Sowohl der im Betrieb vorhandene Traktor, der zu erwartende, periodische Holzeinschlag, als auch die persönlichen Vorlieben des Maschinisten spielen bei den Überlegungen, welche Seilwinde ihren Zweck optimal erfüllen kann, eine Rolle. Technische Zuverlässigkeit, robuste Verarbeitung, leichte und passgenaue Adaption an den Traktor sowie intuitive Bedienung und verlässliche Sicherheitseinrichtungen runden den Anforderungskatalog ab. Nichts erleichtert die Holzernte mehr, als einwandfrei funktionierende Maschinen, Hilfsmittel und entsprechendes Knowhow.
Wie Topf und Deckel
Eine optimale Maschinenkombination ist kraftvoll, geschmeidig und wendig. Für eine ausreichende Bodenhaftung des Traktors sollte dessen Gesamtgewicht mindestens die halbe, maximale Zugkraft betragen. Bei einem zu geringen Traktorgewicht könnte es sein, dass die Winde nur als Standwinde einsetzbar ist und ein Transport der herangezogenen Last bis zum Lagerplatz nicht möglich ist. Eine richtig angepasste Zapfwelle ist die Voraussetzung für einen „geschmeidigen“ Arbeitseinsatz. Die richtige Länge der Zapfwelle erkennt man bei voll angehobenem Hubwerk. Zu kurze Zapfwellen werden auseinandergezogen und müssen neu montiert werden. Zapfwellen mit zu geringem Knickwinkel schlagen bei jeder Umdrehung und führen zu einem schnellen Verschleiß des Kardangelenkes. Bei abgesenkter Winde auf ebener Fläche soll sich die Zapfwelle in einer waagrechten Stellung zwischen Traktor und Winde befinden. Ausgehend von dieser Position sollte sie die größte Hubbewegung der Winde mitmachen können. Auch die seitliche Abweichung von der Längsachse zwischen Traktorzapfwelle und Zapfwellenstummel der Winde sollte so klein wie möglich sein.
Die Qual der Wahl hat man auch bei der Breite des Rückeschildes. Eine Schildbreite von Laufflächenmitte des linken bis Laufflächenmitte des rechten Hinterrades, ist oft ein gängiger Kompromiss. Breitere Rückeschilder verbessern zwar die Standfestigkeit beim Zuzug und erleichtern das Abziehen von Rückewegen und Forststraßen, beschädigen aber auch häufiger Bäume neben der Fahrspur. Schmälere Schildbreiten verringern die Standfestigkeit, vor allem beim seitlichen Zuziehen. Apropos Zuzug: Mit einer Seillänge von 70 – 80 m kann man Bereiche von ca. 60 m im Umkreis des Standplatzes leicht bearbeiten. Das Seil und alle Anschlag- und Hilfsmittel müssen mit 2-facher Sicherheit auf die maximale Zugleistung der Winde dimensioniert werden. Eine höher angebrachte Seileinlaufrolle erleichtert den Zuzug und verbessert die Wickeleigenschaften des Zugseiles. Eine tiefere Seileinlaufrolle bewirkt einen tieferen Schwerpunkt und erleichtert das Fahren mit schweren Lasten.
Extras für mehr Festmeter
Spezialisten verfeinern ihre Standardwinde gerne mit individuell auswählbarer Sonderausstattung. Bewährt haben sich in jedem Fall eine Funksteuerung und eine automatische Seilausspulung. Das Seil wird dabei schonend auf- bzw. abgespult und der Bediener kann das Seil kräftesparend ausziehen. Mit einer Funkfernsteuerung wird die Rückearbeit zur Einmannarbeit. In wirtschaftlicher Hinsicht amortisiert sich die Investition in eine Funksteuerung sehr schnell. Neben den ersparten Lohnkosten erhöht sich die Arbeitssicherheit, weil keine zusätzlichen Helfer benötigt werden. Ob eine Funksteuerung optimal arbeitet, kann man erst in kritischen Situationen erkennen. Die Not-Aus-Funktion muss so konzipiert sein, dass nach Betätigung der Not-Aus-Taste jede Bewegung der Seilwinde ausgeschlossen werden kann. Ein klappbares Polterschild und eine Hilfswinde zum Ausziehen des Zugseiles sind im Profibereich beliebte Zusatzausrüstungen, um die Arbeit zu erleichtern.
