Mit Freude Tun, stolz sein auf das Geschaffene!

Artikel aus Ausgabe 3/2019

Wetterextreme durchkreuzen forstwirtschaftliche Betriebskonzepte, das ist der gesamten Forstwirtschaft bewusst. Die Erkenntnis, dass wir uns in Zukunft immer mehr darauf einstellen müssen, haben wir alle schon gewonnen. Es wird sich daher immer mehr die Frage stellen, wie können wir bestmöglich diese herausfordernden Situationen meistern.

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Ausgabe: 3/2019
Thema: Persönliches, Reportage
Bundesland: Steiermark
Autor:in: Maximilian Handlos

Die Kombination Wald, Landwirtschaft und Gasthaus lässt im „normalen“ Alltagsleben keine Langeweile aufkommen. Es gibt immer genug zu tun. Außerordentliche Ereignisse stellen dann fleißige Familien vor besondere Herausforderungen. Wie wertvoll Unterstützung in diesen Zeiten sein kann, erleben wir immer wieder. Die Mitarbeiter des Waldverbandes sind ganz besondere Unterstützer.

Föhnsturm Vaja

Ende Oktober 2018 machte Föhnsturm Vaia auch vorm Betrieb Obersattler nicht halt. Auf den bewaldeten Südhängen des Betriebes brachte der Sturm auf vier Teilflächen 4,5 ha Wald zum Umstürzen. Vorrangig betroffen war Starkholz in der Altersklasse von 60 bis 110 Jahren, jüngere Bestände hielten dem Sturm zum großen Teil stand. Familie Kornthaler war sehr froh, dass sich bereits einige Tage nach der Katastrophe, die Maschinerie des Waldverbandes in Gang setzte. Der Waldverband Mur-Mürztal mit Geschäftsführer Franz Weidner und Waldhelfer Andreas Hofer organisierten und unterstützten in allen Belangen der Holzernte, der Holzabfuhr und des Holzverkaufs. Besonders vorteilhaft sieht Kornthaler die Zusammenarbeit mit Forstunternehmer Andreas Hirtler. Dieser war mit Harvester, Seilkran, Prozessor und Holzabtransport zur Stelle. Aufarbeitung und Abfuhr gingen daher ohne unnötige Kommunikation Hand in Hand.

Rund ein Drittel der Schadmenge von 2.500 Festmeter arbeitete der Harvester entlang der Forststraßen auf. Kornthaler unterstützte mit Seilwinde und Krananhänger, sodass diese Menge ohne Forwarder abfuhrbereit auf die Straße gebracht werden konnte. Durch dieses schnelle Abarbeiten konnte eine beträchtliche Menge Holz noch vor Weihnachten 2018 zu sehr guten Preisen vermarktet werden.

Um den 20. Dezember 2018 herum stellte Forstunternehmer Hirtler den Seilkran auf, um 1.000 Festmeter Schadholz im Steilgelände aufzuarbeiten. Nach zehn Tagen Schneefall Anfang Jänner war an ein Weiterarbeiten nicht mehr zu denken – das Holz war eingeschneit. Erst ab dem 26. März 2019 konnte der Seilkran weiter arbeiten und nach gut einem Monat war das Sturmholz im Steilgelände geerntet. Der Preisverfall für Rundholz in diesem Zeitraum schmerzt Familie Kornthaler natürlich besonders, waren es doch fast die Hälfte der Aufarbeitungskosten. Den Rest der Holzernte erledigte Kornthaler selbst mit eigenem Traktor und Seilwinde im Langstammverfahren und der Unterstützung durch einen Baggerprozessor.

Wald und Wild

In der Breitenau, besonders auf dieser Seehöhe, befinden wir uns in einem fast reinem Nadelholzgebiet. Fichte dominiert die Waldflächen der Kornthalers mit 60 %, Tanne und Lärchen weisen jeweils 20 % auf. Laubhölzer wie Buche, Ahorn und Birke kommen durch die Klimaerwärmung auch immer mehr, spielen aber am Betrieb noch eine sehr untergeordnete Rolle. Eine sehr nachhaltige Forstwirtschaft betrieben bereits die Vorgängergenerationen des Betriebsführers, sodass die Familie im Bedarfsfall auf einen sehr guten Holzvorrat zurückgreifen kann. Auch erkannten die Kornthalers schon immer die Wichtigkeit einer guten Aufschließung, um die Wälder aktiv bewirtschaften zu können. Alleine der Hauptweg auf der Südseite besitzt eine Länge von 4,5 Kilometer. Dazu kommen noch die Stichwege und drei Kilometer Forststraßen auf der Schattseite.

