2015 ist herausforderndes Jahr für OÖ Waldbesitzer

Okt 29, 2015 | Allgemein

Sturmschäden und Käferholz bereiteten Probleme

Linz, 28. Oktober 2015 – Holz als nachwachsender und vielseitig nutzbarer Rohstoff ist gefragt und wird seit einigen Jahren auch kostendeckend bezahlt, sofern Normalmengen in guter Qualität geerntet werden. Im holzstarken Oberösterreich mit 41% Waldanteil verlief die Entwicklung heuer jedoch ungewöhnlich bis sehr schwierig, berichteten heute LK-Präsident Franz Reisecker und Franz Kepplinger, Obmann des Bäuerlichen Waldbesitzerverbandes.

Der Sturm „Niklas“ verursachte im April größere Schadholzmengen in Oberösterreich, Tirol und Salzburg sowie im benachbarten Bayern. Kaum waren diese Schadmengen aufgearbeitet, hatten die heimischen Wälder unter der enormen Hitze im Sommer zu leiden.

Infolge des trockenen Sommers waren die Waldbilder in den Herbst hinein durch braune Baumkronen aufgrund des verstärkten Borkenkäferbefalls geprägt. Die deutlich erhöhten Käferholzmengen führten dazu, dass sich die Rundholzpreise auf einem niedrigen Niveau eingependelt haben. „Das Preisniveau für gesunde Fichte liegt beim Leitsortiment bei etwa 85 Euro pro Festmeter. Dies sind rund 20% weniger als noch vor einem Jahr erlöst wurden“, gab Reisecker zu bedenken.

Verlust durch Bruch- und Käferholz

Das vom Sturm gefällte Holz konnte im Frühjahr durch deutliche (und gefährliche) Mehrarbeit aus dem Wald geschafft und auch relativ zufriedenstellend vermarktet werden. Weitere Verluste verursachten dabei allerdings Bruchstücke und Splitterware, die nur noch als Brennholz zu vermarkten waren. So war Käferholz weithin qualitativ abgewertet oder durch Begleiterscheinungen wie Braunbloche betroffen und setzte die minderen Schnittholzsortimente insgesamt unter Druck. Zum niedrigeren Holzpreis kam die schleppende Abfuhr, da die Holzkäufer selbst bereits reichlich mit Ware eingedeckt waren oder diese nicht sofort verarbeiten konnten. „Die lagernden Rundholzmengen können voraussichtlich im gesamten vierten Quartal nur sukzessive abgefahren werden. Daher ist es wichtig, geplante Normalnutzungen vorerst zurückzustellen beziehungsweise in Abstimmung mit dem Waldhelfer genau an die Abfuhr anzupassen“, betonte Kepplinger.

Mehr Holzeinsatz im Baubereich

„Statt der Nadelholznutzung empfehlen wir für die nächsten Wochen die Laubwertholz- und Laubfaserholz-Produktion. Speziell Laubsägerundholz ist derzeit sehr gut nachgefragt. Wie in den vergangenen Jahren ist auch heuer wieder der Trend zu den dunklen Holzarten und dabei speziell zur Eiche gegeben“, so der Obmann. „Wir vom BWV sind bemüht, mit unseren Marktpartnern die vorherrschende Situation bestmöglich zu bewältigen und vor allem den Schnittholzabsatz vor dem weiteren Einbruch zu bewahren“, betonte er. Dazu müsse auch noch viel stärker auf Holz am Bau gesetzt werden.

LK-Präsident Reisecker verwies heute einmal mehr auf die volkswirtschaftliche Bedeutung der Forstwirtschaft: „Allein in Oberösterreich erwirtschaften rund 70.000 Menschen direkt oder indirekt ihr Einkommen aus der Forstwirtschaft. Der jährliche Produktionswert der gesamten Wertschöpfungskette Holz beträgt rund 12 Mrd. Euro jährlich. Schnittholz, Holzfertigprodukte und Papier sind wichtige österreichische Exportgüter.“

Waldpflege hat hohen Stellenwert

Die 40.000 oö Waldbesitzer investieren auch intensiv in die Pflege ihrer Wälder. 36% des Holzeinschlages kommen derzeit aus Durchforstungen, also aus Maßnahmen, welche die Stabilität, Vitalität und Qualität des Waldbestandes fördern. Das sind um 5% mehr als noch vor fünf Jahren. Insgesamt wurden im Vorjahr in Oberösterreich rund 2,7 Mio. Festmeter Holz geerntet.

Bei der Holzernte und den dabei eingesetzten Maschinen wird besonders darauf geachtet, Bodenverdichtungen zu vermeiden, wie Reisecker anmerkte. Fast 19.000 Waldbesitzer überzeugten sich Anfang Oktober bei der AUSTROFOMA 2015 – Österreichs größter Forstmaschinenvorführung – davon, dass sich der Einsatz zeitgemäßer Forstmaschinen und naturnahe Waldwirtschaft vereinbaren lassen.

„Da der Wald auch Arbeitsplatz und Betriebstätte ist, gilt es für Erholungssuchende, gewisse Regeln zu befolgen. Wenn sich alle Beteiligten mit Respekt begegnen, steht der Erholung im Wald nichts im Wege. Spazieren und Joggen im Wald ist überall erlaubt. Reiten und Radfahren auf Forststraßen ist nur dann zulässig, wenn es sich um ausgewiesene Reitwege oder Mountainbike-Routen handelt“, unterstrich der Präsident. Um der Gefährdung von Freizeitsportlern vorzubeugen, könne während der Holzerntearbeiten durch den Waldbesitzer ein befristetes forstliches Sperrgebiet verhängt werden, diese Sperren seien auch einzuhalten.

Unterstützung durch die Landwirtschaftskammer

„Unterstützt durch maßgeschneiderte Bildungs- und Beratungs-Produkte der LK OÖ und des Ländlichen Fortbildungsinstituts werden die heimischen Waldbesitzer auch künftig ihren Beitrag zu einer erfolgreichen und nachhaltigen Waldwirtschaft leisten können“, erklärte Reisecker.

Landwirtschaftskammer Oberösterreich

Bäuerliche Waldbesitzerverband OÖ

 

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