Der Wald im Jahreskreis: Das Frühjahr

Artikel aus Ausgabe 2/2026

Die Tage werden länger, der Boden wird wärmer, der Wald kommt in Bewegung. Austrieb und Wachstum setzen ein, Naturverjüngung kommt auf, Konkurrenzvegetation entwickelt sich, Schäden werden erkennbar. Der Frühling ist damit jene Phase in der sich entscheidet, welche jungen Bäume im Bestand tatsächlich weiterkommen.

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Ausgabe: 2/2026
Thema: Wald & Wissenschaft
Bundesland: Österreich
Autor:in: Lisa Münzer

In dieser vierteiligen Serie steht je Ausgabe eine Jahreszeit im Fokus. Nach dem Winter geht es nun um das Frühjahr. Wer vorausschauend bewirtschaftet, nutzt diese Monate, um Verjüngung zu beurteilen, Aufforstungen und Nachbesserungen dort umzusetzen, wo sie nötig sind und junge Bestände rechtzeitig zu unterstützen.

Frühlingsarbeit
Im Frühling zeigt der Wald nicht nur neues Leben, sondern auch, wo Jungwuchs gut anwächst und wo er stockt. Keimlinge, Jungwuchs und Austrieb machen sichtbar, welche Baumarten sich durchsetzen, wie Standort, Licht- und Wasserverhältnisse zusammenwirken und wo Wildschäden oder Konkurrenzvegetation zum Problem werden.
Während der Winter vor allem Struktur, Stabilität und Eingriffsmöglichkeiten ermöglicht, rückt im Frühjahr die nächste Waldgeneration ins Zen-trum. Kommt Naturverjüngung flächig oder nur punktuell auf? Wo reicht sie aus – und wo braucht es Aufforstung oder Nachbesserung? Wachsen Mischbaumarten mit oder fallen sie zurück? Finden junge Pflanzen jene Bedingungen vor, die sie jetzt brauchen?
Für Waldbewirtschafter:innen ist das Frühjahr die Zeit des gezielten Nachsteuerns. Wer kritische Punkte früh erkennt, kann mit überschaubaren Eingriffen viel bewirken. Vier Schritte helfen dabei, dieses Zeitfenster konsequent zu nutzen.

1. Verjüngung sichern und ergänzen
Im Frühjahr lässt sich gut beurteilen, wie tragfähig die Verjüngung ist. Zu sehen ist, welche Pflanzen vital austreiben und wo Lücken, Ausfälle oder Ungleichgewichte entstehen. Entscheidend ist dabei nicht nur, ob genügend Jungwuchs vorhanden ist, sondern ob die gewünschte Baumartenzusammensetzung überhaupt eine reale Aufwuchschance hat. Wo Naturverjüngung nicht ausreicht, ist das Frühjahr auch die Zeit für Aufforstung oder Ergänzungspflanzung. Gerade im Waldumbau geht es oft darum, fehlende Mischbaumarten gezielt einzubringen.
Wichtig ist, nicht nur auf die Menge zu achten. Erst wenn Mischung, Verteilung und Entwicklungschancen zusammenpassen, entsteht ein vitaler Bestand. Gerade bei Aufforstungen geht es um die standortgeeignete und genetisch passende Herkunft des Pflanzmaterials. Frisch gesetzte Pflanzen brauchen auch gute Anwuchsbedingungen: saubere Pflanzung, guten Bodenschluss, möglichst wenig Konkurrenz und – je nach Fläche – rechtzeitigen Verbissschutz.

2. Wilddruck ernst nehmen
Frischer Austrieb macht den Wildeinfluss gut erkennbar. Verbiss an Leittrieben, beschädigte Knospen oder Fegeschäden fallen jetzt deutlicher auf als in anderen Jahreszeiten. Der Austrieb zeigt, welche Baumarten besonders unter Druck geraten. Besonders begehrte Arten können aus der Verjüngung zurückgedrängt werden oder ganz verschwinden.
Wichtig ist nicht nur, Schäden festzustellen, sondern ihre Wirkung auf die Mischung zu bewerten. Es geht um die Frage, ob sich die gewünschten Baumarten unter den gegebenen Bedingungen überhaupt entwickeln können. Werden bestimmte Arten immer wieder zurückgesetzt, während andere ungestört wachsen, verschiebt sich die Mischung oft schleichend, aber nachhaltig. Für viele Flächen ist das auch der richtige Zeitpunkt, um Beobachtungen mit Jagdpartner:innen oder Nachbar:innen abzugleichen.

