Gamechanger und Dreifaltigkeit

Artikel aus Ausgabe 3/2023

Die Holzbiomasse ist nicht nur CO2 neutral, es können beachtliche CO2 Mengen aus der fossilen Verbrennung ersetzt werden. Mit der Holzpyrolyse kann sogar CO2 aus der Atmosphäre in der anfallenden Pflanzenkohle langfristig entzogen werden.

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Ausgabe: 3/2023
Thema: Klimaschutz, Wald & Biomasse, Wald & Wissenschaft
Bundesland: Vorarlberg
Autor:in: DI Thomas Ölz

Damit wird die Holzbiomasse zum Teil der Lösung des Klimaproblems. Wärme, Strom und CO2 Bindung sind damit sozusagen die „Dreifaltigkeit“ der Holzbiomasse. Die Holzbiomasse kann, neben den anderen erneuerbaren Energieträgern, einen wichtigen Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz leisten. In Vorarlberg könnte der aktuelle Holzeinschlag von 330.000 Erntefestmeter pro Jahr um 50 Prozent auf knapp 500.000 Erntefestmeter erhöht werden. Und das nur bei der Nutzung des jährlich nachwachsenden Zuwachses, also ohne Abbau des vorhandenen hohen Vorrates.

Kein Biodiversitätsverlust – im Gegenteil!

Damit wird auch kein Biodiversitätsverlust ausgelöst, wie dies immer wieder von Naturschutzorganisationen suggeriert wird. Im Gegenteil – mit den in Vorarlberg praktizierten, naturnahen Eingriffen in die Waldbewirtschaftung wird damit sogar die vorhandene Biodiversität gefördert. Auch wird mit einer aktiven Waldbewirtschaftung die Bestandesstabilitäten und die Altersstruktur im Wald verbessert und die Waldverjüngung in unseren Schutzwäldern gefördert.

Mehr als zwei Drittel des zusätzlich möglichen Holzeinschlages können dabei langfristig in die stoffliche Nutzung gehen, wie beispielsweise den wohnbiologisch wertvollen Holzbau. Etwa ein Drittel kann im Holzenergiebereich verwendet werden. Zusammen mit der Restholznutzung aus der Holzverarbeitung ergeben sich bedeutende zusätzliche Energiepotenziale aus Holzbiomasse von etwa 335.000 Schüttraummeter pro Jahr. Das sind mit etwa 330 Gigawattstunden drei Mal so viel wie derzeit in Vorarlberg mit Photovoltaikanlagen erzeugt wird. Für die Nutzung dieser Potenziale ist es entscheidend, dass die Rentabilität in unseren aufwendigen Gebirgswaldnutzungen gegeben ist. Nur mit einer stärkeren Organisation und Unterstützung unserer ausgeprägten Kleinwaldbesitzerstruktur mit den vielen kleinen Waldparzellen kann dies gelingen.

Ein Großteil der energetisch genutzten Holzbiomasse geht derzeit „nur“ in die Wärmeversorgung. Mit der Pyrolysetechnik steht eine neue geniale Technik zur Verfügung, mit der neben Wärme auch Strom und über die Pflanzenkohle auch CO2 aus der Luft entzogen wird. Diese „Dreifaltigkeit“ kann und soll sowohl bei Neuanlagen aber auch bei bestehenden Anlagen vermehrt eingesetzt werden.

Was ist die Holzpyrolyse?

Bei der Pyrolyse wird bei hohen Temperaturen Holz ohne Sauerstoffzufuhr umgewandelt. Der Prozess benötigt anfangs eine Energiezufuhr, hat aber auch einen Temperaturbereich, in dem Energie frei wird. Diese Wärme kann als Fernwärme genutzt werden. Mit dem entstehenden Holzgas wird mit Hilfe eines Generators Strom erzeugt. Mit der im Prozess entstehenden Pflanzenkohle ist die langfristige CO2 Speicherung über mehrere tausend Jahre möglich. Da reden wir von langfristigem CO2 Entzug aus der Atmosphäre. Der Weltklimarat hat die beschriebene Pyrolysetechnik 2019 als eine Negativ-Emissionstechnologie (NETs) oder auch „Kohlenstoff-Senken“-Technik anerkannt.

Im guten Licht – klimaneutral

In medialen Berichterstattungen wird die Holzenergie immer wieder in ein „schlechtes“ Licht gerückt. Die grundsätzliche Klimaneutralität der Holzenergie möchten wir deshalb hier nochmals betonen. Es wird nicht mehr CO2 emittiert, als zuvor von der Biomasse aufgenommen wurde. Solange nachhaltig genutzt wird, bleibt diese Bilanz ausgeglichen. Da geht es nicht um Einzelbaumbetrachtungen, sondern um das gesamte Waldökosystem. Dazu kommt auch noch der Substitutionseffekt (Ersatz fossiler Energien), der einen weiteren CO2 Minderungseffekt bei der Holzenergie bringt. Mit den sehr geringen Anteilen an „grauer“ Energie, die für Bereitstellung benötigt werden, kann die Klimaneutralität der Holzenergie sicher nicht in Frage gestellt werden. Bei Heizöl oder Erdgas ist nicht nur die Energie selbst bereits ein sehr hoher CO2-Emittent, sondern auch die Bereitstellung und der Transport verursachen sehr hohe Emissionen.

Enorme Klimaschutzleistung

Neben der Speicherleistung im Wald wird durch die nachhaltige Holznutzung eine enorme CO2-Speicher- und Substitutionsleistung erzielt. Mit der derzeitigen Holznutzung in Vorarlberg liegt diese bereits bei 0,7 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Mit der Nutzung des nachhaltigen Zuwachses könnte dies um weitere 0,34 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr gesteigert werden. Zum Vergleich, der jährliche Gesamtausstoß in Vorarlberg liegt bei zwei Millionen Tonnen CO2-Äquivalente.

Erfolg auf EU Ebene

Der völlig unsinnige Vorschlag bei der Novellierung der Erneuerbaren Richtlinie der EU (RED III), dass Holzenergiebiomasse aus dem Wald nicht mehr als erneuerbare Energie anerkannt wird, konnte dank österreichischer Bemühungen in letzter Minute abgewendet werden. Das hätte den wichtigen Beitrag unserer nachhaltigen Waldbewirtschaftung zur Lösung der drängenden Klima- und Energiefragen zunichte gemacht.

„Holz als CO2-neutraler Energieträger liefert krisensichere Wärme aus der Region, bietet Wertschöpfung in der Region und leistet einen effektiven Beitrag zum Klimaschutz für die Region.“

Obmann Josef Moosbrugger
Präsident LK Vorarlberg und Österreich

Holzenergie ist in einer nachhaltigen Waldwirtschaft CO2 neutral. Solange noch sehr viele fossile klimaschädliche Energien verwendet, bringt die Holzenergie auch entsprechend große CO2 Minderungseffekte.

Andreas Scherer mit seinem technischen „Wunderwerk“ der Holzpyrolyse.

In einem kurzen Film wird auf klimakohlehoffnung.de erklärt, wie das CO2 aus der Luft in der Pflanzenkohle landet.

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