstoff Alpha-Cypermethrin, der ab 7. Februar 2020 aus der Registrierung genommen wurde. Dieser Wirkstoff ist auch im Produkt Fastac Forst. Die Abverkaufsfrist läuft noch bis 31. Juli 2020 und die Aufbrauchsfrist bis 31. Juli 2021. Danach dürfen diese Produkte nicht mehr verwendet werden. Gerade Storanet© hat sich als sehr praktikable und anwenderfreundliche Maßnahme zum Schutz von kleineren Holzmengen erwiesen, daher ist ein künftiges Verbot nicht nachvollziehbar.
Gefahr nicht nur bei Fichte unter 600 Metern
Große Gefahren ergeben sich vor allem für Fichten unter 600 Metern Seehöhe in Beständen, die durch Wind oder Schnee heuer oder im Vorjahr geschädigt wurden oder die ungepflegt sind. Die Beobachtungen sollten sich jedoch auch auf Fichtenbestände in höheren Lagen über 1.000 Meter richten.
Weiters müssen auch andere Baumarten kontrolliert werden wie die Lärche, die Kiefer, die Tanne und die Buche. Auch bei diesen Baumarten kann es zu Borkenkäfervermehrungen kommen. Nur rasches Handeln kann schwere Folgeschäden und Holzentwertung verhindern.
Weniger Beschäftigte im Wald – weniger Waldhygiene
In vielen Betrieben gibt es immer weniger (oder gar keine) Waldarbeiter, manche haben auch keine Maschinen wie Krananhänger oder Traktoren mit Seilwinde mehr. Dadurch wird die Waldhygiene immer nachlässiger und die Gefahr von Schäden immer größer. Aber auch im Kleinwald ist die Motivation für die Waldarbeit durch die schlechten Holzpreise enden wollend, was sich auch auf eine mangelnde saubere Waldwirtschaft auswirkt. Diese Entwicklung ist sehr bedenklich, wenn wir in eine Zukunft blicken, die noch größere Herausforderungen in diesem Bereich bringen wird.
Die Förderung von Nützlingen trägt wesentlich zur Waldhygiene bei.
Die Entnahme von Grünbiomasse hat negative Effekte auf den Standort.
Die Bekämpfung von Borkenkäfern (mit z. B. Tipifallen) muss ab dem Frühjahr konsequent verfolgt werden.





