“Das eigene Holz und der persönliche Arbeitseinsatz schaffen einen besonderen Bezug zur neuen Hofstelle.”
Ing. Christian Schmoliner
Vor allem bei Investitionen an landwirtschaftlichen Gebäuden stellt sich nach Prüfung der alten, vorhandenen Bausubstanz oft die Frage: Umbau oder Neubau? Die Entscheidung ist dabei häufig von zwei Kriterien abhängig. Einerseits sind die gegenwärtigen und zukünftigen betrieblichen Ansprüche an das Gebäude zu prüfen und andererseits die zu erwartenden Kosten einer Renovierung mit jenen eines Neubaus zu vergleichen.
Der Geschäftsführer des Waldverbandes Kärnten, Christian Schmoliner, stand vor wenigen Jahren bei der Neugestaltung seiner Hofstelle genau vor diesen Überlegungen. Anlass war eine plötzliche Verschiebung der Grundmauern des alten Stalles und der damit verbundene Handlungszwang. Mehrere fachmännische Begutachtungen und die familiäre Entscheidung, den Betrieb auch zukünftig aufrechtzuerhalten, führten zum Entschluss, die alten Mauern abzureißen und zwei neue Gebäude aus Rundholz zu errichten.
Warum Rundholz?
Sowohl wirtschaftliche, als auch ökologische Überlegungen sprachen für die Verwendung von Rundholz. Neben der höheren Wertschöpfung durch die Verbauung des eigenen Rohstoffes sind nach der Entrindung und dem Zuschnitt der Bauteile keine weiteren Verarbeitungsstufen mehr notwendig. Zudem kann bei der Arbeitsvorbereitung und beim Bau sehr viel Eigenleistung eingebracht werden. Auch der Werkzeugbedarf ist überaus gering. Langfristig betrachtet sind auch der Abriss und die Entsorgung des Gebäudes nach Ende der Nutzungszeit wirtschaftlich und ökologisch nicht außer Acht zu lassen. Beim alten Stallgebäude betrugen die Kosten dafür etwa ein Drittel der Investitionskosten für das neue Projekt! Rundholz ist in diesem Zusammenhang leicht demontierbar, unter Umständen wiederzuverwenden, weiterzuverarbeiten oder als Heizmaterial zu verwerten. Ein Rundholzbau fügt sich darüber hinaus optimal in das Landschaftsbild ein.
Vorgehensweise und Arbeitsschritte
Die grundsätzliche Herausforderung beim Bau mit Rundholz war die Suche nach einem erfahrenen Baumeister. Der Waldbauer und WWG Obmann aus dem oberen Lavanttal Erich Hainzl, der in der Region schon zahlreiche Stallbauten errichtet hat, ist einer davon. Mit ihm und einer regionalen Zimmerei wurde das Bauprojekt in Angriff genommen.
Die formalen Vorbereitungen (Einreichung des Bauplanes, Bauverhandlung, Erhalt des Baubescheides) waren bis zum Herbst erledigt und so konnte das für den Bau benötigte Rundholz im Winter geschlägert werden. Anhand eines Holzauszuges wurden dann die erforderlichen Sortimente ausgeformt. Zopfstärke, Länge und Stückzahl waren die drei Parameter, auf die es zu achten galt. Durch das Abhaken der erzeugten Stücke auf einer mitgeführten Liste produzierte man so Stück für Stück. Anschließend wurde das Holz entrindet und zum Trocknen gelagert.
Nach Abschluss der Betonarbeiten für das Fundament und den Gebäude- Unterbau begann das „Abrichten“ des Rundholzes. Die einzelnen Rundholzstämme wurden vom Lager genommen, entsprechend ihrer Verwendung erstmals bearbeitet, beschriftet, nummeriert und sortiert gelagert. Am Lagerplatz selbst wurden nur jene Stücke fertig bearbeitet, deren spätere bauliche Verwendung örtlich nicht eindeutig vorgegeben war. Alle anderen Teile wurden erst auf die Baustelle geliefert, beginnend bei den Säulen, über Pfetten bis zu den Sparren und dann laut Plan individuell vorbereitet.
Als Werkzeuge waren dafür nur eine Motorsäge mit Fräse, Schragen für das Abrichten, Messkluppe, Wasserwaage, Maßband, Bohrschrauber und etwaige Schraubschlüssel erforderlich. Zum Heben der Sortimente am Lagerplatz kam der eigene Frontlader mit einer Chokerschlinge zum Einsatz.
Zeitaufwand und Materialeinsatz
Die Errichtung des Wirtschaftsgebäudes mit einem Grundriss vom 20 x 15 Metern und einer Firsthöhe von 6,5 Metern sowie eines Pferdestalls mit 15 x 6 Metern Grundfläche und der Höhe von 6 Metern erfolgten in insgesamt 13 Tagen. Davon wurden die Vorbereitungsarbeiten am Lagerplatz zu zweit in zehn Tagen erledigt und der Aufbau durch drei Zimmerleute erforderte drei Arbeitstage.
Verbaut wurden insgesamt 54 Festmeter Fichtenrundholz für die Grundkonstruktion, 400 Quadratmeter Lärchenschalung und 540 Quadratmeter Dachziegel. Die Gesamtkosten des Projektes betrugen inklusive Abriss und Entsorgung des alten Gebäudes (ca. 1/3 der Kosten) ca. 140.000 €. Bis auf die Beton- und Zimmermannsarbeiten wurde die Arbeit in Eigenregie durchgeführt.
Die neue Hofstelle von Christian Schmoliner ist ein überaus gelungenes Vorzeigeprojekt für die sinnvolle Verwendung des eigenen Rundholzes. Durch den „persönlichen Baustoff“ und die umfangreichen Eigenleistungen bei der Errichtung hat die gesamte Familie auch einen besonderen, emotionalen Bezug zu den neuen Wirtschaftsgebäuden.
Fakten & Details
Rundholzbedarf: 54 Festmeter
Dimensionen: Mittendurchmesser von 10 cm bis 36 cm, Längen von 3 m bis 10,50 m
358 Einzelstücke für die Rahmenkonstruktion (Säulen bis Sparren)
Bauzeit: Juni bis Oktober 2016
Arbeitsstunden gesamt 500 Mannstunden (inkl. Eigenleistung)
• 64 Std. Holzernte
• 200 Std. Bauholzvorbereitung /„Holzabrichten“
• 220 Std. Aufbau
Kosten: 135.000 € gesamt
• 100.000 € Baukosten
• 35.000 € Abriss und Entsorgung
15 % Personalkosten
85 % Materialkosten
Abriss- und Entsorgungskosten darf man nicht unterschätzen.
Am Lagerplatz wurden die Stämme vorbearbeitet, beschriftet und sortiert.
Die Rundholzkonstruktionen wurden anschließend mit Lärchenbrettern verschalt.
Das fertige Stallgebäude passt auch optisch sehr gut ins Landschaftsbild.






