Schuld für die Anfälligkeit der Fichte sind dabei einerseits zu geringe Vitalität, was sich in kleinen grünen Kronen widerspiegelt und andererseits die zu hohe Stammzahlhaltung. Je höher die Stammzahl, desto weniger Wasser und auch Nährstoffe stehen den einzelnen Bäumen zur Verfügung. In dichten Beständen wird sehr viel Wasser schon durch die Kronen zurückgehalten und verdunstet. Diese so genannte Interzeption kann in Nadelholzbeständen bis zu 40 % betragen – Wasser, welches am Boden und bei den Wurzeln fehlt. Vor allem in Gebieten unter 800 mm Niederschlag kann dies für die Fichte fatal sein. Dies betrifft vor allem große Teile des Mühl- und Waldviertels, das östliche Alpenvorland, die Süd- und Oststeiermark und das Klagenfurter Becken.
Wie sieht nun eine optimale Stammzahlhaltung aus?
Grundsätzlich sei gesagt, dass die Eingriffsstärke unabhängig von der Bonität ist, außer dass bei schlechten Bonitäten die Eingriffe zeitlich gesehen später und in größeren Abständen passieren als bei besseren Bonitäten. Aus diesem Grund wird auch die Oberhöhe (die Höhe der stärksten Stämme) für die Bestimmung des Zeitpunktes eines Eingriffes verwendet. Wichtig ist die Rechtzeitigkeit der Eingriffe. Versäumtes kann schwer oder gar nicht eingeholt werden.
Dickungspflege
Bestände, die aus Naturverjüngung hervorgegangen sind, sollten bei einer Höhe von 2 – 3 Meter auf eine Stammzahl von maximal 2.500 reduziert werden. Dies geschieht am besten schematisch, in dem alle zwei Meter eine zwei Meter breite Gasse rausgeschnitten wird. In der übrig gebliebenen Gasse wird dann noch reduziert, bei einer guten natürlichen Differenzierung ist dies aber nicht so wichtig, da es von selbst geschieht.
Wenn das (Nadel-)Holz liegen bleibt, ist es besser die Pflege im Herbst durchzuführen, da die Abtrocknung bis zum nächsten Frühjahr einen Befall durch Borkenkäfer unwahrscheinlich macht. Dabei sollten die Bäume mehrmals durchtrennt werden und Bodenkontakt haben, damit sie schneller vermodern können. Wenn das Holz entnommen wird, muss die grüne Krone aber unbedingt im Wald verbleiben (d.h. keine Vollbaumnutzung). Dieses Material ist für den Humusaufbau wichtig, der wiederum die Wasserspeicherkapazität des Bodens erhöht. Die Entnahme von grünem Kronenmaterial ist auch bei einer eventuellen Förderung dieser Maßnahme im Rahmen der Ländlichen Entwicklung ausnahmslos untersagt.
Bei aufgeforsteten Beständen ist es wichtig, welcher Pflanzverband verwendet wurde. Bei einem Verband von 2 x 2 Meter ist keine Dickungspflege notwendig, die Erstdurchforstung sollte dann aber bei ca. zwölf Meter durchgeführt werden. Eingriffe sind nur notwendig, wenn Protzen bzw. beschädigte Bäume vorhanden sind oder wenn konkurrenzschwache Mischbaumarten erhalten werden sollen. Bei einem Verband von 3 x 3 Meter kann die Erstdurchforstung erst bei 15 Meter beginnen, was den Vorteil hat, dass die Durchmesser bereits stärker sind und damit der Deckungsbeitrag günstiger ist. Diesen Vorteil könnte man auch bei einer Stammzahlreduktion bei Naturverjüngungen berücksichtigen.
Erstdurchforstung
Vor der Erstdurchforstung ist die Anlage der Rückegassen notwendig. Gut bewährt sind mindestens drei, besser vier Meter breite Gassen alle 20 Meter. Dies ergibt bereits eine Gesamtfläche von 1.500 bis 2.000 m2 pro Hektar. Die Z-Bäume sollten nicht neben der Rückegasse platziert werden, damit Schäden verhindert werden. Erntemaschinen sollten nur mehr auf diesen Gassen unterwegs sein, damit konzentriert sich eine mögliche Bodenverdichtung nur auf diesen Teil im Bestand. Durch die Durchforstung wird der Zuwachs des Gesamtbestandes auf die verbleibenden Bäume umgelenkt, wodurch diese rascher in verwertbare Sortimente hineinwachsen. Eine wesentlich höhere Stabilität gegenüber Orkanen kann durch die Durchforstung nicht gewährleistet werden, bei Schneebrüchen bleibt aber meist eine größere grüne Krone erhalten, wodurch eine Weiterführung des Bestandes oft noch sinnvoll erscheint.
