In vier Artikeln sollen Aspekte zur Erhaltung der Gesundheit bei der Waldarbeit aufgezeigt werden. Teil 1 beschäftigt sich mit der Analyse der häufigsten Forstunfälle, mit Berufskrankheiten verursacht durch Lärm und Vibrationen sowie mit gesundheitsschädlicher Belastung durch Abgase.
Unfallzahlen
2018 ereigneten sich in Österreich 1.554 Forstunfälle, davon 868 im Bauernwald mit 17 Todesfällen. Diese zum Vorjahr leicht gestiegene Zahl ist auf den massiven Anteil an Schadholz zurückzuführen, der naturgemäß mit erhöhten Gefahren bei dessen Aufarbeitung verbunden ist.
45 % der Forstunfälle werden direkt durch Baum, Stamm oder Äste verursacht. Eine genaue Baumanalyse, ob und welche Spannungen auftreten, ob faule Stellen im Stamm zu erwarten sind oder ob dürre Äste in der Krone sind, lassen mögliche Gefahren erkennen, und daraus ergibt sich in Folge welche Schneidetechnik als die sicherste angewendet werden sollte.
Durch Arbeiten mit der Motorsäge werden 12 % der Forstunfälle verursacht. Ausreichende Schutzbekleidung wie Schnittschutzhose und Forsthelm haben die Anzahl an Schnittverletzungen in den vergangenen 35 Jahren um 90 % vermindert.
Weitere 12 % entfallen auf Stürze, die besonders durch rutschigen Boden und steile Böschungen verursacht werden. Geeignete Forstschuhe mit griffigem Profil, das für die Waldarbeit abgestimmt ist, könnten viele Stürze verhindern. In Extremsituationen können Steigeisen erforderlich sein. Beim Gehen über glatte Stämme sind herausklappbare Zacken an der Sohle der Forstschuhe hilfreich. Bei Nichtgebrauch wird dieser Zackenkranz wieder zurückgeklappt und ist in die Sohle integriert. Viele professionelle Forstschuhe können auch nachträglich mit Spikes ausgerüstet werden. Die Wahl eines geeigneten Forstschuhs verhindert somit auch aktiv Unfälle. Zugleich bietet ein Forstschuh Schutz gegen Schnitte mit der Motorsäge. Hier ist beim Kauf auf das Piktogramm mit der Motorsäge zu achten. Herkömmliche Sicherheitsschuhe für den Industrie- und Hofbereich geben zwar guten Halt und besitzen eine Zehenschutzkappe, aber sie bieten keinen Schutz gegen Schnittverletzungen und sind aufgrund einer unzureichenden Profilsohle für Forstarbeiten ungeeignet.
In letzter Zeit kommt es zu einer Häufung der Unfälle durch Seilwinden und Ketten. Es betrifft zwar nur 4 % der Unfälle, dennoch merkt man einen leichten jährlichen Anstieg, der zunehmend auf die Arbeit mit modernen Funkseilwinden zurückzuführen ist.
Eine Funkwinde verleitet dazu, alleine im Wald zu arbeiten. Während früher eine Bedienperson beim Traktor stand und durch Schnurzug die Seilwinde aktivierte, hängte eine zweite Person die Bloche an und begleitete diese mit einem Sicherheitsabstand. Durch die Alleinarbeit bei der Rückung muss sich eine Person gleichzeitig auf die Bloche, die Fernbedienung und den Traktor konzentrieren, was nur schwer möglich ist. Verhängt sich das gezogene Bloch an einer Wurzel oder einem Stock, so spannt sich das Seil und das Bloch schlägt seitlich aus oder der Traktor wird von der Straße gezogen. Da man durch die Fernbedienung von der Maschine getrennt ist, können diese Spannungen im Seil nicht mehr direkt gespürt werden.
Andererseits werden bei neuen Seilwinden auch gerne die alten Ketten weiter (mit)verwendet. Diese sind aber zumeist auf die viel kleinere Zugkraft der alten Winde dimensioniert und bergen die Gefahr eines Kettenrisses beim Verhängen im Gelände. Umlenkrollen müssen immer auf die maximale Zugkraft der Seilwinde abgestimmt werden. Durch den Flaschenzugeffekt können selbst bei 6-to-Winden Kräfte von 10 bis 11 to wirken. Unterdimensionierte Rollen halten diesen Kräften nicht stand und werden wie ein Geschoss viele Meter weit katapultiert. Generell ist der Aufenthalt im Seilwinkel und direkt vor und neben den gezogenen Bloch lebensgefährlich. Auf ausreichend Abstand von etwa eineinhalb Blochlängen ist daher bei der Rückung immer zu achten. Speziell kurze und leichte Bloche und Wipfelstücke schnellen gerne aus.
