Wenn sich der Einsatz von Großmaschinen nicht lohnt und neben der Arbeit in der Landwirtschaft Zeit vorhanden ist, ist es naheliegend, das Schadholz selbst mit Motorsäge und Seilwinde aufzuarbeiten. Aber Achtung! Die Fällung eines Käferbaumes kann zu gefährlichen Situationen führen. Richtige Planung und Organisation sind entscheidend für ein unfallfreies Gelingen dieser risikoreichen Arbeit. Ausbildung, Persönliche Schutzausrüstung, genügend Hilfsmittel für die Fällung und Routine sind eine solide Basis für die Ausführung der Arbeit.
Stress schwächt!
Stress schwächt nicht nur den Baum, sondern erhöht auch die Fehlerquote beim Menschen.
Extremwetterereignisse – auch Trockenheit – führen zu einer Schwächung von Bäumen. Diese werden anfällig für Schädlinge, die dann beste Bedingungen für ihre Vermehrung vorfinden. Trockenheit und Wärme begünstigen die Entwicklung von Borkenkäfern und führen zu einem unkontrollierten Anwachsen der Population. Alle paar Wochen schwärmt dann eine neue Käfergeneration aus. Ohne Stress wären die Bäume resistenter und könnten sich vielfach selbst gegen die Invasion durch die Käfer wehren. Um diese Entwicklung zu durchbrechen, müssen befallene Bäume rasch entnommen und vor dem Ausfliegen der Jungkäfer aus dem Wald transportiert werden.
Vom Erkennen eines käferbefallenen Baumes über die Entscheidung wie viele Bäume entnommen werden bis hin zum Abtransport bleibt dem Waldbesitzer also nur wenig Zeit. Auch Forstunternehmer, Holzfrächter und Sägewerker geraten durch das folgende Holzüberangebot unter Druck. Dies erhöht die Häufigkeit von menschlich bedingten Fehlern. Mehrere Fehler führen in der Folge zu einer höheren Unfallwahrscheinlichkeit. Je stärker der Stress empfunden wird, desto durchdachter müssen Planung, Organisation und Arbeitsausführung erfolgen. Denn nichts ist fataler als ein schwerer Unfall mit Personenschaden.
Baumfällung gut vorbereiten
Befallene Bäume mit grüner Krone verhalten sich bei der Fällung wie gesunde. Das sollte erfahrenen Waldarbeitern kein Problem bereiten. Deutlich anders verhalten sich Bäume mit trockener Krone. Durch das geringe Gewicht im Wipfelbereich liegt der Schwerpunkt viel tiefer. Der Stamm neigt sich beim Keilen schon weit nach vorne, doch er kann sich nicht entschließen zu fallen. Bewegt er sich dann endlich in die gewünschte Fallrichtung, reicht ein Ast aus dem Nebenbestand und er “hängt“. Es folgt eine Prozedur, die dem Motorsägenführer nervlich viel abverlangt. Genau in solchen Situationen kommt es vielfach zu unüberlegten Handlungen, die oft schwere Unfälle nach sich ziehen.
Um dem Baumstamm den nötigen Kick zum Fallen zu geben, sind folgende Punkte zu beachten:
- Die Fallkerbtiefe darf nicht mehr als 1/4 des Stockdurchmessers betragen, wobei die Wurzelanläufe nicht zum Stockdurchmesser zählen. Je kleiner der Fallkerb, desto länger kann der Fällschnitt angelegt werden. Ein längerer Fällschnitt bewirkt eine bessere Hebelwirkung der Fällhilfe und somit ein schnelleres Kippen des Baumes.
- Die Bruchleiste darf bei trockenen Stämmen auch nur ein knappes Zehntel des Stockdurchmessers betragen. Der Baum muss dazu annähernd gerade stehen und darf im Bereich der Bruchleiste keine Fäule oder Bräune aufweisen. Ist die Holzfestigkeit im Bereich der Bruchleiste beeinträchtigt, ist diese stärker auszuformen.
