Für die letzte Aufnahmeperiode 2016 – 2018 wurden entsprechende Adaptierungen vorgenommen, um die Aussagekraft noch weiter zu verbessern. Baumarten- und stammzahlreiche Flächen werden nun öfters besser bewertet als mit der alten Methode, baumarten- und stammzahlarme Flächen können aufgrund des nun erhobenen mehrfachen Leittriebverbisses aber auch schlechter eingestuft werden als zuvor.
Die Änderung von Aufnahme- und Auswertemethode bedeutet eine Neubewertung, eine neue Einstufung des Wildeinflusses. Vergleicht man also einfach den dargestellten Zustand der Periode 4 mit dem der Periode 5, so wären die tatsächlich im Wald geschehenen Veränderungen überlagert von den „Veränderungen“, die sich aus der neuen Methode ergeben. Um diese Überlagerung zu bereinigen und die tatsächlich stattgefundenen Veränderungen darstellen zu können, wurden auf 1.555 Probeflächen in Tirol, Salzburg und der Steiermark in der Periode 5 die Erhebungen nach alter und neuer Methode gleichzeitig durchgeführt.
Auf diesen Vergleichsflächen lässt sich der Ergebnisunterschied, der sich aus der Methodenänderung ergibt, exakt ermitteln. Um diese methodische Veränderung auch auf allen nur nach der neuen Methode erhobenen Flächen bestimmen zu können, wurde aus den Ergebnissen der Vergleichsflächen eine Auswertungsvariante erstellt (in der Folge Brückenfunktion genannt), die aus den Daten der neuen Erhebung das Ergebnis der alten Erhebung bestmöglich nachvollzieht.
In stammzahlreichen wüchsigen Jugendflächen, vor allem im Laubwald, ist die Bereinigung des Methodensprunges nicht vollständig gelungen, weil jetzt gegenüber vorher immer die höchsten fünf Pflanzen jeder Baumart angesprochen wurden. Vor allem Burgenland, Niederösterreich und Wien sind davon betroffen, da hier die Laubwaldgesellschaften überwiegen.
Gründe für die Änderung der Erhebungsmethode
Vor allem zwei Punkte wurden durch die Evaluierung der Methode (Reimoser, Schodterer und Reimoser, 2014) als Schwächen erkannt: Probepflanzenauswahl und Verbissansprache. Durch die Vorgangsweise bei der Probepflanzenauswahl wurden vor allem Pflanzen der unteren Höhenklassen erfasst, die größeren Pflanzen der Baumart waren in der Erhebung unterrepräsentiert. Dadurch kam es sowohl zu Unter- als auch zu Überschätzungen des Wildeinflusses auf einzelnen Probeflächen. Die Verbissansprache des vorjährigen Leittriebes allein führte dazu, dass die Verbissprozente in einzelnen Jahren stark schwankten und unterschiedliche Witterung bzw. Schneesituation in den Wintern sich zu stark auf die Ergebnisse auswirkten.
Beim WEM ab 2016 werden von jeder Art die fünf höchsten und dem Probeflächenmittelpunkt nächsten Exemplare einer Art ausgewählt und beschrieben, sofern sie „Hauptpflanzen“ sind, das heißt, sie müssen gegenüber ihren Artgenossen herrschend oder vorherrschend sein. Es werden also auf jeden Fall die Oberhöhenstämmchen beschrieben, die für die weitere Bestandesentwicklung entscheidend sind. Für jede Probepflanze wird Höhenklasse, Schutz, aktueller Leittriebverbiss, vorjähriger Leittriebverbiss, mehrjähriger Leittriebverbiss, Seitentriebverbiss, Fegeschäden und sonstige Schädigungen der letzten drei Jahre aufgenommen.
Für jede Baumart wird außerdem die Stammzahl der Hauptpflanzen bestimmt (beginnend bei den größten Pflanzen bis 30 Stück gezählt, darüber, vor allem bei den kleinen Pflanzen in Klassen angeschätzt). Die höheren Pflanzen jeder Baumart werden also jetzt auf jeden Fall erfasst. Der Verbiss wird nun an den Oberhöhenbäumchen jeder Baumart beurteilt, und zwar wesentlich detaillierter als bisher. Durch die Erhebung des mehrjährigen Leittriebverbisses werden sowohl extrem starker Verbiss, als auch Verbesserungen des Wildeinflusses besser abgebildet und jährliche Schwankungen besser ausgeglichen.