Zusätzliche Sicherheit
Maschinen und Geräte sind regelmäßig zu warten und zu prüfen. Nur mit einer technisch einwandfrei funktionierenden Ausrüstung ist sicheres Arbeiten möglich. So kann z. B. eine Fehlfunktion bei der Funksteuerung verheerende Folgen haben. Die „redundante Ausführung“ garantiert die Funkfunktion auch in heiklen Situationen. Redundant bedeutet, dass alle Systeme doppelt eingebaut wurden. Funktioniert Schaltkreis 1 nicht, so übernimmt Schaltkreis 2. Sollte kein eindeutiges Signal vom Funk- an das Steuergerät der Winde übermittelt werden können, so reagiert das Seil nicht. Das Seil bewegt sich weder vor noch zurück. Bei einfachen Funksystemen kann es vorkommen, dass das einlaufende Zugseil erst durch das Abstellen des Traktors gestoppt werden kann. Seit einiger Zeit lassen sich auch passive Notrufsysteme in die Funksteuerung integrieren. Sollten vorprogrammierte Situationen eintreten, so wird automatisch ein Notruf abgesetzt. Antikippsysteme (AKS) schalten bei einer bestimmten Schräglage des Traktors die Zugfunktion ab und verhindern so das Umstürzen der Maschine – eine nützliche Hilfe, wenn der Traktor nicht im Blickfeld des Bedieners steht.
Gefahrenbereiche und PSA
Aus Gründen der Arbeitssicherheit sind folgende Gefahrenbereiche bei der Holzbringung im Bodenzug zu beachten und beim Zuzug frei von Personen zu halten:
- der Nahbereich des Schleppers
- entlang des belasteten Zugseiles und in der Fortsetzung der Seillinie (auch Umlenkrolle)
- der Schwenkbereich der Last (z. B. 1 ½ Holzlängen)
- der Nahbereich von stehendem und liegendem Totholz entlang der Zuzugslinie
- der Seilwinkel von belasteten Seilen
- die Falllinie unterhalb der bewegten Last
- der Polterbereich des Holzes
- der mögliche Abrollbereich des Holzes
Die Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung muss selbstverständlich sein. Durch sie werden schwere Verletzungen deutlich reduziert bzw. verhindert. Bei Arbeiten mit Stahlseilen sind widerstandssfähige Schutzhandschuhe zu verwenden. Vor Arbeitsbeginn sollte das Risiko erhoben werden. So ist beispielsweise festzustellen, ob die Windenzugkraft bei starken Bäumen ausreicht und welche Sicherungsmaßnahmen begleitend zu ergreifen sind. Profis sind auf alle Eventualitäten vorbereitet und stehen, auch wenn etwas Unplanmäßiges passiert, auf der sicheren Seite des Seiles.
Die Anschaffung einer Seilwinde ist genau zu planen, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass die durchschnittliche Nutzungsdauer einer Seilwinde in bäuerlichen Betrieben länger währt als eine durchschnittliche, moderne Ehe. Holzmenge, Holzdimension, Rückedistanz und vorhandener Traktor bilden die Basis für die Kaufentscheidung. Welchen technischen Standard man sich gönnen möchte, hängt auch von persönlichen Interessen ab. Der Land- und Forstmaschinenhändler Ihres Vertrauens berät Sie gerne über die passende Maschinenkombination. Die Forstlichen Ausbildungsstätten des BFW stehen mit Rat und Tat zur Seite, wenn es um die sichere und methodisch richtige Arbeitsausführung geht. Wirtschaftlichkeit, Arbeitssicherheit und Freude an der Arbeit sind Eckpfeiler jeder wirtschaftlichen Aktivität und wichtige Erfolgsfaktoren in der österreichischen Land- und Forstwirtschaft.




