Neubefall verhindert, vorhandene Bruten können nicht überleben

Bregenz, 26. Juni 2018 (aiz.info). – Vorarlberg ist in den vergangenen Jahren weitgehend von einer Borkenkäfermassenvermehrung verschont geblieben. Heuer ändert sich die Situation, weil durch den Windwurf “Burglind” zu Jahresbeginn trotz intensiver Aufarbeitungsbemühungen einiges an bruttauglichem Material im Wald zurückbleibt. Über den Waldverband wird jetzt mit der Zwischenlagerung in einem Nasslager eine kontinuierliche Abfuhr gewährleistet. Bruttaugliches Material wird damit dem Borkenkäfer für eine mögliche Massenvermehrung entzogen.

Bei den vielen Borkenkäferarten, die es gibt, bereiten im Wesentlichen nur der “Buchdrucker”, der “Kupferstecher” und der “gestreifte Nutzholzbohrer” bei der Fichte Probleme. Solange nur Windwurfholz oder geschwächte Bäume befallen werden, ist das Problem nur ein begrenztes. Wenn der Schädling aber durch die exponentielle Vermehrung auch auf gesunde Bäume übergreift, kommt es zu großen wirtschaftlichen und im Gebirgsland Vorarlberg auch zu ausgedehnten schutzwaldtechnischen Problemen.

Problem Temperatur und Wetter

Dauer und Dynamik der Borkenkäferentwicklung sind maßgeblich von der Temperatur abhängig. Während sich der Buchdrucker vom Ei zum Käfer bei durchschnittlich 19 Grad Celsius in sieben Wochen entwickelt, sind es bei 24 Grad nur mehr fünf Wochen. Normalerweise werden in unseren Breiten nur zwei Generationen ausgebildet. Aufgrund der steigenden Temperaturen durch den Klimawandel sind drei Generationen möglich. Zusätzlich spielt der gesamte Wetterverlauf eine Rolle. Ist es relativ nass, steigt die Verpilzungstendenz bei Borkenkäferbruten. Andererseits unterbleibt bei längeren niederschlagsfreien Zeiträumen der Trockenstress für die Fichten.

Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Borkenkäferbefalls

Grundsätzlich ist der Waldbesitzer per Forstgesetz verpflichtet, möglichst wenig bruttaugliches Material im Wald zu belassen. Beim Erkennen befallener Bäume helfen die Landeswaldaufseher. Bereits abgestorbene Fichten sind im Übrigen nicht mehr bruttauglich und müssen aus Forstschutzgründen nicht mehr entfernt werden (Käfer ist bereits ausgeflogen). Eine sehr effiziente Methode ist die Fangbaumvorlage im Frühjahr. Hier wird versucht, möglichst viele Käfer der Elterngenerationen abzufangen und damit die Massenvermehrung einzuschränken. Weitere Maßnahmen sind Prügel- und Pheromonfallen, Entrinden, Zerkleinern, Schutz bei der Lagerung. Unerlässlich ist die regelmäßige Kontrolle des Forstes, insbesondere Nachbarbäume von früheren befallenen Bäumen. Waldbesitzer sind aufgefordert, den Kontakt zum Beratungsservice der Landeswaldaufseher zu nutzen. Die Forstwirtschaft strebt auch stabile Mischbestände auf Basis der natürlichen Waldgesellschaft an.

Holzmarkt ausgelastet – Weiterer Frischholzeinschlag derzeit nicht ratsam

Der Rundholzmarkt ist aufgrund der erhöhten Mengen aus den Windwürfen in ganz Europa unter Druck. Die Kapazitäten in der Logistik sind an ihre Grenzen gekommen. Beim Schwachnutzholz, das von Vorarlberg zu großen Sägewerken nach Tirol geliefert wird, stehen einerseits zu wenige ÖBB-Waggons zur Verfügung, andererseits fehlt es auch an Abnahmekapazitäten der Sägewerke selbst. Bei Starknutzholz, das bei den Vorarlberger Sägewerken angeliefert wird, hat die Abnahme lange relativ gut funktioniert. Jetzt kann es aber auch hier zu Engpässen kommen.

Ein normaler Frischholzeinschlag wird derzeit nicht empfohlen. Deshalb gehen diese Mengen über den Sommer langsam zurück. Der Schnittholzabsatz läuft erfreulicherweise national und international auf gutem Niveau. Damit wird im Herbst wieder mit einer belebten Nachfrage gerechnet. Unsicherheitsfaktor ist natürlich der Anfall von Borkenkäferholz, das technisch einwandfrei ist und “nur” Farbveränderungen aufweist.

Mit Nasslagerung Schädlingsvermehrung verringern

Aufgrund der überlasteten Rundholzmärkte wird die Zwischenlagermöglichkeit immer wichtiger. Damit kann das “fängische” Rundholz kontinuierlich aus dem Wald abgeführt werden und dem Borkenkäfer das Vermehrungspotenzial entzogen werden. Dies ist derzeit entscheidend. Bei der Nasslagerung wird ein Neubefall verhindert, vorhandene Bruten können nicht überleben.

Die Nasslagerung hat den großen Vorteil gegenüber anderen Trockenlagervarianten, dass die Holzqualität über längere Zeiträume nicht beeinträchtigt wird. Die Organisation und Abwicklung des Nasslagers läuft in Zusammenarbeit mit der Agrargemeinschaft Altenstadt über den Waldverband, einer Serviceeinrichtung für alle Vorarlberger Waldbesitzer. Damit ist gewährleistet, dass von dieser Maßnahme auch alle Waldbesitzer profitieren. Mit der drohenden Zunahme von Windwürfen wird die Einrichtung mehrerer Nasslagerplätze im Rahmen eines Katastrophenmanagements künftig immer wichtiger.

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