Wir waren gezwungen inneren Widerstand aufzugeben, bis klar wurde, dass der Bau der Schnellstraße unseren Betrieb ganz schön beeinträchtigen wird. Das Geld, welches wir für das Abtreten von Flächen für die Gesellschaft erhielten, konnte unsere Vorstellung vom Wert niemals ersetzen. Aber wie heißt es so schön: „Jede Not bringt auch einen Nutzen!“ Das brachte es auch. Wir blickten eben dorthin, wo unser Betrieb Vorteile durch diese Großbaustelle erzielen konnte.
Im Rhythmus der Jahreszeiten
Die Jahreszeiten geben unseren Bewirtschaftungsrhythmus vor. Im Sommer von Mai bis Ende August betreiben wir den Milchviehbetrieb in der Hube. Vom Herbst bis zum Winterende arbeiten wir im Wald. Wobei durch die Schneelage und einer entsprechenden Höhenlage der Waldflächen (bis zu 1.600 Meter) bei der Holzernte von oben nach unten gearbeitet wird. Im Frühjahr beginnen wiederum die landwirtschaftlichen Außenarbeiten.
Unser Sohn Christoph arbeitet in seinem eigenen Kleingewerbe mit einem Bagger. Diesen hat er zusätzlich mit Schubprozessor und Klemmzange ausgestattet. Besonders bei den Durchforstungen bringt dieses Gerät eine wertvolle Unterstützung. In der Kombination mit einem Klemmbock, den noch Barbaras Papa vor sehr vielen Jahren konstruiert und gebaut hat, sind wir auch bei der Rückung der Ganzbäume auf unseren doch sehr steilen Waldflächen sehr effektiv unterwegs.
Mit dem eigenen Krananhänger bringen wir das gesamte geerntete Holz bis zum Hof. Hier haben wir mit unserem Holzfrächter, der dies sehr schätzt, ein Agreement getroffen, sodass wir für dieses Vorführen auch eine entsprechende finanzielle Abgeltung bekommen. Wir sehen das als Win Win Situation für beide Seiten. Wir sind unabhängig von Wegsperren, kein Holz bleibt lang im Wald liegen und ist somit keine Brutstätte für Borkenkäfer. Der LKW kann jederzeit direkt und ungehindert von der Asphaltstraße das Holz abtransportieren.
Den Wilddruck spüren wir teilweise sehr stark. Es ist gut, dass unsere Söhne als Jäger aktiv in der Gemeindejagd auf die Pirsch gehen und gezielt unseren Grund und Boden bejagen. Als beide ihre Leidenschaft dafür intensiviert haben, konnten wir sofort eine Reduzierung der Schäden erkennen. Die Schwerpunktbejagung besonders auf Kahlflächen finden wir absolut notwendig. Sorge bereitet, dass wir im Randgebiet von Einstandsgebieten des Rotwildes sind und dass bereits vereinzelt Schälschäden auftreten.
Im Sinne der Gemeinschaft
Durch die Wärmeversorgung einer Schule, gemeinsam mit einem Nachbarn, ab 2007 überzeugten wir die Gemeinde. 2009 wurde dann mit einer Genossenschaft gemeinsam mit der Gemeinde die Nahwärme Unzmarkt-Frauenburg gegründet. Neben dem Heizwerk mit einer Leistung von 800 KW versorgen wir noch mehrere Kleinanlagen mit Hackgut. Damit ist unser Holzabsatz von Schleif-, Faser- und Energieholz zu sehr guten Preisen langfristig abgesichert und wir sind bei diesen Holzsortimenten unabhängig von der allgemeinen Wirtschaftslage. Jährlich vermarkten wir damit rund 600 bis 800 SRM Hackgut. Wir brachten und bringen auch sehr viele Arbeitsleistung, ob beim Leitungsbau, bei der Erweiterung oder beim Service in die Nahwärme ein. Sodass dadurch auch ein lukratives Zusatzeinkommen für den Betrieb besteht. In diesem Jahr erweitern wir die Anlage mit einem Blockheizkraftwerk (BHKW) Holzvergasung in der Größe von 50 KW Strom und 100 KW Wärme, um elektrische Energie zu verkaufen und die Grundauslastung des Wärmebedarfes im Sommerbetrieb zu sichern.
