Was hat Dich nach der abgeschlossenen landwirtschaftlichen Berufsausbildung noch bewogen, die Försterschule zu absolvieren?
Haselwander Innerhalb der Facharbeiterausbildung lernte ich im Pflichtpraktikum, welches auf einem Bergbauernbetrieb in der Hochsteiermark absolviert wurde. Dort sammelte ich die ersten Praxiseindrücke aus der Waldbewirtschaftung. Der Wunsch mein Wissen über die Forstwirtschaft zu erweitern war der Auslöser, nach meinem Abschluss, in den zweiten Jahrgang der Forstschule einzusteigen.
Der Beruf des Försters galt lange Zeit als eine Männerdomäne. Wie siehst Du als Frau dieses Berufsbild heute?
Haselwander Zu meiner Zeit in der Försterschule befanden sich bereits in jedem Jahrgang einige Mädchen, die sich für die forstliche Ausbildung entschlossen hatten. Im Laufe meines Berufsweges begegnen mir bis heute immer mehr Frauen in den verschiedensten forstlichen Sparten. Aus meiner Sicht ist ein kollegiales Miteinander, ohne Differenzierung die Basis für eine erfolgreiche Arbeit.
Welche Berufserfahrungen konntest Du bisher in deiner Laufbahn sammeln und in welchen Bereichen der Forstwirtschaft warst du tätig?
Haselwander Die erste Station führte mich zu einer Agrargemeinschaft in der Steiermark, wo ich mit Erhebungen zur Forsteinrichtung beauftragt war.
Nach etwa eineinhalb Jahren wurde ich von einem Forstbetrieb ins Burgenland geholt. Der Aufgabenbereich im Betrieb umfasste die Materialbuchhaltung und Logistik. Die Berufserfahrungen in diesem forstlichen Wirtschaftsbetrieb haben mein Berufsbild bis heute geprägt. Ein weiterer Meilenstein in meinem forstlichen Werdegang war die Zeit an einer forstlichen Ausbildungsstätte als Fachreferentin für die verschiedensten Bereiche des Holzverkaufes bis hin zur Forsteinrichtung. Nach dreieinhalb Jahren wechselte ich zu meinem derzeitigen Arbeitgeber, der Burgenländischen Waldverband GmbH, wo ich in den verschiedensten Bereichen, von der Beratung bis zur gemeinschaftlichen Holzvermarktung und Abrechnung tätig bin.
Was ist Dir in Deiner jetzigen Tätigkeit besonders wichtig? Wo siehst Du die größte Herausforderung im heutigen Berufsalltag?
Haselwander Das Burgenland ist geprägt von einer Kleinstwaldbesitzstruktur, die in ihrer Individualität entsprechende Beratung und Betreuung benötigt. Wichtig ist die fachlich kompetente Unterstützung der Waldbesitzer bei der Umsetzung von Pflege- und Bewirtschaftungseinsätzen. Die größte Herausforderung besteht wohl darin, auch den Burgenländischen Kleinstwald klimafit für kommende Generationen zu machen.
Was verstehst Du unter klimafittem Wald für kommende Generationen beziehungsweise wie sieht der Weg dorthin aus?
Haselwander Grundsätzlich muss mit den vorhandenen Beständen und Baumarten gearbeitet werden. Die sukzessive Umwandlung hin zu einem klimafitten Wald, bedarf längerer Planungszeiträume mit zielgerichteten Bewirtschaftungskonzepten. Sich stets ändernde Rahmenbedingungen, bedingt durch Klimawandel, Holzmarkt oder marktbeeinflussende Krisen erfordern flexible und laufende Adaptierung dieser Konzepte. Der Weg zum klimafitten Wald kann nur gemeinsam mit allen in der Wertschöpfungskette Wald und Holz gemeistert werden. Die vordringlichste Aufgabe für den Waldverband dabei ist durch zeitgemäße Öffentlichkeitsarbeit die Vielzahl der Kleinwaldbesitzer zu erreichen und mit auf den Weg zu nehmen.
Vielen Dank für das Gespräch!
“Der Weg zum klimafitten Wald kann nur gemeinsam mit allen in der Wertschöpfungskette Wald und Holz gemeistert werden.”
Elisabeth Haselwander


