“Im Nebenerwerb Waldbauer zu sein”

Artikel aus Ausgabe 1/2019

Des Öfteren merken wir Rivalität und Neid zwischen Bauern im Vollerwerb und jenen, die ihren Betrieb im Nebenerwerb bewirtschaften. Wenn wir uns mit der Erwerbsthematik in der Land- und Forstwirtschaft intensiver auseinandersetzen, erkennen wir, dass Neid in den eigenen Reihen im Angesicht großer, globaler Herausforderungen absolut unangebracht ist.

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Ausgabe: 1/2019
Thema: Persönliches, Reportage
Bundesland: Steiermark
Autor:in: Maximilian Handlos

Die Bewirtschaftung eines Waldes im Nebenerwerb bringt vielfältige zeitliche und organisatorische Herausforderungen mit sich. Die Arbeiten sind dieselben, aber wenn neben dem Hauptberuf oft nur wenige Stunden für die Waldarbeit bleiben, steigt der Druck, den man sich selbst auferlegt. Besonders im Winter, wo idealerweise viel im Wald gearbeitet wird, ist Waldbauer Hofmeister zeitlich sehr eingeschränkt. Durch den umfangreichen Winterdienst als Schneepflugfahrer bei der Straßenverwaltung am Präbichl bleibt wenig Zeit für die Arbeit daheim. Viele Veranstaltungen, die Interessensvertretungen für die Bauern organisieren, finden oftmals im Winter am Vormittag statt. „Auch wenn das für Vollerwerbslandwirte ein idealer Zeitpunkt ist, ich als Nebenerwerbslandwirt muss mir dafür einen Tag Urlaub nehmen oder kann daran gar nicht teilnehmen, weil ich bei meinem Arbeitgeber nicht frei bekomme.“ meint Hofmeister. In der Förderpolitik für die Forstwirtschaft fühlt er sich als kleiner Waldbauer ebenso benachteiligt. Durch den relativ geringen Waldbesitz erfolgt eine noch kleinflächigere Bewirtschaftung. Dadurch werden vielfach die Mindestsummen, um eine Förderung lukrieren zu können, nicht erreicht. Doch auch kleine Waldbauern sind vom Klimawandel betroffen und Borkenkäfer und Sturm machen auch vor diesen Wäldern nicht halt.

Nadel- und Laubwälder

Die typische Waldgesellschaft im Liesingtal findet sich auch am Betrieb Hofmeister. Die Fichte dominiert mit mehr als 80 %, der Rest sind fast ausschließlich Lärchen mit wenigen Tannen und Laubhölzern wie Esche, Birke und Bergahorn. Hofmeister sen. hat bereits vor 25 Jahren begonnen, Bergahorn einzubringen, um für zusätzliche Humusbildung zu sorgen. Durch die schattseitige Ausrichtung des Waldes verjüngen sich Fichte und Lärche außerordentlich gut. Die Niederschläge in dieser Region sind derzeit noch ausreichend. Daher halten sich die Auswirkungen durch den Klimawandel in Grenzen. Zusätzlich bringt dieser Standort ein sehr gutes Wachstum und die vitalen Bäume können sich den Angriffen durch die Borkenkäfer sehr gut widersetzen. Allerdings ist dem Betriebsführer sehr wohl bewusst, dass er zukünftig das Einbringen von anderen Baumarten ausbauen wird müssen. In den letzten Jahren wurden bereits Bergahorn und Eichen gepflanzt und Waldbauer Hofmeister setzt darauf, durch eigene Erfahrungen entsprechend zu reagieren. Wohin die zukünftige Reise beim Umbau des Waldes geht, ist für ihn nicht ganz klar. Manche sagen Tanne und Douglasie und wieder andere meinen, es müssen viel mehr Laubhölzer sein.

Lebensader Aufschließung

Bereits in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts erfolgte die Gründung der Bringungsgenossenschaft Timmersdorf. 16 Waldbesitzern gelang es dadurch, gemeindeübergreifend mehr als 260 ha Wald aufzuschließen. Die Forststraßen sind heute sehr gut befestigt und lassen eine ganzjährige Holzabfuhr zu. Die Kosten der Straßenerhaltung werden anteilsmäßig aufgeteilt. 1979 gründeten 15 Waldbesitzer die Bringungsgenossenschaft Traunwald, um weitere 150 ha Wald aufzuschließen. Beide Aufschließungen sind mit Verbindungswege verbunden und ermöglichen den Zugang zur Bewirtschaftung der Wälder für den gesamten Liesingerberg. Für Waldbauer Hofmeister ergibt sich daher die Möglichkeit, mit Traktor und Seilwinde nahezu die gesamte Waldfläche zu bewirtschaften. Gearbeitet wird vorzugsweise mit Einzelstammentnahme im Sortimentsverfahren. Mit Unterstützung des Bruders und des Vaters erfolgt die Holzernte selbständig im kleinen Rahmen. Natürlich wird auch vom Borkenkäfer befallenes Holz sofort selbst aufgearbeitet, denn die Waldhygiene liegt den Hofmeisters sehr am Herzen. Nur für die Durchforstung von größeren Flächen wird hin und wieder ein Unternehmer mit Seilkran und Prozessor beschäftigt. Dabei wird auf die Organisation und Betreuung durch den Waldverband zurückgegriffen. Denn dadurch ist die Qualität sichergestellt und auch auf den vereinbarten zeitlichen Rahmen wird besonders geachtet.

