“Moment – Rettung kommt gleich!”

Artikel aus Ausgabe 4/2020

Wöchentlich ereignen sich tragische Unfälle bei der Waldarbeit. Fallende Bäume, verspannte Stämme oder Äst, sowie die unsachgemäße Bedienung leistungsstarker Maschinen verursachen lebensgefährliche Verletzungen. Nur rasche Hilfe kann die Auswirkungen mindern oder sogar Leben retten. Erste Hilfe kann geplant werden. Wer schnell reagiert, hilft nicht doppelt, aber wirkungsvoll.

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Ausgabe: 4/2020
Thema: Arbeitssicherheit
Bundesland: Österreich
Autor:in: Ing. Dieter Seebacher

Menschen, die im Wald arbeiten, sind meist nicht wehleidig. Bis zur kleinen Platzwunde wird alles vor Ort selbst versorgt. Bei unklaren Verletzungsmustern geht der Verletzte am Abend auch einmal zum Hausarzt und lässt die Verletzung begutachten. Wird die Rettung aber unmittelbar nach einem Unfall gerufen, so ist von einer ernsthaften, wenn nicht sogar lebensbedrohlichen Situation auszugehen. Sofort beginnt ein Kampf gegen die Zeit. Bei einem Herzinfarkt, einem allergischen Schock oder einer starken Blutung erhöht jede Minute, in der dem Verletzten bzw. Erkrankten früher geholfen werden kann, die Heilungs- bzw. Überlebenschancen.

144 – Wo befindet sich der Einsatzort?

Im Wald- und Wiesenbereich hat der Ersthelfer eine ungleich schwierigere Aufgabe als im bebauten Gebiet. Ein Unfall stellt eine nicht alltägliche Situation dar. Stress und Verzweiflung erschweren die Lage zusätzlich. Eine gute Vorbereitung erleichtert den Ablauf. Die wichtigste Voraussetzung, um die Rettung an den Unfallort zu bekommen, ist die Kenntnis der Örtlichkeit. Dabei ist es allerdings wenig hilfreich, wenn dem Mitarbeiter in der Rettungsleitstelle, Örtlichkeiten nur mit Vulgo- oder Flurnamen beschrieben werden. „Rechts neben dem Huberbauer ober der Ochsenhalt mit dem Holzzaun“ sind für den nicht ortskundigen Leitstellenmitarbeiter nicht nachvollziehbare Ortsbeschreibungen. Nur eine durchdachte Vorbereitung, z. B. mit Checkliste, App oder Notfallsender sichert in Extremsituationen eine professionelle Hilfeleistung.

Analoge und digitale Helferlein

Um Fehlerquellen auszuschließen ist es hilfreich, wenn man beim Notruf eine einfache Anfahrtsbeschreibung für die betreffende Örtlichkeit herunterlesen kann. Ein Zettel im Taschenformat mit den genauen Straßenbezeichnungen und ungefähren Entfernungen im Telegrammstil verfasst, sollte genügen. Versperrt ein abgeschlossener Schranken den Zufahrtsweg, so ist dieses Detail auch am Zettel zu vermerken und der Rettungsleitstelle bekanntzugeben. Bei großflächigen Schadereignissen oder abgelegenen Waldgebieten hat es sich bewährt, ab der öffentlichen Straße Hinweisschilder aufzustellen, welche die Örtlichkeiten benennen. Sind zudem auch die Koordinaten und das Koordinatensystem bekannt, so kann ein Rettungshubschrauber den Einsatzort beinahe punktgenau und ohne Zeitverlust anfliegen.