- Bei Durchmessern bis max. 30 cm stellen Fällheber eine sinnvolle Alternative zu Fällkeilen dar. Schon bei einer Einschubtiefe von 6 bis 8 cm kann der Baum sehr gut aufgehebelt und zu Fall gebracht werden.
- Bäume über 30 cm Durchmesser werden unter Verwendung von mindestens zwei Fällkeilen umgekeilt. Wie schon erwähnt benötigen wipfeltrockene Bäume etwas mehr Hub. Nachsetzkeile oder zum „Aufdoppeln“ geeignete Fällkeile müssen daher in ausreichender Anzahl mitgeführt werden und natürlich griffbereit sein.
- Schwerere Bäume können mit mechanischen oder hydraulischen Fällhilfen zu Fall gebracht werden. Mit diesen Fällhilfen ist das im Gegensatz zu geschlagenen Keilen vibrationsfrei möglich. Die Gefährdung durch herabstürzende Kronenteile, insbesondere bei Bäumen, die schon längere Zeit dürr sind, wird dadurch deutlich verringert. Möchten sie diese sehr kraftsparenden Fällhilfen verwenden, beachten sie unbedingt die vom Hersteller vorgegebene Bedienungsanleitung.
Achtung, Bruchgefahr!
Kommt es durch das träge Fallverhalten trockener Bäume trotzdem zu “Hängersituationen”, tritt bei abgestorbenen Bäumen, neben den bekannten Problemen, noch eine weitere, oft übersehene Gefahr auf. Abgestorbene Stämme brechen leichter ab und der obere Baumteil stürzt dem Motorsägenführer möglicherweise entgegen! Dieser Gefahr kann man nur durch Zurückweichen entgehen. Sobald der Baum zu kippen beginnt, muss sich der Motorsägenführer in einen sicheren Bereich begeben und dort abwarten bis alle Bäume, die durch den fallenden Baum in Schwingung geraten sind, stillstehen. Kommt es trotzdem zu einem „Hänger“ gilt es Ruhe zu bewahren. Der Baum darf nur durch Abdrehen, Abzappeln oder Abziehen mit einem Seilzuggerät zu Fall gebracht werden. Bei den meisten Fällhebern ist ein Wendehaken montiert, einen Sappel benötigt man auch zum Vorrücken und im befahrbaren Gelände ist meist ein Traktor mit Anbauwinde in der Nähe. In abgelegenen Gebieten sind eine Kleinseilwinde oder ein Greifzug mitzuführen. Mit diesen Hilfsmitteln kann jeder Baum sicher zu Fall gebracht werden. Jede andere Methode, sowie der Aufenthalt unter einem angelehnten Stamm, sind verboten.
Kritische Bäume fällen sie am besten seilunterstützt. Der mit einem Seil leicht vorgespannte Baum wird mittels Vorhängerschnitt und tiefergestelltem Zugleistenschnitt gefällt (siehe Grafik). Wobei die „Sollbruchstelle“ durch Windenzug erst dann gelöst wird, wenn sich der Motorsägenführer in sicherer Entfernung befindet.
Seien Sie sich stets bewusst: Schadholzaufarbeitung ist die Königsklasse bei der Waldarbeit. Wenn Sie über keine oder nur wenig Erfahrung bei der Baumfällung verfügen, lassen Sie sich von einem Profi begleiten. Ansonsten lassen Sie die Finger davon. Eignen Sie sich zuerst Routine bei der Schlägerung von gesunden, normal stehenden Bäumen an, bevor sie sich an kompliziertere Fälle heranwagen.
Auch Profis sind vor Unfällen nicht gefeit. Ausreichend Zeit, zuverlässige Mitarbeiter und gute Geschäftspartner minimieren den gefühlten Stress merklich. Mit der Verlegung von körperlich anstrengenden Arbeiten in die Morgen- oder Abendstunden kann die Belastung an heißen Tagen zusätzlich verringert werden. Eine durchdachte Pausengestaltung und genügend Flüssigkeitsaufnahme runden die fühlbaren Erleichterungen ab.