3. Konkurrenz gezielt regulieren
Mit zunehmender Wärme und Feuchtigkeit entwickelt sich auch die Konkurrenzvegetation rasch. Brombeere, Gras, Farn oder Sträucher können junge Bäume innerhalb kurzer Zeit bedrängen oder überwachsen. Der Frühling ist deshalb die Phase, in der Problemstellen früh erkannt und priorisiert werden sollten. Entscheidend ist eine maßvolle, standortgerechte Regulierung. Nicht jede Begleitvegetation ist problematisch, und nicht jede offene Fläche ist günstig. Es geht darum, jene Bereiche zu erkennen, in denen die gewünschte Verjüngung ernsthaft unter Druck gerät. Gerade dort können kleine, gezielte Eingriffe viel bewirken.
Wichtig ist auch, den Sommer mitzudenken. Deshalb geht es nicht um ein möglichst starkes Öffnen, sondern um Balance: genug Freiraum für den Jungwuchs, aber nicht so viel, dass Hitze und Konkurrenz zusätzlich verstärkt werden. Gerade auf trockenen, seichten oder stark exponierten Standorten lohnt sich dabei ein besonders genauer Blick.

4. Forstschutz und Weiterentwicklung
Im Frühjahr fällt auch der Forstschutz wieder stärker ins Gewicht. Überwinternde Borkenkäfer starten ihren Schwärmflug – liegen gebliebenes Schadholz, verletzte Bäume oder bruttaugliches Material sollten deshalb jetzt kontrolliert und rasch aufgearbeitet werden. Wer hier zu spät reagiert, schafft Probleme, die sich im weiteren Jahresverlauf rasch verstärken können.
Parallel dazu ist das Frühjahr ein gutes Zeitfenster, um junge Bestände weiterzuentwickeln. Ziel ist nicht bloßes Aufräumen, sondern Entwicklungsarbeit: Mischbaumarten bewusst erhalten und fördern, stabile Träger entlasten und jene Individuen stärken, die den Bestand künftig prägen sollen.
Wer früh pflegt, reduziert spätere Korrekturen und verbessert die Ausgangslage für die kommenden Jahre. Frisch gesetzte Pflanzen brauchen in dieser Phase besondere Aufmerksamkeit. Wer Aufwuchs, Wildeinfluss, Konkurrenz und Forstschutz jetzt konsequent im Blick behält, schafft die Grundlage dafür, dass sich aus jungem Anflug und Forstpflanzen ein tragfähiger Bestand entwickeln kann.

Fortsetzung in der
Ausgabe 3/2026 mit dem Artikel
“Der Wald im Jahreskreis: Der Sommer”

Die Frühjahrs-Jungwuchspflege im Wald dient der Regulierung von Baumartenmischung, Vitalität und Stabilität.

Waldbestände sind regelmäßig auf Borkenkäferbefall zu kontrollieren.

Waldwissen am Rande

Der Frühling ist der Startpunkt des Waldjahres und zugleich eine besonders sensible Entwicklungsphase. Für den Austrieb greifen Bäume nun auf Reserven; die Knospen dafür wurden bereits im Vorjahr angelegt. Deshalb zeigt sich jetzt, wie gut sie durch den Winter gekommen sind und welchem Stress sie im vergangenen Sommer ausgesetzt waren. Gleichzeitig wird der Wald wieder lebendig, Brut, Setzen und Aufzucht machen Rückzugsräume besonders wichtig. Aber nicht jede Aktivität ist positiv zu bewerten – auch Borkenkäfer und andere Schädlinge werden wieder aktiv. Für die Bewirtschaftung heißt das: Im Frühjahr treffen Bestandsentwicklung, Lebensraumfunktion und Forstschutz unmittelbar aufeinander – jetzt geht es um jene Resilienz, die im Wald der Zukunft entscheidend sein wird.

7 Checks im Frühjahr

…. mit wenig Aufwand und viel Ergebnis.

  • Maßnahmen: Flächen festlegen, die vor dem Sommer gezielte Pflege oder Nachbesserungen brauchen.
  • Schadholz: befallenes oder fängisches Material vor der Käfersaison aufarbeiten und abführen.
  • Naturverjüngung: Verteilung, Dichte, Mischung und Aufwuchschancen prüfen.
  • Aufforstung: Anwuchs kontrollieren, Ausfälle feststellen und Nachbesserungen vorbereiten.
  • Pflanzgut: standortgeeignete und genetisch passende Herkünfte verwenden.
  • Wildschäden: Verbiss, Fegeschäden und andere Schäden an Jungbäumen kontrollieren.
  • Konkurrenzvegetation: Brombeere, Gras, Farn, Sträucher usw. rechtzeitig regulieren.
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