Besonders oft entstehen diese Unfälle beim „Ausbessern“ missglückter Fällungen – also, wenn aus einem kleinen Problem ein großes wird. Wie sie Risiko und Kraftaufwand reduzieren können, zeigt die seilunterstützte Fälltechnik.
Warum seilunterstützt fällen?
Die seilunterstützte Fällung verringert das Unfallrisiko erheblich. Eine besonders praxiserprobte Methode ist die Königsbronner-Anschlag-Technik (KAT). Dabei wird ein Zugseil mit einer Teleskopstange am Stamm in mehreren Metern Höhe befestigt. Wird bei der Baumansprache erkennbar, dass der Baum trotz korrekter Fälltechnik nicht sicher fallen wird (kleines Problem), lässt sich mit einem Zugseil verhindern, dass er später stehen- oder hängenbleibt (großes Problem).
Weitere Vorteile:
- Der Gefahrenbereich unter der Baumkrone kann rechtzeitig verlassen werden.
- Die Bruchleiste wird deutlich weniger belastet.
- Starke Rückhänger lassen sich sicherer und kontrollierter zu Fall bringen.
Wann eignet sich die seilunterstützte Fällung?
Sie ist besonders empfehlenswert:
- Bei Rückhängern, deren Schwerpunkt bis zu 5 m hinter dem Stock liegt – hier reichen Keile oft nicht mehr aus.
- Bei beschädigter Bruchleiste, etwa durch Risse oder holzzerstörende Pilze.
- Bei Kernfäule im Stockbereich, wenn die Holzfestigkeit für Keilarbeit zu gering ist.
- Bei Totholz in der Krone, das durch Keilen gelöst und herunterfallen könnte.
- In der Nähe von Gebäuden, Straßen oder Leitungen, wenn absolute Fallkontrolle notwendig ist.
Wichtig: Die seilunterstützte Fällung unterscheidet sich grundlegend vom
„Herunterziehen“ bereits hängender Bäume. Ziel ist es, gerade solche unberechenbaren Situationen zu vermeiden.
Geeignete Arbeitsmittel und korrekte Ausrüstung
Für die sichere Anwendung benötigen Sie:
- ein ausreichend starkes Zugseil
- Anschlagmittel und Baumhaken
- eine Teleskopstange oder – eingeschränkt – eine geeignete Leiter
- eine Forst- oder Spillwinde bzw. Greifzug mit ausreichender Zugkraft
Wie hoch die Zugkraft sein muss, lässt sich mit der Calmbacher Tabelle ermitteln. Sie berücksichtigt Holzart, Brusthöhendurchmesser (BHD), Schwerpunktlage und Anschlaghöhe.
Warum die Anschlaghöhe entscheidend ist
Auf die Bruchleiste wirken während der Fällung unterschiedliche Kräfte.
Besonders wichtig:
- Scherkräfte beim Umziehen werden umso kleiner, je höher das Zugseil angebracht ist.
- In Höhe des Baum-Schwerpunktes (ca. 2/3 der Baumhöhe) würden praktisch keine Scherkräfte mehr entstehen.
- Schon 4–8 m Anbindehöhe reduzieren die Belastung deutlich.
Die Befestigung erfolgt idealerweise mit einer Teleskopstange. Leitern bergen auf unebenem Waldboden zusätzliche Unfallgefahren.
Mit steigender Seilhöhe sinkt zudem die erforderliche Zugkraft. Dadurch können auch leichtere Geräte wie Spillwinden oder Greifzüge eingesetzt werden. Wichtig ist, den Stamm nicht auf Verdrehung zu belasten. Bei hohen Anschlagpunkten sollte immer ein Hilfsseil zwischen Baum und Schlepperseil verwendet werden – so kann das Zugseil bei unvorhergesehenem Arbeitsabbruch sicher gelöst werden.
Ablauf der seilunterstützten Fällung
- Anschlagen des Seils in geeigneter Höhe.
- Anlegen des Fallkerbs.
- Ausführen des Fällschnitts als Stechschnitt (wie beim Vorhänger).
- Die verbleibende Halteleiste wird etwa 15–20 cm unterhalb des Fällschnitts durchtrennt.
- Motorsägenführer geht in sichere Position.
- Signal geben – der Zug erfolgt mit Winde oder Zuggerät.
Bei starken Rückhängern kann zusätzlich eine negative Bruchstufe sinnvoll sein: Der Fällschnitt wird dann unter der Sohle des Fallkerbs angesetzt, um ein vorzeitiges Brechen der Bruchleiste zu verhindern.
Fertige Sets und Eigenaufbau
Für die Königsbronner-Anschlag-Technik gibt es im Handel fertige Sets für unterschiedliche Belastungsbereiche. Wer sich ein Set selbst zusammenstellt, muss unbedingt darauf achten, dass alle Komponenten ausreichend dimensioniert und für die auftretenden Zugkräfte geeignet sind. Die seilunterstützte Fällung ist eine moderne, sichere und gut beherrschbare Methode – besonders für Rückhänger und Bäume, bei denen Keilarbeit riskant sein kann. Richtig angewandt, reduziert sie Unfälle und erleichtert die Arbeit maßgeblich.
DI Martin Huber
Das Hilfsseil lässt sich mithilfe einer Teleskopstange vom Boden aus in einer Höhe von über 8 Metern anschlagen.
Beim Umziehen lassen sich die stehenden Fasern der Halteleiste zwischen Fällschnitt und „Unterschnitt“ leicht trennen.
Das Hilfsseil wird über einen Ast gezogen, der Schäkel anschließend am Boden eingesetzt und die Schlinge würgend zugezogen (kein drehen).






