Traktor-Krananhänger – ein flexibles Universalgerät

Artikel aus Ausgabe 3/2020

Der Traktor-Krananhänger erfreut sich bei der Bewirtschaftung der kleinstrukturierten Waldflächen in Österreich steigender Beliebtheit und ist bei der Maschinenausstattung von Land- und Forstwirtschaftsbetrieben nicht mehr wegzudenken. Der Krananhänger fungiert neben dem klassischen Rückegerät im Wald nicht selten auch als flexibles Transportmittel in der Landwirtschaft.

Mehr finden zu …

Ausgabe: 3/2020
Thema: Wald & Technik
Bundesland: Österreich
Autor:in: DI Dr. Franz Holzleitner

Die wesentlichen Vorteile im Vergleich zur Rückung im klassischen Bodenzug liegen in der boden- und bestandesschonenden Arbeitsweise sowie der geringeren Beanspruchung des Erschließungsnetzes. Gleichzeitig kann das Arbeitssystem mit ergonomischen und sicherheitstechnischen Aspekten punkten, besonders dann, wenn die Steuerung des Kranes von der Kabine der Zugmaschine aus erfolgt. Für den ökonomischen und ökologischen Einsatz des Krananhängers ist neben einer angepassten Feinerschließung, die entsprechende Vorkonzentration der Bloche, natürlich auch das durchschnittliche Stückvolumen des zu rückenden Holzes ausschlaggebend.
Das aktuelle Marktangebot reicht von Modellen mit einfacher Ausstattung und geringer Nutzlast bis hin zu Profigeräten für den Forstunternehmer. Neben technischen Aspekten, welche aktuell in Tests vom BLT Wieselburg und der FAST Traunkirchen näher betrachtet werden, stellen sich für den potenziellen Käufer auch wirtschaftliche Fragen, die eine Kaufentscheidung beeinflussen. Interessanterweise gibt es nur wenige detaillierte Zahlen zur Produktivität oder zum Treibstoffverbrauch, also die Frage, wie lange brauche ich für einen Festmeter und wieviel muss ich tanken.

Mit Hilfe von Arbeitszeitstudien werden jedoch im Rahmen von Projekten und Masterarbeiten am Institut für Forsttechnik der Universität für Bodenkultur Wien laufend Arbeitssysteme und Maschinenkombinationen auf die zu erwartende Produktivität, Kosten und deren Einflussparameter untersucht. Für die Überarbeitung und Aktualisierung der im Herbst 2019 neu erschienenen FHP-Broschüre „Traktor-Krananhänger“ wurden zu den bestehenden Studien von Günter Affenzeller noch vier weitere Arbeitszeitstudien von Christoph Huber und zusätzlich noch die Ergebnisse aus der Masterarbeit von Philipp Gruber aus dem Jahr 2018 eingearbeitet.

Die untersuchten Maschinenkombinationen reichten vom Valtra 6060 mit einem Patu MD 12, einem Steyr 9105 MT mit einem Igland 480 bis hin zum Valtra 6550-4 mit einem Kesla 102HD. Die Rückung erfolgte bei den Aufnahmen sowohl in der Durchforstung als auch in der Endnutzung. Fällung und Aufarbeitung wurden entweder mittels Harvester oder Motorsäge durchgeführt. Die Zugmaschinen hatten eine Motorleistung zwischen 75 und 80 kW. Die Bedienung der Kraneinheit erfolgte sowohl von der Kabine der Zugmaschine aus als auch vom Stehplateau des Krananhängers. Die beiden Zugmaschinen vom Typ Valtra waren zusätzlich noch mit einem Wendesitz und einer Rückwärtsfahreinrichtung ausgestattet.

Hauptaugenmerk auf die Krantätigkeiten richten

Erwartungsgemäß nimmt der Zeitbedarf für die Ladetätigkeiten den größten Anteil ein und liegt je nach Fallstudie zwischen 23 und 52 %. Das Entladen nimmt nochmals zwischen 14 und 26 % des gesamten Zeitbedarfs für eine Fuhre in Anspruch. Zusätzlich ist auch noch ein notwendiger Sortier- und Manipulationsaufwand beim Laden im Wald und anschließend bei der Entladestelle am Polter zu berücksichtigen. Die Dauer der Leerfahrt vom Lagerplatz in den Bestand und retour mit voller Ladung hängt klarerweise von der zu bewältigenden Distanz ab. Natürlich unterliegen diese Werte Schwankungsbreiten aufgrund unterschiedlicher Gegebenheiten und sind unweigerlich auch mit dem Können und der Erfahrung des Maschinisten bzw. mit den Bestandes- und Bodenbeschaffenheiten verbunden.