Wildeinfluss als Österreichkarte
Die Österreichkarte 2016 – 2018 (siehe Seite 24) zeigt das mittlere Wildeinflussniveau der einzelnen Bezirke in vier Stufen und ergibt sich aus der durchschnittlichen Bewertung der WEM-Probepunkte in einem Bezirk. Liegt dieser Wert zwischen 1,0 – 1,5, wird der Bezirk in der Karte grün dargestellt, zwischen 1,51 – 2,0 hellgelb zwischen 2,01 – 2,5 dunkelgelb und zwischen 2,51 – 3,0 orange. Ein Wert zwischen 1,00 und 1,5 bedeutet, dass die Mehrheit der Flächen mit 1 (kein oder geringer Wildeinfluss) bewertet wurden, ein Wert zwischen 2.51 und 3,00 bedeutet bei der Mehrheit der Flächen die Bewertung 3 (starker Wildeinfluss). Die Karte zeigt für Niederösterreich die aktuelle Bezirkseinteilung ohne „Wien Umgebung“, ansonsten wurde die alte Bezirkseinteilung beibehalten.
Die um die „methodische Veränderung“ bereinigte Veränderung des mittleren Wildeinflusses zum Mittelwert der Vorperioden ist durch die Pfeile in jedem Bezirk dargestellt. Rote Pfeile bedeuten eine Zunahme der Flächen mit stärkerem Wildeinfluss und damit eine Verschlechterung, grüne Pfeile zeigen eine Verbesserung. Wie viele Flächen sich verändert haben, ist durch die Pfeilgröße angedeutet.
Anwendbarkeit für die Praxis
Die WEM-Ergebnisse liefern einen Überblick für die durchschnittliche Situation in den Bezirken. Der Praktiker kann anhand der Bezirksauswertung beurteilen, ob der Zustand der Verjüngung im eigenen Forstrevier oder Jagdgebiet von diesem Durchschnitt positiv oder negativ abweicht, welche Baumarten über 1,3 m oder über 2 m Höhe noch mit ausreichendem Anteil vorhanden sind.
Linktipp
Detailergebnisse 2016-2018 für Bund und Länder: www.wildeinflussmonitoring.at.
Fakten & Details
Wir leben zweifellos im Erdölzeitalter. Unser Wirtschaftssystem ist in hohem Maß von diesem fossilen Rohstoff abhängig. Aus ihm werden Treibstoffe aber auch Grundstoffe für die Chemieund Pharmaindustrie hergestellt. Da eine Welt ohne Kunststoffe kaum noch vorstellbar ist, Öl aber bald nicht mehr verfügbar sein wird, wird seit einiger Zeit an Alternativen gearbeitet. Biomasse wird in Zukunft der Rohstoff sein, der die Welt zusammenhält. Dazu gibt es neue Begriffe:
- Die Bioökonomie ist ein Wirtschaftssystem, das ohne fossile Rohstoffe auskommt. Bioökonomie ist die wissensbasierte Erzeugung und Nutzung biologischer Ressourcen, um Produkte, Verfahren und Dienstleistungen in allen wirtschaftlichen Sektoren im Rahmen eines zukunftsfähigen Wirtschaftssystems bereitzustellen.
- Die Biotechnologie ist eine interdisziplinäre Wissenschaft, die sich mit der Nutzung von Enzymen, Zellen und ganzen Organismen in technischen Anwendungen beschäftigt. Ziele sind unter anderem die Entwicklung neuer oder effizienterer Verfahren zur Herstellung chemischer Verbindungen und von Diagnosemethoden. Die Grundlage bilden chemische Reaktionen, die von freien oder in Zellen vorliegenden Enzymen katalysiert werden.
- Die Bioraffinerie verarbeitet verschiedene Produkte (z.B. Xylit-Zucker, Viskose, Terpentin, Tallöl etc.). Das sind zum einen stoffliche Produkte, wie Nahrungs- und Futtermittel, sowie Grund- und Feinchemikalien für die chemische Industrie. Die Produkte werden aus dem Rohstoff isoliert oder durch verschiedene chemische Verfahren aus diesem erzeugt. Zum anderen kann das Produkt Energie in Form von Kraftstoffen, Strom oder Wärme sein.
Bundesweites Wildeinflussmonitoring 2016 – 2018 Die detaillierten Ergebnisse können in der Publikation „BFW-Praxisinformation“ Nr. 48 nachgelesen werden. Die Broschüre steht unter https://bfw.ac.at/ zum Download bereit.



