Schadbild und Erkennung
Sowohl die heimische Weißtanne, Nordmannstanne aber auch andere Tannenarten können befallen werden. Im Frühjahr legen die überwinterten Läuse ihre Eier. Rund 350 Eier pro Weibchen führen zu der rasanten Vermehrung. Ab Mitte Mai saugen sie vor allem an der Unterseite junger Nadeln, teils auch an jungen Trieben. Bei der Nordmannstannen-Trieblaus führt der Befall im oberen Kronenbereich zu Dürre und zum Absterben von Jungtrieben. Im Spätsommer beginnt erneut die Saugtätigkeit und es werden wieder Eier an Trieben abgelegt. Typische Erkennungsmerkmale sind massenhaft Läuse an Nadeln und Trieben und nach unten gekrümmte Nadeln sowie Wachswolle.
Auftreten und Verbreitung
Die stärksten Probleme verursachen die Läuse an jungen Bäumen, immer wieder werden aber auch ältere Bäume bis ins Stangenholzalter befallen. Bevorzugt werden von der Tannentrieblaus dabei sonnige Südhänge und freistehende Kulturen. Schäden werden meist erst gegen Ende Juni besonders sichtbar, obwohl die Saugtätigkeit schon im Frühjahr beginnt.
Vorbeugung
Sofern noch keine Schäden auftreten, sollte man gekauftes Pflanzgut von Tannen sehr sorgfältig kontrollieren, um die Einschleppung zu vermeiden. Eine rasche Freistellung der Verjüngung kann die Trieblaus stark begünstigen. Aber auch Trockenjahre führen in Folgejahren oft zu stärkeren Schäden. Eine langsame Auflichtung in mehreren Schritten verringert das Befallsrisiko junger Tannen. Bei fehlendem Altbestand helfen aber auch vorwüchsige Bäume, wie Birken, als Beschattung. Da sich die Tannentrieblaus aktiv nur sehr kleinflächig fortbewegen kann, sollten befallene Bäume nur im Spätherbst und Winter ausgestreift werden, um eine unnötige Ausbreitung im Betrieb zu vermeiden. Ansonsten kann befallenes Material in Säcken ausgetragen werden. Dürre Tannen können dagegen im Bestand verbleiben.
Bekämpfungsmöglichkeiten
Sobald sich die Tannentrieblaus großflächig verbreitet hat, führt eine chemische Bekämpfung kaum noch zu einer Verringerung der Schäden. Sofern die Trieblaus nur punktuell auftritt, kann sie aber eingesetzt werden. Als chemisches Insektizid ist aktuell beispielsweise Karate Zeon für die forstliche Anwendung zugelassen. Da die Läuse vor allem an der Blattunterseite saugen, ist die Anwendung (von unten nach oben spritzen) nicht ganz einfach. Wesentlich ist, dass Pflanzenschutzmittel nur vor der Eiablage, bei Anwendung im Spätherbst bis Spätwinter, gute Wirkung erzielen können. Eine Daueranwendung führt dagegen zu negativen Effekten und ist zu vermeiden. In einem Forschungsprojekt der Bundesforste mit dem BFW wurden auch ökologische Mittel getestet, die derzeit im Forst nicht zugelassen sind, aber Wirkung zeigten: Neudosan, ein biologisches Pflanzenschutzmittel auf Basis von Kali-Seife bzw. andere Produkte mit Rapsöl werden derzeit vor allem im Obstbau gegen Blattläuse eingesetzt und konnten bei ersten Tests eine Verbesserung erzielen.
Das Wichtigste in Kürze
- Schnelles Reagieren: sobald die ersten befallenen Bäume auftreten
- Nicht im Bestand vertragen: Ausstreifen der befallene Bäume nur im Winter
- Zeitpunkt einer Bekämpfung: im Winter bis Ende März
- Waldbauliche Fehler vermeiden: rasche Abdeckung der Verjüngung begünstigt die Trieblaus
Fortgeschrittener Befall führt zu Dürre im oberen Kronenbereich.
Titelbild: Typisches Erkennungsmerkmal der Tannentrieblaus: nach unten gekrümmte Nadeln.