Fühler für den Waldverband
Es tut uns schon weh, dass sehr viele nicht so intensiv gemeinschaftlich denken. Wir könnten vieles in der Gemeinschaft erreichen. Als Vorstandsmitglied des Waldverbands Murtal sehe ich mich als Fühler in der Gemeinde – wie die Stimmung ist, was sich im Wald tut. Uns ist schon klar, dass es auch für den Waldverband herausfordernd ist, wenn der Markt hungrig nach Holz ruft. Wir im Waldverband müssen unbedingt aufzeigen, welch große Transparenz, welch umfassende Sicherheiten und welche Möglichkeiten der Holzverkauf über den Waldverband bietet. Besonders in Krisenzeiten müssen wir Gewehr bei Fuß stehen und die loyalen Mitglieder bevorzugt bedienen. Aber auch die Holzabnahme muss sichergestellt sein.
Eine gute Ausbildung ist für den Erfolg in der Landwirtschaft essentiell. Ich selbst bin landwirtschaftlicher Facharbeiter, Christoph ist Landwirtschaftsmeister. Die Kinder müssen aus unserer Sicht sehr früh in betriebliche Abläufe miteinbezogen werden, um auch die Fragen, woher kommt das Geld und wohin geht das Geld, selber beantworten zu können. Seit 30 Jahren betreibt Barbara eine Einnahmen – Ausgaben Rechnung für unseren Betrieb und Christoph bekam durch die doppelte Buchhaltung, die Teil der Meisterausbildung war, einen noch tieferen Einblick.
Lebenseinstellung vorleben
Mein Großvater kam aus der Schweiz und verliebte sich in der Steiermark. Nach einigen Jahren zurück in seiner Heimat gab er dem Heimweh meiner Großmutter nach und die Familie zog zurück in die Steiermark. Mein Vater war damals sechs Jahre alt. Die Großmutter erbte unseren Familiensitz in Unzmarkt und verdoppelte die Flächen in den nachfolgenden Jahren durch Zukauf. Besonders mein Großvater trieb den Forstschritt mächtig voran, sodass bereits im Jahr 1956 die ersten Güterwege gebaut wurden.
Wir sind sicher noch traditionell konservativ, geerdet, verwurzelt und auch fleißig. Das beginnt schon bei den Kleinigkeiten. Beim Zäunen Eisen- oder Kunststoffpfähle verwenden? Das geht niemals für uns. Wir sind Vorbilder und wer in der Gesellschaft soll unser Holz verwenden, wenn wir es selber nicht tun. Warum Biobetrieb? Weil es für uns eine Lebenseinstellung ist. Wir gehen gerne in den Stall, melken unsere Kühe 3,5 Monate auf der Alm und gesunde Tiere bringen minimalste Tierarztrechnungen.
Auch wenn das Leben nicht immer ein Glückshafen mit ständig neuen großen Geschenken ist, können wir doch selber sehr viel für unsere innere Balance beitragen. Es beginnt beim Vorbild sein bei den eigenen Kindern. Wie wunderbar doch das Leben mit der Natur ist. Den Optimismus verbreiten, dass Land- und Forstwirtschaft Zukunft hat – all das geben wir unseren Nachkommen mit unseren eigenen Worten und mit unserem täglichen Tun mit.
Immer den Blick nach vorne gerichtet – so gehen die Kublis durch das Leben!
Christoph Kubli lebt es vor – den eigenen Wald unbedingt bejagen.
Fakten & Details
Familie
Barbara und Martin Kubli
Ebring 2, 8800 Unzmarkt
Kinder: Hofnachfolger Christoph,
24 Jahre, mit Schwiegertochter Carina und Enkelsohn Maximilian, Viktoria,
26 Jahre und Martin, 27 Jahre
Mutter Anna Kubli lebt auch am Hof
Betriebsdaten
Eigenfläche 110 ha, davon 75 ha Wald
30 ha Grünland und Acker dazu gepachtet
Biobetrieb mit Milchwirtschaft
Maschinenausstattung für den Forst
120 PS Allradtraktor mit Funk Seilwinde
Krananhänger
Bagger, der bei Bedarf mit Fällgreifer, Schubprozessor und Holzzange ausgerüstet werden kann
Klemmbock für das Holzrücken
Motorsägen




