Die Vielfalt im Wald ist meine Lebensversicherung

Artikel aus Ausgabe 1/2021

Am 21. Oktober 2020 fand das jährliche Vernetzungstreffen im Rahmen des Projektes „Wir schauen auf unsere Wälder – Biodiversität im Wald!“ statt. Dieses Jahr stellte Michael Kuhrn aus Neustift Innermanzing in Niederösterreich seinen Betrieb vor. Michael Kuhrn ist Obmann der WWG Wienerwald-West und Biodiversitätsvermittler im Projekt „Wir schauen auf unsere Wälder“.

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Ausgabe: 1/2021
Thema: Waldökologie
Bundesland: Niederösterreich
Autor:in: Michael Kuhrn

Im Rahmen einer Exkursion lernten die rund 25 TeilnehmerInnen die naturnahe Waldbewirtschaftung und verschiedenste Maßnahmen rund um die Förderung der Arten- und Lebensraumvielfalt im Wald der Familie Kuhrn kennen. Ausgiebige Diskussionen über das Miteinander von Bewirtschaftung und Biodiversität kamen hier nicht zu kurz.
Michael Kuhrn bewirtschaftet insgesamt 50 ha Wald (größte Waldparzelle 30 ha, kleinste Fläche 1.600 m²) und setzt dabei auf vielfältige Bestände sowie auf eine naturnahe Bewirtschaftung. Der Waldbestand auf dem gesamten Betrieb setzt sich wie folgt zusammen:

30 % Buche, 17 % Tanne, 13 % Eiche, 12 % Kiefer, 8 % Fichte, 7 % Lärche, 0,5 % Douglasie, der Rest sind Laubhölzer wie Erle, Birke, Edelkastanie, Hainbuche, Ahorn, Kirsche und Elsbeere. Die ideale Bewirtschaftungsform ist für ihn die plenterwaldartige Bewirtschaftung. Daraus können sich stabile, vielfältige, dem Standort angepasste Bestände durch die natürliche Verjüngung entwickeln. Durch starke Vorlichtungen und kleinflächige Kahlschläge (400 – 1.000 m²) können sich auch Lichtbaumarten wie Eiche, Kirsche, Lärche und Kiefer im Bestand natürlich verjüngen.

Die Ökologie arbeitet für mich

Heimische Gehölze und Sträucher mit einem großen Fruchtangebot helfen dabei, die Geschmäcker der Wildtiere zu bedienen. Dieser reichlich gedeckte „Teller“ bietet wiederum Chancen für eine erfolgreiche Naturverjüngung. Eine erfolgreiche Naturverjüngung und Vielzahl unterschiedlicher Baumarten sind die „Überlebensversicherung“ für den Wald und deren Bewirtschafter in Zeiten des raschen Klimawandels. Entlang der Forststraße, am Waldrand und in Bestandeslücken werden laufend fruchttragende Bäume wie Baumhasel, Speierling, Schwarznuß, Elsbeere, Eibe und Sträucher von Dirndl, Felsenbirne, Schlehe, Mispel und Berberitze ausgepflanzt. Holunder, Schneeball, Brombeere, Weißdorn, Weidenarten, Vogelbeere und Stechpalme werden neben Buntlaubhölzern wie Wildkirsche, Edelkastanie, Wildbirne, Elsbeere und Ulme durch belassen und Lichterstellung besonders gefördert. Durch das gute Einvernehmen mit den Jägern, der Jagdgenossenschaft und genauen Absprachen über geplante waldbauliche Maßnahmen konnte erreicht werden, dass alle an einem Strang ziehen und sowohl Jagd als auch Waldbewirtschaftung nicht zu kurz kommen. Die Naturverjüngung mit unterschiedlichen Baumarten bietet die Freiheit zu entscheiden, auf welche Baumart man in Zukunft setzen möchte.

Beim Rundgang durch den Wald fallen die vielen stehenden und liegenden Totholzstrukturen auf, die bewusst in das Bewirtschaftungskonzept integriert werden. Höhlenbäume und stehendes Totholz darf abseits von Wegen und Forststraßen stehen bleiben. Diese werden rasch von Spechten und deren Folgenutzer oder nützlichen Insekten sowie totholzabbauenden Baumpilzen besiedelt.

Sonderstandorte mit Potenzial

Durch die nach Süden ausgerichteten Forststraße, welche im Jahr 2006 gebaut wurde, ist im teilweise stark beschatteten Wald ein künstlich geschaffener neuer Lebensraum entstanden. Wildbienen, wärmeliebende Insekten, Käfer, Spinnen und Reptilien wie die Zauneidechse haben sich bereits angesiedelt. Gleichzeitig wurden im Zuge des Forststraßenbaus Feuchtbiotope angelegt, wo sich Amphibien wohlfühlen. Auch Fledermäuse ziehen hier in der Dämmerung ihre Runden. Die Forststraße kann also durchaus ein vielfältiger Lebensraum sein, ermöglicht eine kleinflächige Bewirtschaftung und ist ein sicherer Garant, dass der Wald weiterhin bewirtschaftet wird.

Die Exkursionsgruppe war sich nach dem sehr lehrreichen Rundgang einig: Eine Außernutzungstellung von Wäldern zur Förderung der Artenvielfalt ist nicht die Lösung – denn eine nachhaltige Bewirtschaftung sichert die Vielfalt an Lebensräumen und Strukturen im Wald.

Fakten & Details

Zum Projekt – „Wir schauen auf unsere Wälder!“:
Interessierte WaldbewirtschafterInnen können im Rahmen des Projektes ein kostenloses, waldökologisches Betriebsgespräch mit einem geschulten Trainer im eigenen Wald in Anspruch nehmen.

Mehr zum Projekt gibt es hier:
Österreichisches Kuratorium für Landtechnik und Landentwicklung (ÖKL)
www.biodiversitaetsmonitoring.at.

Forststraßen erleichtern kleinflächige Waldnutzungen, bei denen sich struktur- und artenreiche Bestände besser entwickeln können. Ihre Randbereiche erhöhen zudem die Biotopvielfalt und bieten somit Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Feuchtlebensräume im Wald, wie dieser Tümpel, gewinnen in Zeiten der Klimaveränderung zunehmend an Bedeutung. Sie beeinflussen das Kleinklima und sind Lebensraum für viele Insekten und Amphibien.

Das klar definierte waldbauliche Ziel von Michael Kuhrn ist ein plenterartiger, artenreicher und gut strukturierter Waldbestand.

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