Mit Holz gegen den Klimawandel

Artikel aus Ausgabe 1/2020

Der waldbasierte Sektor ist ein elementarer Wirtschaftsfaktor in Österreich. Gleichzeitig nimmt der Wald eine Schlüsselfunktion für die Speicherwirkung des klimaschädlichen Gases CO2 ein. Der Klimawandel ändert jedoch die Rahmenbedingungen.

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Ausgabe: 1/2020
Thema: Holznutzung & Holzverwendung, Klimaschutz
Bundesland: Österreich
Autor:in: Waldverband Österreich

Die Auswirkungen des globalen Klimawandels setzen dem Wald in Österreich zu und beeinflussen damit den Beitrag des Waldes zum Klimaschutz deutlich. Mit der zunehmenden durchschnittlichen Temperatur sinkt die Speicherkapazität, notwendige Anpassungsmaßnahmen beeinflussen wiederum wirtschaftliche Erträge aus dem Rohstoff Holz. Wenn dann zusätzlich weniger Holz als Ersatz für fossile Rohstoffe verwendet, bedeutet dies mehr Emissionen von fossilem Kohlenstoff in die Atmosphäre. Fazit: Die Treibhausgasbilanz des Waldes könnte zukünftig deutlich schlechter ausfallen.

Szenarien für die Zukunft

Im Projekt CareForParis (Bundesforschungszentrum für Wald (BFW), Universität für Bodenkultur (BOKU), Wood K plus und Umweltbundesamt) wurden die Auswirkungen von Klimawandel und Anpassung der Waldbewirtschaftung und Holznutzung in sechs Szenarien untersucht. Die Szenarien gehen dabei von unterschiedlichen Klimaveränderungen und Anpassungsstrategien für den österreichischen Wald aus und zeigen mögliche Entwicklungen bis ins Jahr 2150. Schwerpunkte des Projekts sind die Treibhausgasbilanz des Waldes, von Holzprodukten und die Vermeidung von Treibhausgas-Emissionen durch den Einsatz von Holzprodukten.

Wald ist nicht ewig Kohlenstoffsenke

Der österreichische Wald nimmt Kohlendioxid aus der Luft auf und speichert den Kohlenstoff im Holz. Dieser Kohlenstoff-Vorrat nimmt derzeit und in naher Zukunft zu und hilft beim Klimaschutz. Schaffen wir es jedoch nicht, die globale Erderwärmung wie im Pariser Klimaschutzabkommen beschlossen auf unter 2 Grad zu begrenzen, ist dieser Beitrag gefährdet, denn höhere Temperaturen und dadurch erforderliche Anpassungsmaßnahmen im Wald können die Senkenwirkung des Waldes und Holzsektors deutlich beeinflussen.

Laut BFW wird Österreichs Wald noch für die nächsten 30 bis 100 Jahre eine CO2-Senke darstellen, danach zeigen die Szenarien ein gegenteiliges Bild: Der Wald wird zur Kohlenstoffquelle. Wenn wir das Klimaziel von Paris erreichen wollen, muss daher die Vermeidung von Treibhausgasemissionen oberste Priorität haben.

In langlebige Holzprodukte investieren

Langlebige Holzprodukte stellen einen zusätzlichen Kohlenstoff-Speicher dar; ein zweiter Wald aus Holzprodukten. In den Szenarien zeigt sich, dass sich diese Speicherkapazität durch begrenzte Einsatzmöglichkeiten, begrenzte Produktlebensdauer und begrenztes Rohstoffangebot sukzessive verringert. Denn mit der Klimakrise verändert sich auch das heimische Waldbild und damit auch die ökonomischen Rahmenbedingungen der Forst- und Holzwirtschaft. Der Trend geht bereits jetzt hin zu Mischbeständen und vermehrtem Laubholz.

In den Szenarien wurden die Fortführung dieser Entwicklung und andere Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel simuliert. Für die künftige Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Holzbranche sind Anpassungen an diese Entwicklung z.B. die Verarbeitung von Laubholz und die Entwicklung von neuen innovativen Holzprodukten erforderlich. Für die Nutzung der sich verändernden Holzarten werden neue durchschlagende Technologien gebraucht.

