Neben dem Klimawandel und dessen Folgen, wie kürzere Frostperioden, zunehmende Starkregenereignisse oder Kalamitätsnutzungen, steigen auch die gesellschaftlichen Anforderungen. Vor allem in stadtnahen Bereichen nutzen viele Erholungssuchende das Netzwerk im Wald.
Funktionen & Aufgaben
Die Hauptaufgabe der Feinerschließung liegt in der Zugänglichkeit und Verbindung der einzelnen Waldflächen mit dem höherrangigen Forststraßennetz und sie ermöglicht eine reibungslose und nachhaltige Waldbewirtschaftung über die gesamte Umtriebszeit eines Bestandes. Sämtliche Eingriffe, einschließlich aller Holzerntemaßnahmen, sind bei fehlendem und technisch nicht einwandfrei angelegtem Feinerschließungsnetz gar nicht oder nur eingeschränkt durchführbar. Eine flächige Befahrung ist in Folge der Erhaltung der Produktionskraft des Waldbodens und daher im Sinne einer nachhaltigen Bewirtschaftung zu vermeiden. Die Ausprägung und Gestaltung der Feinerschließung ist auch unweigerlich mit der Entwicklung der zur Verfügung stehenden Erntetechnologie verbunden. Bei der Anlage der Feinerschließung gilt es (1) die rechtlichen Rahmenbedingungen, (2) die Geländegegebenheiten und (3) die zur Verfügung stehende Holzerntetechnologie zu beachten.
Einbindung der Rückegasse
Grundsätzlich empfiehlt es sich, die Rückegassen in der Falllinie anzulegen, da Traktoren und Forstmaschinen seitlich einen niedrigeren Kippwinkel aufweisen. Je nach Geländebegebenheit stellt die Einbindung in das höherrangige Erschließungsnetz eine Herausforderung dar. Trotz hoher Bodenfreiheit, abgeschrägten Unterböden (Böschungswinkel) und sehr guten Steigfähigkeiten kann die fehlende Einbindung in bestehende Forststraßen gerade im steilen Gelände sehr schnell ein Problem darstellen. Hierbei können gerade die bestehenden Straßenböschungen für die vollmechanisierte Holzernte sehr schnell zum unüberbrückbaren Hindernis werden. Nicht zu vergessen ist auch die Lage des Holzpolters an der Forststraße.
Abstand der Rückegassen
Der Rückegassenabstand orientiert sich am eingesetzten Arbeitssystem und den Maschinen. In der vollmechanisierten Ernte (Harvester und Forwarder) geht man meist von der Kranreichweite eingesetzter Maschinen aus. Die Reichweite und somit Eingriffsbreite des Harvesters gibt hier bei flächigem Eingriff einen möglichen Abstand der Rückegassen vor. Ein Großteil der am Markt angebotenen Erntemaschinen für die vollmechanisierte Holzernte hat im Schnitt eine Reichweite des Auslegers von 10 m. Daraus ergibt sich die aktuelle Empfehlung von 20 m als Rückegassenabstand. Wird dieser Abstand erhöht, so bedarf es zusätzlicher Manipulation im Zuge der Ernte oder der nicht erreichbare Bereich bleibt im Zuge von Durchforstungen unbehandelt. Bei seilgestützten Maschinen sollte man aufgrund der reduzierten Standsicherheit in steilerem Gelände die reduzierte seitliche Eingriffsbreite beachten. Hier kann aufgrund der Geländeneigung die technisch mögliche Gesamtreichweite der Maschine nicht mehr in vollem Umfang ausgeschöpft werden. Beim Einsatz von Traktor-Krananhängern sollte die Rückegasse keine Querneigung aufweisen.