Bei häufigem Wechsel der Arbeitsstelle empfehlen sich moderne Hilfsmittel, wie Apps für das Mobiltelefon. Die „Bundesforste Notfall-App“ ist beispielsweise im Play Store für alle Android-Handys kostenfrei erhältlich. Apps mit ähnlichen Funktionen ergänzen das verfügbare Angebot. Die Angabe der aktuellen Standortkoordinaten mit einem kleinen Lageplan ist allen angebotenen Produkten gemein. Eine tägliche Funktionskontrolle sollte aber selbstverständlich sein. Zur Sicherheit kann noch ein zusätzliches Mobiltelefon, auch älterer Bauart und ohne SIM-Karte, mitgeführt werden. Der Euronotruf 112 funktioniert auch ohne SIM-Karte, dann allerdings nur ohne die nützliche Ortungsfunktion. Wählt man die Notruftaste eines Mobiltelefons, so wird der Notruf 112 an die nächste Polizeileitstelle abgesetzt. Ist im Gerät eine SIM-Karte eingesetzt, so wird die Standortortung automatisch durchgeführt. Ist die Peilung nur durch einen Sender möglich, vergrößert sich der mögliche Aufenthaltsradius. In digital gut erschlossenen Landstrichen ist jedenfalls eine genaue Ortung sichergestellt.

Passive Notrufsysteme

Personen, die sich sehr oft allein in abgelegenen Gebieten aufhalten, können mit einem passiven Notrufsystem ausgestattet werden. Passive Notrufsysteme setzen automatisch einen Notruf ab, sobald sie eine vorgegebene Zeit in eine horizontale Lage versetzt werden oder die Person sich nicht mehr bewegt. Nach mehrmaliger Vorwarnung wird ein vorprogrammierter Notruf abgesetzt. Auf Grundlage der mitgesendeten Koordinaten wird ein Rettungseinsatz beauftragt. Man sollte allerdings wissen, dass ein solcher Notruf nicht mehr storniert werden kann. Etwaige Mittagsschläfchen, die eine Alarmierung auslösen, werden dann zu einem teuer erkauften Sicherheitsgefühl.

Ein bei weitem einfacheres Rettungssystem wurde z. B. in Kärnten etabliert. Im Kärntenatlas des landeseigenen geographischen Informationssystemes KAGIS wurde ein Rettungsraster integriert. Über das gesamte Bundesland wurde ein Raster mit der Größe 500 x 500 m gelegt und mittels zwei Buchstaben plus drei Ziffern, z.B. AB 123, eindeutig bezeichnet. Wird nun bei der Absetzung des Notrufes das Stichwort „Forstunfall“ und der zutreffende Code genannt, so kann die Suche auf diese Fläche eingeschränkt werden. Gleichzeitig wird ein Rettungshubschrauber ins betreffende Gebiet entsendet. Aus der Luft ist ein Unfallort leicht zu entdecken. Das KAGIS-Rettungssystem hat sich in Kärnten schon des Öfteren bewährt.

Der Ersthelfer als wichtigster Erfolgsfaktor

Zur guten Vorbereitung gehört auch eine regelmäßige Schulung der lebenserhaltenden Sofortmaßnahmen. Rettung aus Gefahrenbereichen, stabile Seitenlage, Herz-Lungen-Wiederbelebung, Stillung starker Blutungen und das richtige Absetzen eines Notrufes sollten zum Standardkönnen jedes Einzelnen zählen, denn besonders bei Unfällen gilt – Ende gut, alles gut!

Fakten & Details

Bei der Waldarbeit ereignen sich jährlich zwischen 1.500 und 4.000 anerkannte Arbeitsunfälle. In ungewöhnlich unfallträchtigen Jahren sind über 40 Tote zu beklagen. Die durchschnittliche Anfahrtszeit bei Rettungseinsätzen im bebauten Gebiet beträgt eine Viertelstunde. Bei ungünstigen Verhältnissen, schlechter Vorbereitung und Überforderung der Ersthelfer kann sich die Anfahrt bei Unfällen im Wald auf über eine Stunde erhöhen. Holzerntearbeiten gehören zu den gefährlichsten Tätigkeiten, bezogen auf die Anzahl der in der Branche beschäftigten Personen. Durch Prävention und Schulung könnten viele Unfälle vermieden werden.

Druckverband und Material für die Wiederbelebung immer „am Mann“ tragen.

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