Jagd hat am Betrieb Obersattler generationenübergreifend jahrzehntelange Tradition. Im Rahmen der Gemeindejagd wurde der eigene Betrieb immer selber bejagd. Bereits Großvater und Vater des jetzigen Betriebsführers gingen dieser Tradition nach und sorgten durch konsequente Erfüllung des Abschussplanes den Wildbestand derart anzupassen, dass eine gesunde Waldentwicklung möglich war und ist. Auch die Naturverjüngungen der Tannen entwickeln sich prächtig und Kornthaler ist überzeugt, dass das Füttern des Rehwildes im Winter sich auch positiv durch weniger Verbiss auswirkt. Sporadisch zieht Rotwild vom Rennfeld durch die Wälder, allerdings konnten noch keine vermehrten Schäden festgestellt werden.

Das gemeinsame TUN

Bäuerin und Gastwirtin Elisabeth beschreibt die besondere Lebensphilosophie der Kornthalers: „Ich komme ja nicht von der Landwirtschaft, habe Köchin und Kellnerin gelernt. Hier in der Gastwirtschaft und am Bauernhof zu arbeiten, bedeutete für mich natürlich eine große Umstellung. Allerdings unterstützte mich die gesamte Familie, natürlich mein Mann, aber auch meine Schwiegermutter, in allen Belangen beim Einarbeiten. Wir leben das gemeinsame TUN bei den verschiedensten Aufgaben, helfen und unterstützen uns gegenseitig bei all den Arbeiten, wo immer es möglich ist. Es gibt immer viel Arbeit, der jährliche Urlaub fällt auch eher kurz aus, aber wir sind unsere Chefs. Wenn wir etwas tun, dann haben wir auch etwas.“ Bäuerin und Bauer haben den Anspruch, dass sich der Betrieb weiter entwickelt. Die Vorschriften im Gastgewerbe verlangen sowieso ständig Erneuerungen. Beide ziehen da am selben Strang, um wieder investieren zu können und Gebäude und Betriebsmittel am neuesten Stand zu halten.

Zufrieden Gäste in der Gaststube sitzen zu sehen, bedeutet der Familie besonders viel. Die Gastwirtin meint: „Vielfach hören wir von unseren Gästen, hier bei euch ist es so gemütlich. Und die Wirtsleute setzen sich noch zu den Gästen. Natürlich sind unsere Kinder auch Gasthauskinder. Das prägt sicherlich nicht nur positiv. Aber ich sehe auch im Vergleich zu andern, dass unsere beiden viel offener, viel kommunikativer sind. Beide spielen Harmonika und sie setzen sich einfach dazu und spielen drauf los.“

Partner in Krisenzeiten

Bereits bei der Gründung trat der Betrieb Obersattler dem Waldverband Mur-Mürztal als Mitglied bei. „Wir haben immer über den Waldverband vermarktet. Mir taugen einfach die Stammtische und die Informationen über Holzpreise und Liefermöglichkeiten, die wir sehr gut aufbereitet vom Waldverband bekommen. Ich liebe die Flexibilität bei den Vermarktungsmöglichkeiten und wenn ich mir vorstelle, dass ich als Einzelner dafür unzählige Schlussbriefe mit jedem Abnehmer abschließen müsste, dann wird mir jedes Mal aufs Neue klar, welch großen Vorteil und Nutzen wir durch unseren Waldverband ziehen. Da brauche ich noch nicht mal an die Zahlungssicherheit denken, die natürlich eine existentielle Frage sein kann!“ Abschließend bekräftigt der Betriebsführer welchen Wert diese unkomplizierte Zusammenarbeit in der Phase der Aufarbeitung des Windwurfes für die Familie hat: „Es ist etwas ganz Besonderes Teil dieser Organisation sein zu dürfen. Denn wo sonst in der heutigen Welt des Egoismus hast du einen Ansprechpartner in Krisenzeiten, der vom ersten Augenblick an bis alles erledigt ist, bei Notwendigkeit jederzeit zur Stelle ist?“

Fakten & Details

Familie
Elisabeth und Hannes Kornthaler vlg. Obersattler
Kinder Magdalena, 13 Jahre und Maximilian, 11 Jahre
Mutter Erika lebt auch am Betrieb
Schlaggraben 12
8614 Breitenau
Biobetrieb

Betriebsdaten
Gesamtfläche 86 ha, davon 14 ha Grünland, 72 ha Wald
Seehöhe von 950 bis 1.250 Meter
Landwirtschaft als Biobetrieb, Mutterkuhhaltung mit 10 Kühen und eigener Nachzucht

Maschinenausstattung für den Forst
100 PS Allrad Traktor, 8 to Funkseilwinde, Krananhänger, Motorsägen

Holzeinschlag im Durchschnitt 500 fm jährlich
Gasthaus Obersattler warme Küche am Wochenende gegen Voranmeldung, Dienstag und Mittwoch Ruhetag

In idyllischer Lage – der Ausflugsgasthof Obersattler in der Breitenau.

Betriebsführer und Junior bei der ständig notwendigen Kontrolle auf den Windwurfflächen.

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