Stückvolumen und Rückedistanz – Zwei wesentliche Faktoren

Als wesentliche Einflussfaktoren auf die Produktivität des Traktorkrananhängers kommen das Stückvolumen und die Rückedistanz zum Tragen. Im steilen Gelände kommt noch die Neigung der Rückegasse hinzu. Mit zunehmenden Stückvolumen steigt die Produktivität des Rückesystems, da bei höherem Stückvolumen weniger Bloche zur Befüllung des Rungenkorbes notwendig sind. Dadurch nimmt der Zeitbedarf für die Ladetätigkeit ab, welche ja den größten Anteil der Arbeitszeit beansprucht. Ebenso steigt die Produktivität bei abnehmender Rückedistanz. Parallel dazu nimmt der Einfluss des Stückvolumens auf die Gesamtproduktivität ab. Die höchste Produktivität kann im ebenen Gelände erzielt werden, da hier die Manipulation der Bloche und somit das Beladen des Anhängers schneller vonstattengeht. Mit zunehmender Neigung sinkt die Produktivität des Rückesystems.

Im Zuge einer motormanuellen Durchforstung in einem Mischbestand konnten je Systemstunde im Schnitt 7,6 Efm zum nächsten Lagerplatz an der Forststraße gerückt werden. Der Kranhänger war dabei mit durchschnittlich 6,0 Efm beladen und die ausgeformten Sortimente hatten ein mittleres Stückvolumen von 0,2 Efm. Hierbei betrug der Treibstoffverbrauch je Fuhre durchschnittlich 2,4 Liter Diesel. Dies entspricht einem mittleren spezifischen Dieselverbrauch von 0,31 l/Efm.

Bei der Rückung nach einer Endnutzung mit einem Harvester, einem mittleren Fuhrenvolumen von 7,2 Efm und einem durchschnittlichen Stückvolumen von 0,3 Efm stieg die Produktivität bei ähnlicher Rückedistanz auf bis zu 13,6 Efm je Stunde an. Die gesteigerte Leistung kann hier durch die Vorsortierung und Konzentration der Bloche vom Harvester entlang der Rückegasse erklärt werden.

Kalkulations-Tool

Neben umfangreichen Ausführungen in der FHP-Broschüre „Traktor-Krananhänger“ zum Stand der Technik, unterschiedlichen Bedienungsvarianten sowie sicheres Arbeiten und den Anforderungen im Straßenverkehr wurde für den potenziellen Käufer bzw. Besitzer auch noch ein Kostenkalkulationstool im Rahmen der Überarbeitung entwickelt. Dieses Tool steht jedem Online-Besucher der FHP-Plattform kostenlos zur Verfügung und ermöglicht eine Abschätzung der zu erwartenden Produktivität und den entstehenden Rückekosten. Hierbei können die vorgeschlagenen Eingangsparameter entweder übernommen oder vom Benutzer selbst aufgrund der jeweiligen Situation entsprechend hin angepasst werden.

Verwendete Quellen
Affenzeller, G.; Stampfer, K. (2008): Traktor-Krananhänger. FHP Kooperationsplattform Forst Holz Papier.
Gruber, P.; Huber, Ch.; Kanzian, Ch.; Holzleitner, F.; Stampfer, K. (2019): Traktor-Krananhänger. FHP Kooperationsplattform Forst Holz Papier.
Gruber, P. (2018): Erstellung eines Produktivitäts- und Treibstoffverbrauchsmodell für die Rückung mittels Traktorkrananhänger. Masterarbeit. Institut für Forsttechnik, Universität für Bodenkultur Wien, 63 S.

Links
Kostenkalkulations-Tool: https://www.forstholzpapier.at
Krananhänger im Test: https://www.landwirt-media.com/10-forst-krananhaenger-im-vergleich/

Traktor-Krananhänger mit Bedienung vom Stehpult.

Übersicht zu den einzelnen Arbeitszeitstudien mit den Kennwerten

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.