Von verschiedener Seite wird daher dringend die Abkehr von Monokulturen hin zu mehr Mischwald gefordert. Diesbezügliche Erfolge können aus der jüngsten Waldinventur entnommen werden, wonach Reinkulturen von Fichte abnehmen und der Anteil an Mischwald zunimmt.
Der Rückgang der Tanne wird darin auf die Zunahme des Wildeinflusses durch Verbiss begründet. Auch aus der Praxis hört man immer öfter Klagen, dass das Einbringen von Lärchen als Mischbaumart wegen des Wildes und weiteren Gründen kaum möglich ist. Von Fegeschäden, welche besonders in den ersten Kulturjahren für diese Mischbaumarten oft mit einem Totalausfall verbunden sind, wird in der Fachliteratur wenig berichtet.
Das Angebot an Schutzmittel gegen Verbiss und Fegeschäden ist vielfältig, der Kostenaufwand hierfür ist jedoch sehr hoch. Zaunschutz ist nicht nur aus Kostengründen sondern auch aus wildökologischer Sicht nicht sinnvoll.
Aus langjähriger Erfahrung möchte ich wirksame und kostengünstige Einzelschutzmaßnahmen gegen Verbiss und Fegeschäden für die Mischbaumarten Lärche, Tanne und Edellaubhölzer aufzeigen. Alle Schutzmaßnahmen wurden im eigenen inneralpinen Nadelwald in 1.100 m Seehöhe, Teil eines Gemeindejagdgebietes, erprobt, wobei Rehwild mit mindestens zehn Stück pro 100 Hektar die Hauptwildart darstellt. Rotwild hingegen kommt hier nur als Wechselwild vor.
Wildeinfluss
Voraussetzung für erfolgreiche Schutzmaßnahmen jeder Art in den Forstkulturen ist in erster Linie eine tragbare, dem Lebensraum angepasste Wilddichte. Die Jagd ist daher eine der wichtigsten waldbaulichen Tätigkeiten, damit eine standortsgemäße Naturverjüngung möglich ist und Maßnahmen wie die Anpflanzung der Forstkultur, ihr Schutz und ihre Pflege sinnvoll und letztendlich auch erfolgreich sein können.
Grundsätzlich braucht nur ein gewisser Anteil von Pflanzen der Mischbaumarten geschützt werden und zwar so viel, damit das Bestockungsziel des Mischwaldes zur Zeit der Hiebsreife erreicht werden kann.
Fegeschutz der Lärche
Nur ein starker Holzpflock
Ab dem zweiten Kulturjahr kann ein Teil gut angewachsener Lärchenpflanzen mit nur einem starken Holzpflock, am besten aus Lärche 25 x 40 mm und einer Länge von einem bis 1,30 m erfolgreich geschützt werden. Dabei ist zu beachten, dass der Holzpflock tief und fest im Boden verankert wird. In Hang und Steillagen ist der Pflock talseitig anzubringen, womit neben wirksameren Fegeschutz eventuell den Pflanzen auch Schutz gegen Schneeschub und Schneedruck gewährt werden kann.
Zwillingskultur von Fichte und Lärche
Ebenfalls nur an einem Teil von Lärchenpflanzen werden Fichten als schützende Pflanze gegen Fegeschäden mit der Lärche in ein gemeinsames Pflanzloch versetzt. Die Vitalität beider Pflanzen sollte etwa ausgeglichen sein, wie zum Beispiel vierjährig verschulte Fichtenpflanzen mit mindestens zweijährigen Lärchensämlingen. Im Zuge der Kulturpflege kann durch Köpfen der Fichte oder umgekehrt die wertvollere Pflanze gefördert werden. In Hanglagen sind die Fichtenpflanzen aus denselben Gründen wie die Lärchenpflöcke unbedingt talseitig anzubringen.
Fege- und Verbissschutz der Tanne
Ob im Unterbau oder auf Kahlflächen kann die Tanne zunächst wie die Lärche mit einem starken Lärchenpflock ab dem zweiten Kulturjahr gegen Fegeschäden geschützt werden. Ein noch besserer Schutz gegen Fege- und Verbissschäden kann erreicht werden, wenn um und über die junge Tanne mit Holzpflock eine kurze Stammschutzhülle (30 cm) als Manschette auf dem letzten Astquirl aufgesetzt wird. Nach jährlichem Höherstellen der Schutzhülle dieser Art sollte die Hülle nach Erreichen der Unterkante in etwa einem halben Meter über dem Erdboden so verbleiben, bis sie schließlich nach zehn bis 15 Jahren am dicken Stamm zerreißt und entsorgt werden kann.
Tannen werden im Sommer nicht, im Winter aber umso lieber verbissen. Verbissschutz zum Beispiel durch Verstreichen ist daher weiterhin so lange erforderlich, bis die Tanne dem Äser des Wildes entwachsen ist.
Fege- und Verbissschutz der Laubhölzer
Standortsgemäße Edellaubhölzer wie z. B. Bergahorn, Esche, Ulme und Vogelkirsche sind im Nadelwaldgebiet nicht nur eine ökologische Bereicherung, sie können in tieferen Lagen auch wertvolles Nutzholz liefern. Wegen ihres hohen Anspruches an Nährstoffe und Licht eignen sie sich hier besonders gut für die Waldrandgestaltung, wie entlang von Forststraßen.
Geschützter Bergahorn im vierten Kulturjahr
Heisterpflanzen von Laubhölzern, am besten in Größe von 1,50 m +, sind mit den herkömmlichen Monostammschutzhüllen leicht gegen jeglichen Wildeinfluss zu schützen: Ein starker Lärchenpflock, etwa 30 x 40 mm in Länge 1,80 m muss zunächst fest und tief im Boden verankert werden. Eine Schutzhülle, nach Bedarf in verschiedener Länge, für Rotwild 1,20 m lang, nach oben versetzbar, für Rehwild mindestens 30 cm lang, wird als Art Manschette um die Laubholzpflanze auf einem Nagel am Holzpflock angebracht. Damit Wind und Sturm die Hülle nicht auf- und abreißen, sollte diese mit einem Stück Draht oder einem dünnen Fichtenast befestigt werden. So geschützte Laubhölzer sind nicht nur gegen Wildeinfluss, sondern eventuell auch gegen Schneefall geschützt.
Entlang einer Forststraße sind die Laubhölzer leicht zu pflegen und gut zugänglich für eine Wertastung. So groß gewachsene Laubhölzer stabilisieren den Trauf des Nadelwaldes und bilden einen schönen Rahmen für ein buntes Waldbild.
Die Erfolgsquote dieser Einzelschutzmaßnahmen an Lärche, Tanne und Edellaubhölzern lag über 90 Prozent. Wegen des erforderlichen Schutzes an nur einem gewissen Anteil an Mischbaumarten ist diese Art der Einzelschutzmaßnahme auf Kahlflächen oder im Naturverjüngungsbetrieb nicht nur kostengünstigst, sondern gegenüber Zaunschutz aus wildökologischer Sicht besonders wildfreundlich für alle frei lebenden Tiere im Wald.