Holzvermarktung Waldverband

2015 stand der Waldhelfer vom Waldverband Leoben vor der Tür und fragte, ob die Mitgliedschaft beim Waldverband für die Hofmeisters interessant sein könnte. Das Angebot klang sehr überzeugend und daher wird das Holz nur mehr über den Waldverband vermarktet. Besonders begeistert zeigt sich Hofmeister von der Einsatzbereitschaft des Waldhelfers Robert Schmid: „Seine Organisation und Beratung hat Hand und Fuß und er steht für Handschlagqualität.

100 % seiner Energie setzt er für den Waldverband ein.“ Die Hofmeisters betonen das umfangreiche Service des Waldverbands, das von der zuverlässigen Holzabnahme über gesicherte Preise bis zu interessante Veranstaltungen wie die Stammtische und Forstpraxistage reicht. „Der digitale Lieferschein ist eine Supersache und dass wir bei einem doch kleinen Jahreseinschlag von ca. 100 Festmeter unser Holz zu verschiedenen Abnehmern liefern können, steigert den Holzverkaufserlös doch enorm.“ betont der Betriebsführer. So werden Fichten zu Mayr-Melnhof geliefert, Starkbloche zu Prein nach Trofaich, Lärchen zu Leberbauer und Kaml Huber, Mondphasenholz zur Säge Gusswerk und Faserholz zu Egger.

Leben lassen

Durch die Verpflichtungen der Betriebsinhaber in ihrem Hauptberuf bleibt oft nur eingeschränkt Zeit für die Arbeit am eigenen Betrieb. Die Hofmeisters sind sehr froh, dass der Senior noch voll einsatzfähig ist und dass er sich auch noch stark bei der Waldbewirtschaftung einbringt. Er kontrolliert bei der Holzabfuhr, bedient die Seilwinde und durch seine Servicearbeiten bleiben Einsatzfähigkeit und Langlebigkeit von Motorsägen, Seilwinde und Traktoren erhalten. „Hier steckt sehr viel Geld drin und es ist mein oberstes Gebot, darauf zu schauen, um diese Geräte langfristig einsetzen zu können! Wir haben Motorsägen im Einsatz, welche uns schon seit mehr als 20 Jahren wertvolle Dienste leisten.“ meint Hofmeister Senior mit einem besonderen Stolz.

Voll Begeisterung erzählt Waldbauer Hofmeister von seinen Wahrnehmungen in der Natur: „Es ist unglaublich wie die Natur sich verändert und ich es erkennen kann, wenn ich mein Auge bewusst darauf richte. Alles wächst, aber von Jahr zu Jahr ist es anders. Es fühlt sich für mich ganz besonders gut an, weil ich gestalten kann, weil ich für nachfolgende Generationen voraus arbeiten darf.“ Anita Hofmeister ist Dankbarkeit und Respekt gegenüber Mensch und Natur sehr wichtig. Ihr bedeuten Balance, Zusammenhalt und gemeinsame Zeit für die Familie ganz besonders viel. „Wir müssen uns diese Zeit bewusst nehmen. Denn ich spiele Trompete im Musikverein und mein Mann bringt sich bei der Feuerwehr ein. Uns beiden ist dieses Engagement wichtig, trotzdem bleibt unser Lebensfundament die Familie.“

Fakten & Details

Familie
Anita und Karl-Heinz Hofmeister
Tochter Hannah, 6 Jahre alt
Eltern Karla und Karl-Heinz Hofmeister
Timmersdorf, Gemeinde Traboch

Karl-Heinz Hofmeister arbeitet als Straßenerhaltungsfachmann bei der Landesstraßenmeisterei und ist zertifizierter Motorsägenführer
Anita Hofmeister ist Gebietsbeauftragte bei redmail Logistik & Zustellservice GmbH im Büro St. Michael
Eltern sind schon in Pension

Betriebsgröße
16,5 ha Wald auf 2 Teilflächen (11,5 und 5 ha) werden im Nebenerwerb geführt
Seehöhe von 630 bis 1000 Meter

Maschinenausstattung
90 PS Traktor mit 8 Tonnen Funkseilwinde (gemeinsam mit Bruder)
Posch Holzspalter
Motorsägen

Für größere Ernteeinsätze arbeitet Hofmeister mit Holzernteunternehmen zusammen.

Senior und Junior Hofmeister bilden bei der Waldbewirtschaftung ein starkes Team.

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