Der Z-Baum
Ein Z-Baum oder Zukunftsbaum sollte folgende Kriterien erfüllen: Vorherrschend, vital, stabil, gesund und gerade. Wir empfehlen unbedingt eine Auszeige vor der Entnahme, unabhängig davon, ob die Ernte per Motorsäge oder mit dem Harvester erfolgt. Untersuchungen zeigen, dass eine Auszeige die Leistung des Harvesters um bis zu 15 % erhöht und dadurch die Kosten senkt. Außerdem minimiert es die Schäden, weil sich der Harvesterfahrer voll auf das Fällen konzentrieren kann. Harvesterfahrer können außerdem einen Stamm nur von einer Seite beurteilen, dabei Stammschäden übersehen und auch nur bedingt in die Krone blicken. Zumindest die Z-Bäume sollten daher ausgezeigt werden, dies reduziert die Schäden im Durchschnitt auf ein Fünftel. Das heißt, eine Auszeige rechnet sich!
Z-Baum-Auswahl
Bei einer Auswahl von rund 300 Z-Stämmen pro Hektar bei einer Oberhöhe von 12 – 15 Meter ergibt sich ein Abstand von sechs Meter. Werden bei der Durchforstung die zwei stärksten Bedränger entnommen, so ergibt dies je nach Stammzahl bei der Erstdurchforstung, dass zwei bis drei Eingriffe notwendig sind, bis der Bestand seine Endstammzahl erreicht hat. Je weniger Eingriffe, desto höher der Deckungsbeitrag pro Eingriff, desto weniger Befahrung der Gassen und dadurch weniger Bodenverdichtung. Es gibt auch Empfehlungen, die die Erstdurchforstung bei einer Ausgangsstammzahl von 1.100 Stück pro Hektar bei einem durchschnittlichen Brusthöhendurchmesser (BHD) von 25 cm ansetzen. Dadurch erspart man sich das Höhenmessen, man sollte aber in der Lage sein, einen durchschnittlichen BHD zu errechnen.
Der H/D-Wert
Wenn die Maßnahmen in dieser Stärke und zu diesen Zeitpunkten stattfinden, so werden die Z-Bäume einen H/D-Wert von deutlich unter 80 haben und sind damit sehr stabil. Der H/D-Wert errechnet sich aus der Division Baumhöhe in cm durch Brusthöhendurchmesser in cm. Werte unter 80 bedeuten, dass der Baum stabil ist, Werte über 100, dass der Baum sehr instabil ist. Bäume mit H/D-Werten von unter 80 haben meist auch eine grüne Krone von mindestens einer halben Baumlänge, was eine gute Vitalität ausmacht. Eine große Krone führt auch zu einem verstärkten Wachstum, was die Umtriebszeit herabsetzt. Sowohl die Aststärken als auch die Jahrringbreiten sollten dann auch in einem für eine B-Qualität ausreichendem Ausmaß vorhanden sein, wodurch auch die Holzqualität passen sollte. Auf Versuchsflächen des BFW in Ottenstein im Waldviertel hatten durchforstete Fichten im Alter 40 bereits den doppelten durchschnittlichen Brusthöhendurchmesser im Vergleich zu undurchforsteten Beständen. Es würden also unsere drei wichtigsten Parameter bei der Beurteilung eines Bestandes nämlich Vitalität, Stabilität und Qualität ausreichend bedient werden. Dies ist wichtig für die Fichtenbestände der Zukunft!
Bei allen Pflegeeingriffen sollten außerdem noch folgende Dinge beachtet werden:
- Baumartenvielfalt erhalten
- Mischwuchsregulierung in Richtung standortangepasstere, klimastabilere Baumarten
- Mischung aus Tief- und Flachwurzler anstreben
- Seltene Baumarten erhalten, auch bei schlechterer Qualität
- Mögliche Unterschicht erhalten, nur in die Oberschicht eingreifen