Breite von Rückegassen
Die Rückegassenbreite für die Befahrung mit Maschinen wird bereits beim Anlegen und Markieren oft unterschätzt. Hier gilt es, unbedingt den für Maschinisten und Maschinen notwendigen Aktionsraum für eine reibungslose und pflegliche Arbeit sicherzustellen. Hierzu kommt man mit Hilfe von Herstellerangaben sehr schnell zu greifbaren Dimensionen. Schon in der mittleren Größenklasse von internationalen Herstellern sind Breiten für Harvester und Forwarder ab 2,7 m je nach Bereifung und Fahrwerk zu berücksichtigen. Mit steigender Kapazität der Zuladung, Anzahl an Achsen und breiterer Bereifung erhöht sich die Maschinenbreite aufgrund der notwendigen Standsicherheit auf bis zu knapp 3 m. Selbst ein Traktorkranhänger in der mittleren Gewichtsklasse weist bereits eine Breite von 2,6 m auf. Die angeführten Abmessungen beinhalten noch keine Sonderausrüstungen wie Bogiebänder oder gar verbreiterbare Rungenkörbe. Für die endgültige Breite ist auf Empfehlung der Literatur zusätzlich ein Puffer von mindestens 1 – 2 m hinzuzufügen. Dies entspricht bei einer Maschinenbreite von 2,9 m einer endgültigen Rückegassenbreite von mindestens 4 m. Bei einem Durchforstungseingriff bleiben dem Maschinenführer für das Manövrieren der Erntemaschine durch den Bestand damit nur mehr 50 – 60 cm links und rechts zu den angrenzenden, verbleibenden Bäumen.
Der Rückeweg
Im Gegensatz zur Rückegasse dient der Rückeweg für die Aufschließung der Waldparzellen quer zur Hangneigung und Befahrung durch bodengestützte Erntetechnik. Die Anlage von Rückewegen ist je nach Gelände auch mit Erdbewegungen verbunden. Rückewege haben permanenten Charakter. Im Zuge der Planung wird empfohlen, die zuständigen Behörden einzubinden, um abzuklären, ob die Anlage anmelde- oder bewilligungspflichtig nach dem Forstgesetz ist. Je nach Bundesland gibt es hier unterschiedliche Anlaufstellen für eine fachliche Beratung.
Rückewege weisen keine zusätzliche Befestigung auf, werden mit Längsneigungen von mindestens 2 % und maximal 25 % und mit Fahrbahnbreiten von ca. 3,5 m errichtet. Sie sind nicht für den LKW-Verkehr ausgelegt und ausschließlich saisonal und witterungsbedingt befahrbar. Die Planung sollte eine entsprechende Wasserableitung, den Anschluss an das höherrangige Forststraßennetz, dessen Einbindung und die abgehenden Rückegassen miteinbeziehen. Wendemöglichkeiten am Ende und mögliche Holzlagerplätze sollten im Zuge der Errichtung unbedingt berücksichtigt werden.
Verwendete Literatur
Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald (2018): Das Gütezeichen ZÖFU. Holzernte – Holzrückung – Waldverjüngung – Waldpflege – Forstschutz.
Gruber, P.; Huber, Ch.; Kanzian, Ch.; Holzleitner, F.; Stampfer, K. (2019): Traktor-Krananhänger. FHP Kooperationsplattform Forst Holz Papier.
Nemestóthy, N.; Tartarotti, Ch.; Pfeiffer, G.; Stöcher, H. (2015): Harvester und Forwarder in der Holzernte. Planung, Organisation, Methodische Arbeit. FHP Kooperationsplattform Forst Holz Papier.
Nemestóthy, N. (2017): Holzernte im Schleppergelände. Arbeitsgestaltung 1 & Planung 2. FHP Kooperationsplattform Forst Holz Papier.
Sperrer, S. (2019): Holzernte im Schleppergelände. Organisation 3. FHP Kooperationsplattform Forst Holz Papier.
Waas, S. (2017): LWF-Merkblatt Nr. 38. Feinerschließung – Rückegassen und Rückewege. Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF).
Kontakt
Franz Holzleitner, Christian Kanzian & Thomas Holzfeind
Institut für Forsttechnik
Universität für Bodenkultur Wien




