Akku-Motorsägen überzeugen durch ihr einfaches Startverhalten, einen emissionsfreien Betrieb, und durch die geringere Geräuscheinwirkung auf den Bediener. Doch sind sie auch für die forstliche Verwendung geeignet?
Benzin oder Akku
Dieser Frage ging man im Rahmen einer Projektestudie an der Forstlichen Ausbildungsstätte Traunkirchen näher nach. Gemeinsam mit der Firma Husqvarna Austria GmbH wurde im letzten Winter deren leistungsfähigste Akku-Motorsäge – eine Husqvarna 535iXP – mit zwei herkömmlichen Benzinmotorsägen unterschiedlicher Leistungsklassen (Husqvarna 435 und Husqvarna 550XPM2) verglichen. Um möglichst praxisnahe Ergebnisse zu erhalten, wurden sämtliche Messungen im Zuge einer Erstdurchforstung eines Fichtenbestandes durchgeführt.
In einem ersten Schritt wurde die Leistungsfähigkeit der Motorsägen bei der Fällung und Aufarbeitung von Fichten ermittelt. Während die Akku-Säge zunächst bei der Fällung kleinerer Bäume durchaus mit den Benzinmotorsägen mithalten konnte, zeigten sich mit zunehmendem Durchmesser der Bäume immer deutlichere Unterschiede zwischen den Sägen. Ab einem Brusthöhendurchmesser (BHD) von etwa 25 cm konnte vor allem die stärkere der beiden Benzinmotorsägen ihre Stärken voll ausspielen. Mit ihr konnten deutlich höhere Schnittleistungen erreicht werden als mit den beiden anderen Sägen. Immerhin konnte die Akku-Motorsäge mit der kleineren Benzinmotorsäge mithalten.
Vorteile von Akkugeräten
Keine Unterschiede zwischen den Motorsägen konnten hingegen während der Astung und Aufarbeitung der gefällten Bäume festgestellt werden. Die meist nur wenige Zentimeter dicken Fichtenäste wurden von der Akku-Motorsäge beinahe genauso schnell durchtrennt wie von der Profimotorsäge.
Energieversorgung als Herausforderung
Eine wesentliche Grundvoraussetzung für den Dauereinsatz von Akku-Motorsägen stellt jedoch die kontinuierliche Versorgung der Säge mit geladenen Akkus dar. Vor allem bei der Waldarbeit stellt dies eine große Herausforderung dar, zumal oft keine Möglichkeit besteht die Akkus vor Ort wiederaufzuladen. Die Bedienperson ist somit meist auf das Mitführen einer ausreichenden Anzahl an Wechselakkus angewiesen. Erfahrungen an der Forstlichen Ausbildungsstätte haben gezeigt, dass in etwa sechs bis sieben Akkus mit einer Kapazität von über 7 Amperestunden notwendig sind, um die Säge mit genügend Energie für einen Arbeitstag zu versorgen. Zudem sollte nicht vergessen werden, den Kettenöltank regelmäßig aufzufüllen.
In einem nächsten Schritt wurde der Schalldruckpegel der Motorsägen näher untersucht. Hierbei wurde ein Schalldruckmessgerät am Helm der Bedienpersonen, unmittelbar in Höhe des rechten Ohres positioniert. Hier konnten die Akku-Motorsägen wie erwartet gegenüber ihren benzinbetriebenen Kollegen punkten. Die Akku-Säge erreichte über den ganzen Tag hinweg einen Schallexpositionswert von 80 dB(A). Die Benzinmotorsägen zeigten allesamt deutlich höhere Werte zwischen 91 und 94 dB(A). Aufgrund der Tatsache, dass sich der Schallexpositionsgrenzwert der Akku-Säge unterhalb des oberen Auslösewertes von 85 dB(A) befindet, ist das Tragen eines Gehörschutzes für die Bedienperson für die Tätigkeit der Holzernte nicht mehr zwingend vorgeschrieben. Der Tagesexpositionswert hängt jedoch stark von den durchgeführten Tätigkeiten und deren zeitliche Verteilung ab. So ist es durchaus möglich, dass beim Durchtrennen von Stammabschnitten – etwa bei der Erzeugung von Brennholz – deutlich höhere Schallexpositionen auftreten, sodass trotz Verwendung einer Akku-Motorsäge ein Gehörschutz getragen werden muss.
Auch hinsichtlich Vibrationsbelastung war die Akku-Säge den Benzinmotorsägen deutlich überlegen. Die Akku-Säge wies während der Tests zum Teil geringere Vibrationswerte als die Benzinmotorsägen. Dafür gibt es zwei Gründe: Auf der einen Seite laufen Elektromotoren technologisch bedingt ruhiger als Verbrennungsmotoren, auf der anderen Seite treten bei Akku-Motorsägen keine Vibrationen bei Stillstand der Kette auf während Benzinmotorsägen im Leerlauf motorbedingt sehr hohe Vibrationen aufweisen.
“Die Akku-Technologie macht derzeit große Entwicklungssprünge. Das merkt man auch deutlich bei den Akku-Motorsägen. Gerade in der Baumpflege möchte ich sie nicht mehr missen: Die Sägen lassen sich leicht starten, die Arbeit ist leiser und vor allem abgasfrei. Das schont nicht nur die Anwohner – sondern auch uns Bediener.”
“Die Akku-Sägen sind für kleinere Einsätze in der Forstwirtschaft gut geeignet. Die Motorleistung ist für Arbeiten in der Dickungspflege und das gelegentliche Fällen kleinerer Bäume ausreichend. Für das Fällen von Bäumen über 20 cm Durchmesser bevorzuge ich jedoch nach wie vor Benzinmotorsägen mit einer höheren Leistung”
Vor allem an langen Arbeitstagen stellt die Energieversorgung mit einer ausreichenden Anzahl an Akkus eine Herausforderung dar. Die Messung der Lärmbelastung erfolgte direkt am Ohr der Bediener.
Die Akku-Motorsäge Husqvarna 536LiXP kann durchaus mit der Leistung kleinerer Benzinmotorsägen mithalten. Der Unterschied zu Profisägen wird jedoch mit zunehmendem Baumdurchmesser immer größer.




