Was ist die Dachmarke “Jagd Österreich” und welche Vorteile soll sie für die Waldbesitzer bringen?
Schachenhofer Heutzutage machen sich moderne Organisationen Gedanken darüber, welches Bild sie verkörpern wollen und wie sie gesehen werden wollen. Auch die Jagdverbände in Österreich haben so einen Prozess vollzogen. Im Zuge der Definierung des Soll-Images wurde eine Markenbeschreibung entwickelt, mit dem Ziel, die Jagd stärker auf österreichischer und europäischer Ebene zu positionieren. Der Dachverband „Jagd Österreich“ hat nun die Aufgabe die Ziele der Dachmarke „Jagd Österreich“ umzusetzen.
Der Dachverband „Jagd Österreich“ ist ein aktiver Partner des Forst & Jagd – Dialoges. Dieser Dialog ist eine Plattform, die sich der schwierigen Aufgabe angenommen hat, die Wald – Wild – Frage auf der Fläche zu klären. In diesem Fall ist es besonders wichtig, diesen Dialog nicht auf einer emotionalen, sondern auf einer sachlichen Ebene zu führen, die wissenschaftlich unterstützt wird.
Diese Plattform hat schon einige Erfolge aufzuzeigen, wie z.B. Anpassungen der jagdrechtlichen Rahmenbestimmungen. Da dieser Dialog erst 2012 ins Leben gerufen wurde, muss man natürlich festhalten, dass die initiierten Maßnahmen, im Sinne der forstlichen Nachhaltigkeit, zeitversetzt in den nächsten Jahren sichtbar und spürbar werden.
Tanne, Eiche und Bergahorn werden in Zukunft für einen klimafitten Wald unabdingbar sein. Was kann der Dachverband „Jagd Österreich“ dazu beitragen, damit diese sensiblen Baumarten auch aufkommen?
Schachenhofer In den letzten Jahrzehnten ist die Land- und Forstwirtschaft generell einem starken Wandel unterzogen. Einer davon ist der Klimawandel. Er stellt nicht nur die Land- und Forstwirtschaft vor neue Herausforderungen, sondern trifft auch alle anderen Landbewirtschafter, auch die Jagdwirtschaft. Zu dichte Wälder, eine teils mangelnde Baumartenmischung und -verteilung machen der Forstwirtschaft zu schaffen, wenn da auch noch ein zu hoher Wilddruck dazu kommt, gerät die Verjüngung stark in Bedrängnis. Zusätzliche Störfaktoren anderer Landnutzer oder von invasiven Arten – das sind Tiere, die in unserer Wildbahn nicht einheimisch sind, und künftig auch vermehrt Wölfe, tragen ihr Weiteres dazu bei. Sie drängen unsere Schalenwildarten zunehmend in die Wälder und beeinträchtigen ihren Lebensraum. Vor allem im alpinen Raum kann das zusätzliche Probleme auslösen.
Da das Jagdrecht mit Grund und Boden verbunden ist, ist es umso wichtiger, dass Grundeigentümer und die örtliche Jägerschaft gemeinsam Lösungen finden, damit dieser Druck reduziert wird.
Eine Attraktivierung von Lebensräumen wie z.B. die Gestaltung der Waldränder als Schutz- und Deckungszonen für das Wild sind eine gute Maßnahme. Weiters gilt es die Wildbestände auf Problemflächen wie z.B. Verjüngungsflächen anzupassen. Nur lokal kann man aktiv und gemeinsam der Wald-Wild-Frage entgegenwirken.
Welche konkreten Aktivitäten setzt der Dachverband „Jagd Österreich“, damit das Bewusstsein für einen wildschadensfreien Wald an den Hochsitzen ankommt?
Schachenhofer Der Dachverband „Jagd Österreich“ gibt gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Österreich eine Informationsbroschüre zur „Vermeidung von Wildschäden im Wald durch Schalenwild“ heraus. Diese Broschüre ist eine Empfehlung für Jäger und Waldbesitzer. Nur mit dem nötigen Knowhow kann man sich zu einem sachlichen, fundierten Dialog auf der Fläche begegnen. Ziel ist es, dass man wildschadensanfällige Flächen erkennt und gegebenenfalls gemeinsam entschärft. Nur mit gegenseitigem Verständnis, mit gemeinsamer Aufklärungsarbeit und gemeinsamen Begehungen vor Ort, kann dann im besten Fall einer Verjüngung mit Tanne, Eiche oder Bergahorn in Zukunft nichts mehr im Wege stehen.
Diese Broschüre wurde flächendeckend aufgelegt und dient auch als Ausbildungsunterlage für die künftigen Generationen von Jägerinnen und Jägern (siehe Seite 26). Weiters werden zusätzlich alle Jungjägeranwärter, die in Jagdkursen betreut werden, über die Zielsetzungen der Dachmarke „Jagd Österreich“ und des Forst & Jagd – Dialoges anhand eines Informationsblattes geschult.
Herzlichen Dank für das Gespräch!
Weitere Informationen: www.jagd-oesterreich.at


