Der Wald und sein Wasserhaushalt

Artikel aus Ausgabe 4/2019

Bisher ging es beim Thema Wald und Wasser vor allem darum, geeignete Waldbestände aufzubauen und solche Bewirt-schaftungsmaßnahmen zu setzen, die entweder für die Wasserversorgung oder für die Aufrechterhaltung der Schutzfunktionen wichtig waren. Für den Wald selbst war immer genug Wasser vorhanden. Durch den Klimawandel mit ausgeprägten Trockenzeiten kommt nun auch der Aspekt der Wasserversorgung des Waldes und der Bäume an sich dazu.

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Ausgabe: 4/2019
Thema: Wald & Klima, Waldökologie
Bundesland: Österreich
Autor:in: FD DI Franz Lanschützer

Allgemein gültige Werte zum Wasserhaushalt in Waldbeständen sind äußerst schwer zu definieren, weil der Wald ein so umfassend vielschichtiges Gebilde auf Grund der unterschiedlichsten Baumarten, Bodenverhältnisse, geologischen Gegebenheiten, klimatischen Einflüssen etc. ist. Und auch bereits beim Niederschlag selbst, der aus Regen, Schnee oder Nebel bestehen kann, spielen im Wald viele Faktoren eine Rolle.

Interzeption – Kronendurchlass

Ein Teil des Niederschlages führt zur Benetzung der Bäume, wird dadurch zurückgehalten und geht durch Interzeptionsverdunstung für den Wald verloren. Dieser Interzeptionsverlust hängt sowohl von den Baumarten als auch vom Bestandesaufbau ab. Die größte Niederschlagsrückhaltung besteht in dichten stufigen Beständen, bei kleintropfigem, kaltem Niederschlag, bei windstillem Wetter und bei größerem Wasserdefizit der Blätter. Ein einzelner geringer Niederschlag kann nahezu restlos von den Kronen aufgefangen werden. Je Niederschlagsereignis kann der Interzeptionsverlust im groben Durchschnitt bei 3 – 7 mm liegen. Der jährliche Interzeptionsverlust hängt sehr stark von der Intensität der einzelnen Niederschlagsereignisse ab und kann bei einem Jahresniederschlag von 700 mm durchaus 30 – 50 % in regenarmen Gebieten erreichen. Mit Kronendurchlass wird jener Teil des Niederschlags bezeichnet, der den Boden bzw. die Bodenvegetation erreicht. Auch die Bodenvegetation besitzt natürlich einen Interzeptionsverlust, der sehr unterschiedlich ausfallen kann, aber meist geringer ist als der der Bäume. Niederschlag, der letztendlich den Boden erreicht, kann entweder abfließen oder in den Boden selbst eindringen. Oberflächlicher Abfluss spielt im Wald nur bei sehr starken Niederschlägen eine Rolle.

Infiltration und Versickerung

Das in den Boden eindringende Wasser läuft meist hangparallel im Oberboden ab oder sickert allmählich durch und speist dann das Grundwasser sowie Quellen, Bäche und Flüsse. Viele Faktoren wie Textur, Struktur, Porosität, Skelettgehalt, Relief, Bodendecke, Wasservorrat oder Wurzelnetz beeinflussen die Versickerung des Wassers. Indem Waldböden meist eine hohe Luftkapazität und eine gute Durchlässigkeit besitzen, dringen auch stärkere Niederschläge rasch ein. Das Wasserhaltevermögen ist sehr stark von der Bodenstruktur und hier von der Porenverteilung abhängig. Schwachgründige, skelettreiche, grobporige Böden haben ein wesentlich geringeres Wasserhaltevermögen als tiefgründige Böden mit vielen Klein- und Mittelporen. Die Wasserkapazität des Waldbodens hängt aber auch davon ab, wieweit vorher durch Verdunstung die Aufnahmefähigkeit erhöht wurde. Nach einer längeren niederschlagsfreien Zeit kann der Waldboden 80 – 250 mm Niederschlag aufnehmen. Dadurch kann der Wald ein längerdauerndes starkes Niederschlagsereignis durchaus speichern, was vor allem für den Hochwasserschutz von größter Bedeutung ist

