Frau Dr. Christine Meissnitzer, welchen ganz persönlichen Zugang haben Sie zu Wald und Holz?
Meissnitzer Ich bin in einer Holzfamilie mit eigenem Sägewerk aufgewachsen. Die Vorzüge von Holz und die Beziehung zum Wald sind mir von klein auf mitgegeben worden. Das innovative und geschäftstüchtige Elternhaus hat in meinem Leben auch kräftige „Holzspuren“ hinterlassen. Nicht nur, dass meine Eltern bereits Holzhäuser mit Massivholzmauern zu bauen begannen, wir haben auch eine Firma gegründet, wo wir den Holzwohnbau forcieren möchten. Trotz meines Berufs als Neurologin hat mich das Holz nie losgelassen und ich möchte auch Verantwortung dafür tragen.
Was macht den Baustoff Holz besonders attraktiv und wie sehen Sie insgesamt die Entwicklung im Holzbau?
Meissnitzer Ähnlich wie der menschliche Körper besitzt Holz ein riesiges Kapillarnetz, mit dessen Hilfe Feuchtigkeit aufgenommen und abgegeben werden kann. Die Behaglichkeit in einem Holzhaus spielt eine wichtige Rolle und ist auch aus medizinischer Sicht positiv zu sehen. Natürliche Materialien werden von unseren Sinnen als angenehm wahrgenommen und wirken sich positiv auf Raumtemperatur, Luftbeschaffenheit, Schalldämmung und elektromagnetische Felder aus. Wir haben es uns in unserem Unternehmen zur Aufgabe gemacht, gesundes und leistbares Wohnen mit Holz im Wohnbaubereich auf neue Beine zu stellen. Da ist noch großes Potenzial.
Der Klimawandel ist in aller Munde, welchen Beitrag kann ein Holzbau zum Klimaschutz leisten?
Meissnitzer CO2 ist in aller Munde und ist gesellschaftspolitisch angekommen. In jedem Wahlprogramm hat sich dieses Thema wiedergefunden, das ist eine gute Entwicklung. Nun gilt es in der Wirtschaft, Industrie oder Politik darauf aufmerksam zu machen, dass wir einen Baustoff mit der besten Klimabilanz im eigenen Land – und noch dazu nachwachsend – haben. Der Einsatz von Holz für langlebige Produkte wie im Baubereich stellt damit einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz dar. Holz entlang seiner ganzen Wertschöpfungskette zu erkennen und zu verwenden wird das Gebot der Stunde werden (z.B. Holz als Textilie “Holzbaumwolle”). Der Tourismus spielt in Österreich eine enorm große Rolle. Die Ressource Wald wird noch zu wenig genutzt. Der Wald als Erholungsraum wie das modern gewordene „Waldbaden“ ist bekannt, aber wir müssen das Bewusstsein für die Holzverwendung schaffen. Darum gilt es „holzaktiv“ zu sein!
Als Ärtzin und Umweltmedizinerin haben Sie einen eigenen Zugang zum Thema Gesundheit. Wie sieht es mit der Wohngesundheit in Holz aus?
Meissnitzer Gesundheit und Lebensqualität gehören zu unseren menschlichen Grundbedürfnissen. 80 bis 90 % unserer Lebenszeit verbringen wir in geschlossenen Räumen, umso wichtiger ist eine natürliche und positive Umgebung, die wesentlich zu unserem Wohlbefinden beiträgt. Da in den letzten Jahrzehnten Bauhüllen immer dichter werden und man darüber hinaus mit einer Vielzahl von neu entwickelten Baustoffen konfrontiert ist, spielt die Wahl entsprechend gesunder Baumaterialien eine große Rolle, um unsere Gesundheit zu erhalten und zu fördern. Zahlreiche chemische Verbindungen aus Baustoffen sind flüchtig, reagieren mit unserem Immunsystem und können dadurch schleichende chronische Entzündungen verursachen. Holz wirkt sich positiv auf das Nervensystem aus. Holz senkt Blutdruck und die Herzfrequenz. Darüber hinaus werden Konzentration, Kreativität und Ausgeglichenheit gefördert.
Vielen herzlichen Dank für das Interview!



