Akku-Motorsägen auf dem Prüfstand

Artikel aus Ausgabe 4/2020

Geringe Lärmbelastung, kein Schadstoffausstoß und der Wegfall des Anwerfens der Motoren sind nur einige Vorzüge von Akku-Motorsägen. Doch können Akku-Motorsägen wirklich einen vollwertigen Ersatz für Benzinmotorsägen darstellen? Dieser Frage ist man an der Forstlichen Ausbildungsstätte Traunkirchen am Waldcampus Österreich nachgegangen.

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Ausgabe: 4/2020
Thema: Wald & Technik
Bundesland: Österreich
Autor:in: DI Dr. Christoph Huber

Um einen besseren Einblick in die Welt der Akku-Motorsägen werfen zu können, haben wir die Profigeräte der beiden in Österreich marktführenden Hersteller, Husqvarna (535iXP und 540iXP) und Stihl (MSA200 und MSA220), näher unter die Lupe genommen.

Benutzerfreundliche Akkus

Allen Akku-Sägen gemein ist, dass sie ihre Energie über einen Akku beziehen. Beide Hersteller bieten dafür Einsteckakkus mit Ladekapazitäten zwischen 2,0 und 9,5 Ah an. Die von den leistungsfähigsten Akkus bereitgestellte Energie reicht aus, um zwei bis drei Fichten mit einem Brusthöhendurchmesser (BHD) von etwa 25 cm zu fällen und aufzuarbeiten bzw. um etwa 30 Minuten am Stück Trennschnitte auszuführen. Wem die Akkulaufzeit nicht ausreicht, kann entweder mit Wechselakkus oder mit Akku-Rucksäcken arbeiten. Letztere stellen zwar ausreichend Energie für einen Tag bereit, haben sich aber bei der Arbeit mit der Motorsäge, welche im Arbeitsablauf oft abgesetzt werden muss, bisher nicht durchsetzen können. Während der Akku bei Husqvarna seitlich in das Gehäuse eingeschoben wird, werden die Stihl-Akkus von oben in einen Schacht gesteckt. Verriegelungslaschen am Akku und am Gehäuse sichern die Akkus zuverlässig vor einem unbeabsichtigten Herausfallen während der Arbeit. Um auch bei Regen arbeiten zu können, ist der Akkuschacht bei den Stihl-Sägen mit einer Auslassöffnung versehen. Die Akku-Sägen von Husqvarna sind bereits konstruktionsbedingt vor einem Ansammeln von Wasser an den Kontaktflächen geschützt, eine Auslassöffnung ist nicht notwendig. Vorsicht ist nur in der kalten Jahreszeit geboten: Tiefe Umgebungstemperaturen führen zu einer merklichen Reduktion der Akkulaufzeit, bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt kann es sogar vorkommen, dass sich die Sägen überhaupt nicht mehr starten lassen.

Gute Schnittleistung

Sowohl die Akku-Sägen der Firma Stihl, als auch jene der Firma Husqvarna sind mit einer vergleichsweise schmalen Schneideausrüstung (Kettensägenteilungen: ¼“, 3/8“P, 0.325“mini) ausgestattet und das nicht ohne Grund. Die daraus resultierende schmale Schnittfuge ist ein wesentlicher Grund dafür, dass die Akku-Sägen hinsichtlich Schnittleistung durchaus mit kleineren benzinbetriebenen Motorsägen mithalten können. Dies ist möglich, da die Akku-Sägen durch die schmale Kette vergleichsweise weniger Holz verdrängen müssen und somit leistungseffizienter arbeiten. Beim Kauf können die Akku-Motorsägen mit unterschiedlichen Kettenteilungen erworben werden. Wer hohen Wert auf einen sauberen Schnitt bei hoher Schnittleistung legt, ist mit den kleineren Kettenteilungen gut beraten, wer jedoch ein stabiles, robustes Schwert benötigt, sollte zu den größeren Kettenteilungen greifen.

Sägen auf Knopfdruck

Das Starten der Akku-Motorsägen ist denkbar einfach. Die Husqvarna Akku-Sägen werden mit einem Startknopf, welcher sich über dem hinteren Handgriff befindet, aktiviert und deaktiviert. Ein grünes Licht signalisiert dem Bediener, dass die Säge einsatzbereit ist. Wird die Motorsäge 60 Sekunden lang nicht benützt, schaltet sich die Motorsäge aus Sicherheitsgründen automatisch ab. Einen etwas anderen Weg geht Stihl. Hier übernimmt ein seitlich am hinteren Handgriff angebrachter Sperrknopf, der gleichzeitig die Funktion einer Gashebelsperre übernimmt, die Funktion des Einschaltknopfes. Diesen Sperrknopf zu drücken, war für die Testkandidaten anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Neben den Einschaltknöpfen stellt die Kettenbremse eine weitere Sicherheitseinrichtung dar, die ein unbeabsichtigtes betätigen der Akku-Sägen verhindern soll. Wird diese eingelegt, lässt sich die Motorsäge auch bei gedrücktem Einschaltknopf nicht betätigen.

Individueller Bedarf entscheidet

Das Schnittverhalten der Sägen wurde von den Testkandidaten durchaus positiv bewertet. Vor allem ihr hohes Drehmoment im niedrigen Drehzahlbereich spricht für die Akku-Sägen. Einziger Nachteil bei der Verwendung von Akku-Sägen ist, dass die Bedienperson ein nur sehr eingeschränktes Feedback von den Akku-Sägen bekommt: Während Benzinmotorsägen bei Überbeanspruchung deutlich hörbar an Drehzahl verlieren, führt eine zu hohe Beanspruchung der Akku-Sägen zu einem abrupten Stillstand der Motorsägenkette. Um dies zu verhindern, ist viel Fingerspitzengefühl von der Bedienperson gefragt.

Der Grundpreis für die Motorsägen samt Schneideausrüstung, Einschubakku und Ladegerät beträgt je nach Modell zwischen 630 € und 940 € und ist somit deutlich über jenem vergleichbarer Benzinmotorsägen. Entscheidet man sich für leistungsfähige Akkus, zusätzlichen Wechselakkus und einem Schnellladegerät, übertreffen die Anschaffungskosten schnell die 1.000 € Marke.

Bei der Husqvarna 535iXP wird der Akku seitlich eingesteckt. Eine Ansammlung von Wasser und Schmutz im Akkuschacht wird so vermieden.

Durch das Verwenden von schmalen Sägeketten können hohe Schnittleistungen erreicht werden.

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