Weitere Gefahren durch die Arbeit mit der Motorsäge
Lärm
Lärmschwerhörigkeit ist die häufigste Berufskrankheit. Messungen direkt an der Motorsäge bringen Werte von ca. 125 Dezibel (dB). Im Ohr kommen noch immer zwischen 100 und 106 dB an. Dies ist eindeutig gehörschädigend. Je lauter der Lärm ist, desto kürzer darf man diesem ausgesetzt sein, ohne das Innenohr zu schädigen. Bei einer ständigen „Überdosis“ brechen die feinen Flimmerhärchen im Innenohr ab und können den Impuls nicht mehr an die Nerven weiterleiten. Leider wachsen diese Härchen nicht mehr nach und die Unterscheidung ähnlich klingender Buchstaben (wie S und F) wird schwieriger. Gesprächen kann man nicht mehr leicht folgen und bei Umgebungslärm, wie beispielsweise am Stammtisch, versteht man den Inhalt der Gespräche oft nicht mehr. Der Grenzwert, dem man täglich acht Stunden unbedenklich ausgesetzt sein darf, liegt bei 85 dB. Der tatsächliche Schallpegel der Motorsäge liegt 20 dB darüber. Diesem Lärm darf man höchstens zehn Minuten lang ausgesetzt sein, um keinen Gesundheitsschaden davonzutragen. Eine höhere Dauer führt unweigerlich zu Lärmschwerhörigkeit.
An Forsthelmen ist ein geeigneter Gehörschutz direkt am Helm montiert. Dieser Kapselgehörschutz hat, ähnlich wie Ohrstöpsel, eine Dämmleistung von
25 – 30 Dezibel und bringt uns in einen unbedenklichen Bereich. Das Material des Gehörschutzes wird aber im Laufe der Jahre spröde und sollte mit dem Helm erneuert werden.
Im Gehörschutz integrierte Funksysteme diverser Hersteller stellen zudem einen enormen Sicherheitsgewinn bei der Forstarbeit dar, da durch die direkte Kommunikation die Zusammenarbeit besser funktioniert und auf mögliche Gefahren schnell und eindeutig hingewiesen und auch reagiert werden kann.
Vibration
Die starken Vibrationen durch den Motor stellen bei älteren Motorsägemodellen für Forstarbeiter eine starke Belastung dar. Die typische Erkrankung der Forstarbeiter ist die „Weißfingerkrankheit“. Vereinfacht gesagt verengen sich durch die Vibration die Arterien der Hand und das verursacht eine eingeschränkte Durchblutung der Finger. Schmerzen bei Kälte und ein dauerndes Kribbeln der Hände sind die Folge. Diese Krankheit wird als Berufskrankheit anerkannt und unterliegt deshalb dem gesetzlichen Unfallversicherungsschutz, mit den gleichen Leistungen wie bei einem Arbeitsunfall.
Moderne Motorsägen haben dagegen eine schwingungsdämpfende Entkoppelung von Motorgehäuse und Handgriffen durch Federn oder Gummi. Dadurch werden weniger Vibrationen weitergeleitet. Arbeitshandschuhe vermindern die Belastung zusätzlich.
Auch viele andere Maschinen, wie Freischneider, Lanzen von Hochdruckreinigern, Schlagbohrmaschinen etc. erzeugen schädigende Vibrationen.
Abgase
Motorsägen erzeugen durch die Verbrennung von Benzin eine Vielzahl von Abgasstoffen. Herkömmliches Benzin besteht aus rund 100 verschiedenen Chemikalien, um gewünschte Eigenschaften für die Verbrennung zu erhalten. Einige davon sind schädlich – manche davon sogar krebserregend. Forstarbeiter als Dienstnehmer müssen im Sinne des Gesundheitsschutzes daher Alkylattreibstoffe verwenden. Speziell beim Fällen von starkem Laubholz, in dichten Durchforstungsbeständen, bei Freischneiderarbeiten und bei der Benützung der Motorsäge in Räumen treten Abgasschadstoffe in gesundheitsschädigenden Dosen auf. Bei der Verbrennung von Benzingemisch entstehen auch cyclische Kohlenwasserstoffe. Davon ist vor allem Benzol krebserregend. Deshalb sollte die Entstehung dieser Stoffe weitgehend minimiert werden.
Die Verwendung von Alkylattreibstoffen ist dabei eine optimale Möglichkeit diese gefährlichen Abgase zu vermeiden. Dieser Treibstoff wird durch feinere Destillation von den meisten schädigenden Stoffen befreit. Durch spezielle Öle trennt sich auch bei längerer Standzeit das Gemisch nicht und der Motor wird geschont. Am besten wäre es, eine neue Säge ausnahmslos mit Alkylattreibstoff zu betanken, um Schädigungen der Vergasermembran und der Benzinleitungen zu verhindern.
In der nächsten Ausgabe geht es um Ergonomie, Ernährung und den Einfluss von Pausen auf die Arbeitssicherheit.