Wasserverbrauch durch Verdunstung

Die Verdunstung (Evapo-Transpiration) im Wald setzt sich zusammen aus der Transpiration der Pflanzen und der Evaporation, d.h. der Verdunstung von Feuchtigkeit aus Oberflächen von Pflanzen und direkt vom Boden. Für die Transpiration verwenden die Bäume sehr große Mengen an Wasser, wobei sie durch die Schließung der Spaltöffnungen an Blättern oder Nadeln, diese auch wesentlich reduzieren können. Den größten Einfluss auf die Transpiration haben Sonneneinstrahlung und Wärme. Auf Wind reagieren die Bäume unterschiedlich, indem beispielsweise bei Lärche die Transpiration bei hohen Windgeschwindigkeiten zunimmt, während sie bei Fichte leicht abnimmt. Der Wasserverbrauch der Bäume hängt aber auch stark davon ab, wie viel Wasser vorhanden ist. Es gibt Bäume, die bei optimaler Wasserversorgung dieses auch übermäßig verbrauchen, wie Douglasie oder Birke, während Eiche oder Fichte weitgehend unabhängig vom Bodenwasserhaushalt geringe Transpirationsunterschiede aufweisen. Es gibt aber auch sehr große Unterschiede zwischen den Baumarten mit dem Umgang von Wassermangel. Eine besondere Anpassungsfähigkeit zeigt hier die Douglasie, die bei Trockenheit sowohl die Transpiration sehr stark einschränken als auch die Wasserversorgung durch die Aufnahme von Tau über die Nadeln verbessern kann. Wie groß der Wasserverbrauch von Waldbeständen ist, hängt sehr stark von Standort, Waldgesellschaft, Bestandesstruktur, der Jahreswitterung, dem vorhandenen Wasservorrat und vielen anderen Faktoren ab. Hinsichtlich Baumarten gehören Birke und Lärche zu den Wasserverschwendern. Die Buche und Fichte liegen im mittleren Bereich, während die Kiefer wenig Wasser verbraucht. Der absolute Wasserverbrauch hängt aber auch eng mit der vorhandenen Blatt- oder Nadelmasse pro Hektar zusammen. Daher ist auch die tägliche Transpiration von ganzen Waldbeständen nur sehr schwer anzugeben. Im ganz groben Durchschnitt kann für einen warmen Sommertag der Wasserverbrauch durch die Bäume mit 2 – 4 mm angegeben werden. Umgerechnet sind das 20.000 – 40.000 Liter pro Hektar und Tag.

Waldbauliche Folgerungen

Die waldbaulichen Folgerungen auf Grund der verschiedensten Einflussgrößen hinsichtlich des Wasserhaushaltes in Waldbeständen hängen davon ab, welche Zielsetzung verfolgt wird. Geht es um die Schutzfunktion des Waldes gegen Hochwasser und Erosion, so vermindert der Wald den Abfluss, verringert die Hochwasserspitzen, erhöht die Versickerungsfähigkeit des Bodens, steigert in der Vegetationsperiode die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens, verhindert Bodenabtrag und führt zu einer biologischen Reinigung des Wassers. Von Vorteil sind hier geschlossene nadelholzreiche Waldbestände, die einer natürlichen Verjüngung unterzogen werden. Günstig sind gemischte vertikal und horizontal gestufte Bestände mit ungleichaltrigen Bestandesstrukturen. Zu vermeiden sind Kahlschläge sowie beweidete Flächen, die zur Bodenverdichtung neigen. Geht es um die Erhöhung der Wasserspende in niederschlagsarmen Gebieten, sind lockere Waldbestände mit geringer Blatt- oder Nadelmasse sowie fehlendem Nebenbestand von Vorteil. Wenn es um die Walderhaltung in extremen Trockengebieten geht, wird vor allem die Baumartenwahl zum entscheidenden Faktor. Weiters sind hier sicher eher lockere Bestände mit geringem Interzeptionsverlust bei schwachen Niederschlägen von Vorteil.

Der Wasserhaushalt in Waldbeständen hängt von zahlreichen Faktoren wie z.B. Baumarten, Bodenverhältnissen, geologischen Gegenbenheiten und klimatischen Einflüssen ab.

Wasser läuft meist hangparallel im Oberboden ab, sickert ins Grundwasser oder speist Quellen, Bäche und Flüsse.

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