Fossile Rohstoffe durch Holz ersetzen

Verwendet man Holzprodukte, können Emissionen vermieden werden, da Holzprodukte einen kleineren Kohlenstoff-Fußabdruck aufweisen als andere Rohstoffe. Dies ist über den gesamten Simulationszeitraum 2020 bis 2150 ein dauerhaft positiver Effekt auf die Treibhausgas-Bilanz. Auch dann, wenn der Wald zur Emissionsquelle werden sollte und sich auch der Kohlenstoff-Fußabdruck von Ersatzprodukten durch dekarbonisiertes Wirtschaften verringert.

Damit leistet die Holzverwendung einen enorm wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Die Speichereffekte durch Holzverwendung können selbst im Szenario mit moderater Erwärmung bis zum Doppelten der Waldsenke betragen. Wird hingegen weniger Holz genutzt, stellt der Wald zwar für einen beschränkten Zeitraum eine stärkere CO2-Senke dar, die gesamte Bilanz fällt allerdings schlechter aus, weil als Ersatz weitgehend fossile Rohstoffe verwendet werden müssen. Für die Dekarbonisierung ist Holz ein unverzichtbarer Rohstoff. Einig sind sich die Forscherinnen und Forscher aus allen beteiligten Institutionen, dass die Einhaltung einer globalen Temperaturerhöhung auf unter 2 Grad die entscheidende Anpassungsmaßnahme ist, um den Beitrag des Waldes gegen die Klimakrise managen zu können.

Wussten Sie?

  • Holzprodukte haben zumeist einen geringeren CO2-Fußabdruck als Ersatzprodukte
  • 1 m3 Nadelholz enthält ein Äquivalent von 700 kg CO2, das entspricht einer 2.800 km Fahrt mit dem PKW
  • In Österreichs Wald wächst alle 1,3 Sekunden 1 m3 Nadelholz nach
  • 1 m³ Holzträger vermeidet 200 kg THG-Emission eines Stahlträgers.

Take-home Messages aus den CareForParis Ergebnissen

  • Um die Klimaziele von Paris zu erreichen, haben die Vermeidung und Reduktion von Treibhausgasemissionen die oberste Priorität, unabhängig von den Leistungen des waldbasierten Sektors.
  • Stärkerer Klimawandel und erforderliche Anpassungen im Wald können die Treibhausgasbilanz des Waldes verschlechtern und die ökonomischen Rahmenbedingungen des waldbasierten Sektors verändern.
  • Der österreichische Wald hat je nach Bewirtschaftungsszenario für 30 – 100 Jahre eine CO2-Senkenwirkung und diese ist somit zeitlich begrenzt.
  • Eine verringerte Holznutzung führt zu höheren Emissionen von fossilem Kohlenstoff.
  • Der größte Hebel für den Klimaschutz ist der Ersatz fossiler Rohstoffe durch Holzprodukte und die damit vermiedenen Emissionen.
  • Stakeholdermeinungen decken sich mit den Ergebnissen z.B.: Anreizmaßnahmen zu vermehrtem Holzeinsatz im Bau, Unterstützung der WaldbesitzerInnen bei der Klimawandel angepassten Bewirtschaftung.

Kontakte

Bundesforschungszentrum für Wald
Christian Lackner
E-Mail: christian.lackner@bfw.gv.at
www.bfw.ac.at

Umweltbundesamt
Mag. Ingeborg Zechmann
E-Mail: ingeborg.zechmann@
umweltbundesamt.at
www.umweltbundesamt.at

Universität für Bodenkultur, Institut für Marketing und Innovation
Ao.Univ.Prof. DI Dr. Peter Schwarzbauer
E-Mail: peter.schwarzbauer@boku.ac.at
www.boku.ac.at

Wood K plus – Kompetenzzentrum Holz GmbH
Franziska Hesser
E-Mail: f.hesser@wood-kplus.at
www.wood-kplus.at

Ein nachhaltig bewirtschafteter Wald ist klimaneutral und schafft Wertschöpfung in der Region – Importe fossiler Energieträger heizen das Klima durch einen nicht kompensierten CO2-Ausstoß immer weiter an.

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